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Basketball : Ein Frankfurter Debütant fürs Nationalteam

  • -Aktualisiert am

Leon Kratzer will in die Fußstapfen seines Vaters treten. Bild: Huebner/Peters

Skyliners-Profi Leon Kratzer steht vor seinem ersten Spiel für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft. Für Nervosität gibt es keinen Grund. Nur in einer Disziplin fällt Kratzer eklatant aus dem Rahmen.

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          Der Frankfurter Basketballcenter Leon Kratzer mit der Schuhgröße 49 tritt in große Fußstapfen. Sein heute 51 Jahre alter Vater Marc Suhr zählte in den neunziger Jahren zu den besten deutschen Basketballspielern. Als er 1996 aus Bayreuth nach Italien wechselte, wurde der 2,15 Meter lange Suhr mit Treviso italienischer Meister. In der deutschen Nationalmannschaft brachte er es auf eine Handvoll Einsätze. Aus gegebenem Anlass hat der 2,12 Meter große Leon Kratzer seinen Vater nun „damit aufgezogen“, ihm dicht auf den Fersen zu sein. An diesem Freitag (20.00 Uhr) in Vechta gegen den WM-Dritten Frankreich könnte der 23 Jahre alte Skyliners-Profi nämlich sein Debüt in der A-Nationalmannschaft geben. Am 4. Februar, seinem Geburtstag, war Kratzer von Bundestrainer Henrik Rödl in das Aufgebot berufen worden.

          Als einer der Gastgeber der EM 2021 ist Deutschland für das Großereignis schon gesetzt. Rödl nutzt die Qualifikationsspiele – am Montag geht es in Newcastle gegen England – deshalb „zur Talententwicklung“ in Abwesenheit der deutschen NBA- und Euroleague-Spieler. In dem 14 Akteure umfassenden Aufgebot ist Kratzer einer von fünf Neulingen. Nervosität hat Rödl bei ihm nicht festgestellt. Dazu gibt es auch keinen Grund: Der gebürtige Bayreuther Kratzer, der im Bamberger Nachwuchsprogramm groß geworden ist, war schon in allen Nachwuchs-Nationalmannschaften aktiv, im Sommer 2019 belegte er mit der A2-Nationalmannschaft Rang fünf bei der Universiade in Neapel.

          Mit seiner Größe, Dynamik und Sprungkraft verfügte der Fünfer schon immer über herausragende Anlagen. Weil Kratzer früher Fußball gespielt hat, bringt er eine gute Körperkoordination und schnelle Füße für seine Größe mit. Außerdem ist er ein harter Arbeiter, der keine Extraschicht auslässt. Sein Hoheitsgebiet liegt unter dem Korb, Kratzer hat seine Stärke beim Rebound. Aktuell ist er mit 7,4 Rebounds pro Spiel der viertbeste Rebounder der Bundesliga. Mit durchschnittlich 9,5 Punkten liegt der Spieler mit der großen Anspielreichweite in der internen Wurfstatistik auf Rang drei. Nur bei den Freiwürfen fällt Kratzer mit einer Quote von lediglich knapp 45 Prozent eklatant aus dem Rahmen. Ihm scheint die Konzentrationsfähigkeit abzugehen. Jetzt unterstützt ihn ein Mentaltrainer.

          Die Nominierung für die Nationalmannschaft habe sich Kratzer „verdient“, sagt sein Vereinstrainer Sebastian Gleim. „Leon hat einen großen Schritt in diesem Spieljahr gemacht.“ Als Starter garantieren die Skyliners dem großen Talent ordentlich Spielzeit. „Wir haben die Verantwortung, mit Leon durch dick und dünn zu gehen, weil er ein deutscher Spieler mit viel Potential für die Zukunft ist“, so Gleim. Dessen Vorgänger, Gordon Herbert, sah in Kratzer ein Frankfurter „Fundamentstück“. Der Profi will in seiner Karriere hoch hinaus und irgendwann mindestens in der Euroleague spielen. Die höchste europäische Spielklasse werden ihm die auf Platz 14 dümpelnden Skyliners so schnell nicht bieten können. Insofern wäre es keine Überraschung, wenn sich Kratzer nach dieser Runde einem sportlich und wirtschaftlich ambitionierteren Team anschließen würde.

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