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Eintracht-Frauenfußball : Mit Wucht und Technik

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Laura Freigang ist für die Eintracht eine wichtige Stütze: „Ich übernehme gerne Verantwortung und habe richtig Lust darauf.“ Bild: dpa

Laura Freigang hat sich als verlässliche Torjägerin für die Eintracht erwiesen. Mit ihrer natürlichen Art und unerschrockenen Spielweise könnte sie das Gesicht der Frauensparte werden.

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          „Meine Nase kribbelt noch“, sagt Laura Freigang, als sie am Mittwochnachmittag ans Telefon geht. Gerade ist sie mit dem Tross der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft am Flughafen Düsseldorf gelandet. Und weil die Mannschaft aus dem derzeitigen Risikogebiet Montenegro einreiste, war ein Corona-Test obligatorisch. Für Laura Freigang war es die Reise aber mehr als wert. Die Angreiferin der Frankfurter Eintracht hat bei dem Match in der EM-Qualifikation (3:0) nicht nur ihr Startelf-Debüt im DFB-Dress gegeben, sondern auch gleich ihr erstes Länderspieltor erzielt.

          „Das war ein toller, ein besonderer Moment“, sagt Laura Freigang. Es waren in Montenegro am Dienstag erst 69 Sekunden gespielt, als der Ball ihr im Fünfmeterraum vor die Füße tropfte und sie „mit dem großen Zeh noch dran war“, wie sie erzählt. Es war der vorläufige Höhepunkt ihrer Entwicklung, die seit ihrer Ankunft in Frankfurt im Sommer 2018 nicht steil, aber stetig vorangeht.

          Die 1,71 Meter große Athletin, die ebenso mit Wucht wie mit Technik zu glänzen vermag, hat sich nach einer zweijährigen Zeit an der Pennsylvania State University in Frankfurt sofort als verlässliche Torjägerin etabliert. Profitierend davon, dass der FFC vorwiegend auf junge Spielerinnen setzte, kam Laura Freigang von Beginn an zu viel Einsatzzeit. Im ersten Bundesligajahr erzielte sie zehn Tore, in der abgelaufenen Saison waren es schon 16 – und nach den ersten beiden Spieltagen als Frankfurter Eintracht sind es schon drei Treffer.

          Mit ihrer eloquenten, ungekünstelten Art samt dynamischer, unerschrockener Spielweise ist sie drauf und dran, das Gesicht der Eintracht-Frauensparte zu werden. Unlängst zierte die 22 Jahre alte Sportwissenschaftsstudentin als erste Frau das Cover des Klubmagazins. „Ich übernehme gerne Verantwortung und habe richtig Lust darauf. Ich bin dankbar für die Chancen, die ich bekomme. Auch und gerade im Sinne des Frauenfußballs generell“, sagt Laura Freigang, die in Rhein-Main fest verwurzelt ist.

          Geboren wurde sie zwar in Kiel, doch aufgewachsen ist sie in Oppenheim bei Mainz. Mit einem großen Frankfurter Block bei der Nationalmannschaft ist sie gewissermaßen groß geworden. „Das war ja früher die Norm, und das kann gerne wieder so werden“, sagte Laura Freigang. In den zurückliegenden zehn Tagen bei der deutschen Auswahl, welcher die Teilnahme an der EM 2022 in England nicht mehr zu nehmen ist, waren mit ihr, Sophia Kleinherne und Merle Frohms erstmals seit Jahren wieder drei Frankfurterinnen nominiert. Torhüterin Merle Frohms erlebte einen unaufgeregten Nachmittag beim 3:0-Sieg gegen Irland in Essen.

          Aussichtsreiche Chancen vertan

          Während der Eintracht-Neuzugang aus Freiburg zur Stammformation von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gehört, sind Laura Freigang und Abwehrspielerin Sophia Kleinherne in der zweiten Garde angesiedelt, welche in Montenegro in einer im Vergleich zum Irland-Spiel auf zehn Positionen veränderten, im Schnitt 23,2 Jahre jungen Startelf ihre Chance bekam. Doch die zweite Garde tat sich gegen einen international zweitklassigen Gegner über weite Strecken schwer. Was auch daran lag, dass Laura Freigang das Ergebnis nach ihrem frühen Erfolgserlebnis trotz guter Chancen nicht mehr in die Höhe treiben konnte. „Ich habe mich während des Spiels und im Nachhinein geärgert, weil ich mehr aus meinen Chancen hätte machen können“, sagt sie.

          Als da wären: zwei aussichtsreiche Schusschancen (14. und 63. Minute), ein Kopfball gegen die Latte (35.) und ein Kopfballtor, das wegen Abseits nicht anerkannt wurde (77.). Viel Potential dafür, dass sich diese Szene nachts in ihre Träume schleicht, hatte Laura Freigangs Kopfballchance in der 85. Minute.

          Vereinskollegin Sophia Kleinherne brachte eine nahezu perfekte Hereingabe in den Fünfmeterraum – die Angreiferin musste frei stehend nicht mal hochspringen, erwischte den Ball aber dennoch nicht richtig. „Sophia hat es so schön vorbereitet. Ich hatte eigentlich die einfachste Aufgabe. Den muss ich machen“, sagt Laura Freigang, die diesem Gedanken aber nicht mehr lange nachhängen will. „Ich habe das Gefühl, dass ich auf einem guten Weg bin. Ich fühle mich gut auf und abseits des Platzes. Ich glaube aber nicht, dass das schon die beste Version meiner selbst ist. Ich habe noch Luft nach oben, kann noch effektiver werden.“

          So betrachtet sie ihre Torausbeute in dieser Spielzeit – drei in der Liga und eins im DFB-Team – nicht als Grund zum Jubeln. Vielmehr hätte sie für die Nationalmannschaft statt eines auch vier und für die Eintracht statt dreier auch sechs Treffer erzielen können, sagt sie. Schon an diesem Sonntag (14 Uhr) wird sie wieder auf Torejagd gehen. Dann trifft die Eintracht in der Bundesliga daheim auf die TSG Hoffenheim.

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