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FSV Frankfurt in Regionalliga : „Wir sind mit Recht da oben!“

  • -Aktualisiert am

Daniel Endres spielte von 1995 bis 2019 bei den Kickers Offenbach – mittlerweile ist er der Rückhalt beim Tabellenführer FSV Frankfurt. Bild: Picture-Alliance

Der FSV Frankfurt führt überraschend die Regionalliga-Tabelle an. Im Interview verrät Keeper Daniel Endres, wie das von der Konkurrenz wahrgenommen wird und mit welchen Ambitionen sein Team ins Hessen-Derby bei den Kickers Offenbach geht.

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          Der FSV Frankfurt führt vor dem Hessenderby an diesem Dienstag bei Kickers Offenbach überraschend die Regionalliga-Tabelle an. Wie wird der FSV von der Konkurrenz wahrgenommen?

          Alle Trainer haben uns noch nicht so wirklich auf dem Schirm. Wenn ich die Anekdoten im Internet lese, denkt jeder, der FSV wird am Ende Siebter oder Achter. Sie glauben, dass wir irgendwann einbrechen werden. Doch das könnte unser großes Plus sein. Das Spiel in Offenbach ist eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass wir zu hundert Prozent da oben hingehören. Wir spielen richtig guten Fußball in dieser Saison. Es ist unser Credo, den Spielen unseren Stempel aufzudrücken.

          Wird der FSV immer noch unterschätzt?

          Es ist ein bisschen fahrlässig, zu denken, dass wir es nicht schaffen können, nur weil wir vor der Saison nicht gesagt haben, dass wir aufsteigen wollen, und weil wir nur ein Minibudget haben. Andere Klubs wie Großaspach haben es vorgemacht, auch mit geringen finanziellen Möglichkeiten in die dritte Profiliga zu kommen. Warum sollte das der FSV nicht schaffen? Die Tabelle lügt nie – egal, welchen Spieltag wir haben. Ein Spiel kann man vielleicht mit Glück gewinnen. Wir aber haben von den zurückliegenden acht Spielen sieben gewonnen und eins unentschieden gespielt. Das hat nichts mehr mit Glück zu tun. Wir sind mit Recht da oben! Uns wird nachgesagt, wir gewännen gegen die Mannschaften von unten. Aber schon zu meinen Offenbacher Zeiten haben wir gesagt, dass die wichtigsten Spiele die gegen die Gegner von Platz acht runter sind. Diese Partien muss man gewinnen, um am Ende auf dem ersten oder zweiten Platz zu stehen. Diesbezüglich sind wir mega im Soll und ganz klar im Vorteil, da sich die anderen Mannschaften in diesen Spielen sehr schwertun.

          Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?

          Wir haben einen hervorragenden Teamspirit. Wir sind eine Einheit und sprechen mit einer Stimme. Keiner ist neidisch auf den anderen. Und Druck machen wir uns nur selbst. Wir möchten die Spiele aber nicht mit der Brechstange gewinnen. Vielmehr wollen wir Spaß haben und die Dinge spielerisch lösen. Bisher haben wir das sensationell gut gemacht.

          Obwohl die Kickers aufsteigen wollen, haben sie bereits sieben Punkte Rückstand auf den FSV. Wie groß ist der Ärger beim OFC?

          Der Ärger ist mit Sicherheit groß, dass die Kickers nicht ganz oben stehen. Dadurch, dass jetzt der FSV auf Platz eins steht, ärgern sie sich vielleicht noch ein paar Prozentpunkte mehr. Aber es sind ja nicht nur wir, die vor ihnen sind, sondern sechs oder sieben Mannschaften, oder? Ich weiß gar nicht, auf welchem Tabellenplatz sich der OFC gerade befindet. Scheinbar machen einige Mannschaften dann doch mehr richtig als die Kickers.

          Sie kennen den Offenbacher Tabellenplatz – der OFC ist Sechster – nicht?

          Ich weiß, wer Zweiter und Dritter ist.

          Nach 24 Jahren im Trikot der Offenbacher Kickers ist Ihr Vertrag als Galionsfigur im Sommer 2019 trotzdem nicht verlängert worden. Wie groß wäre Ihre Genugtuung bei einem FSV-Sieg?

          Genugtuung ist das falsche Wort. Als ich mit Bayern Alzenau beim OFC als kleiner Underdog gewonnen habe, war es definitiv eine Genugtuung, da wir dort eindrucksvollen Fußball gespielt haben. Mit der Genugtuung bin ich jetzt aber durch. Aber natürlich ist es auch diesmal ein besonderes Spiel für mich. Der Bieberer Berg war über 24 Jahre lang mein Zuhause. Ich glaube, ganz Deutschland – ob von der ersten bis zur vierten Liga – lechzt nach solch vereinstreuen Spielern.

          War das die größte Enttäuschung Ihrer Karriere, dass die Kickers nicht mit Ihnen weitermachen wollten?

          Es war auf jeden Fall eine sehr traurige Entscheidung für mich.

          Warum ist es den Kickers in den vergangenen Jahren nicht gelungen, in die dritte Profiliga zurückzukehren?

          Dazu will ich mich nicht äußern. Das ist deren Problem. Mit diesem Thema beschäftige ich mich nicht.

          Welche Bedeutung hat das Duell an diesem Dienstag für beide Vereine?

          Es ist keine normale Begegnung, weil sich auch viele Spieler untereinander kennen. Für uns wird es ein enorm schweres Spiel. Aber der Druck liegt klar bei unserem Gegner. Wir könnten mit einem Punkt zufrieden sein. Wenn aber die Kickers das Spiel nicht ziehen sollten, dann wird es im Laufe der Saison für sie echt schwer werden.

          Ist der FSV von seinen Strukturen her drittligareif?

          Definitiv. Ich bin sehr begeistert. Allein unser Kraftraum ist vom Niveau her erste Bundesliga. Wir haben das Stadion, zwei Rasenplätze und einen Kunstrasenplatz. Da kann man sich nicht beschweren.

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