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Frankfurter Ironman : Ritt durch die Hölle

Der Triathlet Andreas Raelert - hier eine Aufnahme von 2009 - „ist der Mann der Zukunft”, wie Kurt Denk, Vater des Frankfurter Ironman meint Bild: dpa

Die 2321 Starter beim neunten Frankfurter Ironman erwartet am Sonntag ein Hitzerennen. Andreas Raelert sagt den etablierten Favoriten den Kampf an.

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          Starke Worte eines starken Mannes. „Der Frankfurter Ironman ist der grandioseste Triathlon der Welt.“ Sagt Timo Bracht, der Titelverteidiger des Europameisterschaftsrennens, das an diesem Sonntag seine neunte Auflage erlebt. Bracht, dieser gewissenhafte, von seinen Fähigkeiten überzeugte Athlet, kennt das unvergleichliche Flair, das von Frankfurt ausgeht, erst seit 2006. „Ich war fast ein Nobody, aber ich bin gleich durchgestartet.“ Zunächst mit einem respektablen Debüt von null auf Platz zwei. Damals hinter dem neuseeländischen Champion Cameron Brown, der für seine neuerliche Rückkehr nach Frankfurt mit einer besonderen Empfehlung aufwarten kann: Er hat den Ironman in seiner Heimat neun Mal (!) gewonnen. Und Bracht?

          Der schloss den Ausdauerdreikampf zwischen Langener Waldsee, Frankfurter Römerberg und Bad Nauheimer Saline sofort in sein Herz. Bei seinem zweiten Start 2007 durchlief der mittlerweile 34 Jahre alte Triathlonprofi aus Eberbach als Erster den Zielkanal, und nach Rang drei im Jahr 2008 folgte ein zweiter Coup 2009. „Frankfurt ist mein Rennen“, sagt Bracht. „Wenn ich in die Stadt komme und die Wolkenkratzer und den Mainkai sehe, kann ich mich zurücklehnen.“

          2321 Starter erwartet

          Ganz so einfach freilich wird es an diesem Sonntag nicht gehen. Den insgesamt 2321 Startern, die Renndirektor und Organisationschef Kai Walter frühmorgens beim Schwimmstart am Langener Waldsee erwartet, steht ein strapaziöser Wettkampf mit Temperaturen weit über dreißig Grad bevor. Für viele mag das eine Qual sein. Manche aber wie Bracht, der ehemalige australische Hawaii-Champion Chris McCormack (Sieger in Frankfurt 2008) und die Darmstädterin Nicole Leder lieben derartige Hitzegrade – und sie können sich schon jetzt darauf einstellen, dass sie sich für den längsten Tag des Jahres ein Stück weit entblößen müssen. Schwimmen mit Neoprenanzug? Dürfte es diesmal nicht geben, denn schon jetzt beträgt die Wassertemperatur 23,8 Grad. Jenseits der 24,5 Grad-Marke ist das 3,8 Kilometer lange Schwimmen mit Neoprenanzug verboten.

          Die Erwartungshaltung an den neunten Ironman in Frankfurt ist groß, sehr groß sogar. Viele Triathlonfreunde entlang der Strecke wünschen sich, dass der schnellste Mann weniger als acht Stunden benötigt, um nach dem Auftaktschwimmen, der ausnahmsweise 185 Kilometer langen Radstrecke (wegen Straßenbaumaßnahmen in Bad Vilbel) sowie dem finalen Marathonlauf auf dem Römerberg anzukommen. Allein: Wegen der fünf Kilometer Zusatzarbeit und der extremen Witterungsbedingungen scheint es nahezu ausgeschlossen in Dimensionen vorzudringen, in denen sich als bislang Einzige Bracht 2009 (7:59:15 Stunden) und McCormack 2008 (7:59:55 Stunden) befunden haben. „Ich würde auch mit einer Zeit von 2:50 Stunden im Marathon gewinnen“, sagt der Titelverteidiger, der für alle, die sich der Herausforderung Ironman stellen, einen „Ritt durch die Hölle“ erwartet. „Der Motor wir dampfen, und einige werden platzen.“ Und andere wie Andreas Raelert werden bemüht sein, in die Phalanx der Etablierten einzubrechen.

          „Raelert der Mann der Zukunft“

          Der 33 Jahre alte Rostocker ist so etwas wie Rookie und Shootingstar gleichermaßen. Zweimal startete der einstige Kurzstreckenspezialist bei den Olympischen Spielen in Sydney (Platz zwölf) und Athen (Rang sechs). Doch erst auf der ursprünglichen Ironmandistanz entfaltete Raelert sein wahres Potential. Im vergangenen Jahr, bei seinem Debüt in Frankfurt, wurde er nach großem Kampf Vierter – und sorgte nur wenige Monate später für ein Ausrufezeichen. Beim Klassiker auf Hawaii landete er auf Rang drei, und es gibt einige Kenner der Szene, die ähnlich denken wie der Frankfurter Ironman-Begründer Kurt Denk. Der sagt: „Andreas Raelert ist der Mann der Zukunft.“ Einer, der Bracht, McCormack und Brown gefährlich werden kann. Kraft, um den bevorstehenden Strapazen zu widerstehen, schöpft der Rostocker auch und vor allem aus der Zusammenarbeit mit seinem Bruder Michael. Der ist Weltmeister auf der Halbdistanz. Gemeinsam haben sie unter anderem auf Fuerteventura für Frankfurt trainiert. Raelert, der Mann der Zukunft mit einer großen Gegenwart?

          Die Zukunft des Ironman Frankfurt ist gewisser denn je. Sportdezernent Markus Frank hat mit Organisationschef Walter eine Vereinbarung über den Fortbestand der Mammutveranstaltung bis 2016 getroffen. Dass das Geschäft rund um den Ironman boomt, wird zudem durch weitere Expansionen deutlich. Die Frankfurter Macher bieten nach dem Rennen am Main und der Halbdistanz 70.3 (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren, 21,1 Kilometer Laufen) in Wiesbaden von kommenden Frühjahr an einen weiteren Ironman an. Die Bucht von Alcudia auf Mallorca erlebt am 14. Mai 2011 die Premierenveranstaltung der 70.3-Serie.

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