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Freiburg - Offenbach 2:0 : Drei Neue, doch die Tristesse hält an

  • -Aktualisiert am

Enge Ballführung: der Offenbacher Oliveira dos Santos Bild: Alfred Harder

Die Tristesse der Offenbacher Kickers dauert an, trotz diverser Leih- und Tauschgeschäfte vor und in der Winterpause. Neuzugang Diabang verschuldete bei seinem zweiten Spiel für die Kickers den Elfmeter, der zum ersten Gegentor führte.

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          Nun haben die Offenbacher Kickers also ein neues Gesicht, aber es sieht traurig aus, enttäuscht, wütend. Drei der vier neuen Spieler des Aufsteigers waren beim Duell mit dem Bundesligaabsteiger SC Freiburg am Sonntag dabei: Mamadou Diabang, Heiner Backhaus, Matej Miljatovic. An der Gemütsverfassung beim OFC hat das aber nichts geändert.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Tristesse dauert an, trotz diverser Leih- und Tauschgeschäfte vor und in der Winterpause. Stürmer Diabang verschuldete beim 0:2 in Freiburg den Elfmeter, der zum ersten Gegentor führte. Mittelfeldspieler Backhaus mühte sich unauffällig und nicht gerade überzeugend um Ordnung vor der Abwehr. Und Verteidiger Miljatovic hatte als Ersatz für den früh ausgewechselten Daniel Schumann (Gehirnerschütterung) seine liebe Mühe mit den Freiburger Stürmern. Dementsprechend sahen die Mienen des Trios nach dieser abermaligen Niederlage aus. „Unsere neuen Spieler werden uns weiterhelfen“, sagt Trainer Wolfgang Frank, ebenfalls ein Neuer beim OFC. Viel zu sehen war davon allerdings noch nicht.

          „Da fehlt vorne oft die Kraft“

          Diabang, 27 Jahre alter Leihspieler des VfL Bochum, hatte sich im rechten offensiven Mittelfeld versuchen müssen, denn die Angreifer Regis Dorn und Suat Türker waren auch diesmal gesetzt. Es war - nach einigen fruchtlosen Minuten beim 0:2 in Fürth - Diabangs zweites Spiel für die Kickers. Und wieder ließ er die Qualitäten, die ihm Frank zuspricht, nur erahnen: „Schnell, robust, ein guter Mann.“ Das ungewohnte Terrain habe ihm Stärke genommen, entschuldigte sich Diabang. „Auf dieser Position muß man viel laufen“, sagte er, „da fehlt vorne oft die Kraft.“

          Der Profi aus dem Senegal weiß allerdings, daß er dieses Problem zumindest im nächsten Spiel nicht mehr haben wird. Weil Türker in Freiburg nach einer Unbeherrschtheit die Gelb-Rote Karte sah, wird am Freitag beim TSV München 1860 ein Platz im Sturm frei. Es ist nicht voreilig, sondern nur angemessen, wenn Diabang davon ausgeht, in München im Angriff zu spielen. Frank will ihn zu Recht in der Startelf haben, und zumindest diesmal wird er sich nicht die Frage stellen müssen, wo denn ein Plätzchen für den Wunschspieler frei ist.

          Diabang dürfte es damit leichter haben als die Kollegen Miljatovic und Backhaus. Ist Schumann genesen, wird er wohl wieder neben Kapitän Markus Happe in der Innenverteidigung spielen. Der frühere Erstligaspieler des SC Freiburg hat Vorteile gegenüber dem Slowenen in puncto Schnelligkeit und Erfahrung. Miljatovic ist ein solider, kantiger Manndecker, aber er steckt noch in der Gewöhnungsphase. Den Freiburgern hatte er zudem mit einem aufsehenerregenden Lapsus beinahe einen Treffer ermöglicht. Backhaus dagegen fiel beim Tabellensechzehnten weder durch grobe Fehler noch durch gelungene Aktionen auf.

          „Körperliche Präsenz“

          Der 24 Jahre alte Fußball-Wandervogel, früherer Bielefelder, Gladbacher, Hannoveraner, Bremer, Schalker, der sich im Profifußball bislang nicht durchsetzen konnte, hielt sich eher im taktischen Unterholz auf - zu sehen war er kaum. Allenfalls sein extrovertierter Stil blieb haften. Er spielte, noch vor Führungsspielern wie Happe oder Ramazan Yildirim, den Antreiber und verließ nach der Niederlage mit entblößtem Oberkörper und wütenden Schrittes den Platz. Frank schätzt an Backhaus „die Aggressivität, die körperliche Präsenz“. In Freiburg war zu erkennen, was er meinte - auch wenn diese Vorzüge in den entscheidenden Momenten noch nicht zum Tragen kamen.

          So blieb es Diabang vorbehalten, von den drei Neuen trotz mäßiger Leistung den nachhaltigsten Eindruck zu hinterlassen - was mit der Szene zusammenhing, in der er gewissermaßen im Alleingang in den Mittelpunkt preschte. Sein Zweikampf mit dem Freiburger Dennis Aogo war von der Sorte, wie ihn Offensivspieler häufig führen: zu ungestüm, ohne das richtige Timing. Diabang versicherte zwar, er habe „den Ball gespielt, ganz klar“, aber dabei unterschlug er, daß danach eben auch die Beine des Gegners dran glauben mußten. Sonderlich aufgebracht war bei den Offenbachern nach der Entscheidung des Schiedsrichters niemand.

          Der Freiburger Trainer Volker Finke beantwortete die Frage, ob der Elfmeter berechtigt gewesen sei, mit der von ihm beobachteten Zweikampfführung afrikanischer Spieler, von denen er einige im Kader hat. „In den ersten zwei Jahren, in denen sie hier sind, gehen sie meistens mit gestreckten Beinen Richtung Ball.“ Eine solch ungestüme Verteidigungsarbeit gehe nun mal häufig schief. Diabang kann Finke allerdings nicht gemeint haben. Er spielt seit acht Jahren in Deutschland Fußball.

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