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1. FFC Frankfurt : Näher bei den Spitzenteams

  • -Aktualisiert am

Stresstest: Verena Aschauer (links) greift sich Kathrin Hendricks Trikot. Bild: Imago

Zuletzt war der 1. FFC Frankfurt in seiner Mittelprächtigkeit gefangen. Die 2020 anstehende Fusion mit der Eintracht beflügelt den Verein jedoch wieder. Und das ist nicht die einzige positive Wendung.

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          In den Augen Bismarcks war Politik die Kunst des Möglichen. Für Niko Arnautis gilt dies auch in Bezug auf Fußball. Das Beste aus dem Machbaren herausholen – dafür steht der 39-jährige gebürtige Frankfurter. Und so wehrt sich der Cheftrainer auch dagegen, wenn die vergangenen Jahre des 1. FFC Frankfurt als Durststrecke bezeichnet werden. Seit dem Champions-League-Triumph 2015 hat sich der Klub durchgängig im Tabellenmittelfeld der Frauenfußball-Bundesliga eingenistet – ohne in Abstiegsgefahr zu geraten und ohne „Gefahr“ zu laufen, dass die alten Seriensieger-Zeiten zurückkehren können.

          Es gab Phasen, da waren die Erinnerungen an vergangene große Erfolge schon welk und der Glaube an eine Renaissance nicht ausgeprägt. Das hat sich geändert, seit die Fusion mit der Frankfurter Eintracht für den Sommer 2020 anvisiert ist. Neue, sportlich strahlende Perspektiven sind das, wenn beide Parteien die Ankündigung wahrmachen, das Frauenfußball-Knowhow des FFC mit der (wirtschaftlichen) Wucht der Eintracht zu bündeln. Und so stellt sich beim FFC seit einigen Monaten die Frage, in welchem Zustand und in welcher Verfassung man Ende Juni bei der Eintracht unterschlüpft. „Wir haben Geduld gebraucht und Geduld bewiesen. Nun haben wir ein superstarkes Fundament geschaffen“, sagt Arnautis. Zwar ist der FFC nach der ersten Hälfte der Saison in mittlerweile geläufigem Terrain verhaftet: fünf Siege, fünf Niederlagen, drei Remis, Rang sechs.

          Hoffnungsvolle Nachwuchstalente

          Doch abseits des schnöden Zahlenwerks haben die Frankfurter gute Argumente, um ihr Vorankommen zu belegen. Da ist zum einen die Dichte an hoffnungsvollen wie ehrgeizigen Nachwuchstalenten im Kader, die mit Verve in Richtung A-Nationalmannschaft streben. Zum anderen sei der FFC als Mannschaft „den Spitzenteams näher gekommen“, wie Arnautis sagt. Dem Champions-League-Viertelfinalisten Bayern München lieferte der FFC am vergangenen Freitag (mit einer nach der Halbzeit im Schnitt 20,9 Jahre jungen Mannschaft) ein enges Match, das der Favorit erst Last Minute 3:2 für sich entscheiden konnte. Den Tabellenzweiten TSG Hoffenheim hatten sie im Stadion am Brentanobad beim 2:2 sogar am Rande einer Niederlage. „Wir haben eine tolle Entwicklung hingelegt. Der nächste Schritt ist, dass wir knappe Spiele dann auch für uns entscheiden“, sagt Arnautis. Dieses Manko lässt sich allein an den vier Partien vor der Winterpause ablesen: Neben den erwähnten Partien gegen Bayern und Hoffenheim gab es da noch das in letzter Sekunde 3:4 verlorene Match bei Turbine Potsdam und das Spiel in Freiburg, wo die Frankfurterinnen trotz Überlegenheit nur noch – natürlich Last Minute – auf 3:3 stellen konnten.

          Macht nur zwei Punkte aus jenen vier Spielen. Eine Schwäche bei Standardsituationen, auch bedingt durch die geringe Körpergröße von Torhüterin Bryane Heaberlin (1,73 Meter), begleitet die Hessinnen durch die Saison und hat eine bessere Ausbeute gekostet. Dazu ist das unnötige, weil nach einer äußerst schwachen Leistung zustande gekommene Ausscheiden aus dem DFB-Pokal daheim gegen Leverkusen der Schandfleck der Spielzeit.

          Mit Sophia Kleinherne (19 Jahre), Janina Hechler (20), Shekiera Martinez (18), Tanja Pawollek (20), Sjoeke Nüssken (18) und Laura Freigang (21) befinden sich gleich sechs deutsche Spielerinnen im Dunstkreis der Nationalmannschaft. Sophia Kleinhere hat unlängst vor rund 78 000 Zuschauern in Wembley ihr vielbeachtetes Debüt gegeben. Angreiferin Laura Freigangs Premiere dürfte angesichts zuletzt fünf Bundesligatreffern in zwei Partien auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

          Und so ist die Hege und Pflege der entwicklungsfähigen Talente fast wichtiger als der konkrete Tabellenplatz zwischen Rang vier und acht. Mit dem Trainingsauftakt am 10. Januar beginnt das letzte halbe Jahr des FFC als eigenständige Adresse. „Alle wollen diesen Schritt zur Eintracht mitgehen. Alle sind heiß darauf. Für alle bieten sich tolle Perspektiven, weiter zu wachsen“, sagt Trainer Arnautis und fügt schmunzelnd hinzu: „Wir wollen bald wieder häufiger spielen als nur am Wochenende.“

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