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Gießen gegen Frankfurt : Ein Basketball-Derby gegen den Abstieg

  • -Aktualisiert am

Unter Druck mit Frankfurt: Trainer Sebastian Gleim Bild: Picture-Alliance

Die Frankfurt Skyliners und die Gießen 46ers sind in der Basketball-Bundesliga vom Abstieg bedroht. Beide bleiben auch unter dem Druck ihren Trainern treu. Und doch ist die Situation nicht ganz die gleiche.

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          Der Abstiegskampf in der Basketball-Bundesliga, der aufgrund des eng beieinanderliegenden Feldes auf ein dramatisches Finish bis Anfang Mai zusteuert, hat bereits drei Arbeitsplätze auf höchster Ebene gekostet. Der Tabellenvorletzte Mitteldeutscher BC (6:32 Punkte) trennte sich im November erst von seinem Cheftrainer Wojciech Kaminski, bis auch dessen Nachfolger Björn Harmsen aufgrund von Meinungsverschiedenheiten vor kurzem entlassen wurde. Nun soll der neue Headcoach Silvano Poropat, der außerdem Assistenztrainer der deutschen Nationalmannschaft ist, in Sachsen-Anhalt die Wende im sportlichen Überlebenskampf schaffen. Beim Rangfünfzehnten Bonn (8:32) obliegt diese Aufgabe dem Amerikaner William Voigt, der jetzt anstelle von Thomas Päch die Richtung vorgibt. Der Letzte Hamburg Towers (6:32) hingegen hält noch eisern an seinem Aufstiegstrainer Mike Taylor fest.

          Wie die beiden vom Abstieg bedrohten Liga-Konkurrenten aus Hessen, die Frankfurt Skyliners (10:30, Rang 14) und die Gießen 46ers (12:26, Platz 13), die an diesem Samstag (18.00 Uhr bei Magenta Sport) in Gießen zum Derby aufeinandertreffen, sich bisher trotz sportlicher Sorgen in personeller Kontinuität übten. Und von diesem Kurs soll auch nicht abgewichen werden: „Stand heute, werden wir mit unserem Trainer Ingo Freyer in die kommende Saison gehen“, sagte Michael Koch, der neue Geschäftsführer und Sportdirektor der 46ers, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sebastian Gleim, der junge Frankfurter Headcoach, soll zumindest bis zum Saisonende das Sagen bei den Skyliners haben. Daran lässt wiederum deren Geschäftsführer Gunnar Wöbke aktuell keinen Zweifel. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob beide Vereine ihrer Linie tatsächlich treu bleiben.

          Im Hinblick auf das Hessenderby steht der 35 Jahre alte Gleim noch mehr unter Druck als sein 49 Jahre alter Kollege aus Gießen. Denn Freyers Mannschaft würde sich mit einem Erfolg deutlich von den Frankfurtern absetzen und deren Nöte massiv verstärken. Die Niederlagenserie der Skyliners würde auf sieben punktlose Begegnungen anwachsen. Dennoch müsste Gleim Illoyalität von höchster Stelle wohl noch nicht befürchten. Zum einen besitzt der Bundesliga-Trainernovize bei Wöbke eine Art Welpenschutz. Der Coach fällt in die Rubrik eigener Nachwuchs – und in Frankfurt sollen nicht nur spielende Talente auf ihrem Weg nach oben gefördert werden.

          Außerdem spielt Gleim in dieser Runde den Platzhalter für den langjährigen Cheftrainer Gordon Herbert, der sich eine Auszeit von der Bundesliga genommen hat, weil er sich unter anderem als sogenannter „Associate Headcoach“ bei der kanadischen Nationalmannschaft engagiert. Für das Übergangsjahr ohne die Leitfigur Herbert schien Gleim, der ehemalige Trainer der zweiten Vereinsmannschaft, die Idealbesetzung zu sein. Auf der einen Seite kennt er das Frankfurter Programm aus dem Effeff. Zudem war Wöbke auch dadurch geholfen, dass er keinen Cheftrainer von außen holen musste, dessen Perspektive in Frankfurt zeitlich begrenzt gewesen wäre, was die Suche sehr schwierig gemacht hätte.

          Und damit, dass die Frankfurter derart in Abstiegsgefahr geraten würden, hatte von den Verantwortlichen auch keiner gerechnet. Bei ihren Planungen waren sie zumindest vom Erreichen eines gesicherten Mittelfeldplatzes ausgegangen. Weit gefehlt: In ihrer sportlichen Not profitierten die Frankfurter zuletzt vor allem davon, dass auch die Konkurrenz auf den hinteren Plätzen kaum gepunktet hat. Ansonsten wäre die Situation für die Skyliners noch dramatischer. Und der Handlungsdruck noch größer.

          Auf die Schnelle kann nur Herbert helfen

          Stellt sich sportlich bei den Skyliners keine Besserung ein, wäre es von Wöbke ein riskantes Spiel, bis zum Schluss an Gleim festzuhalten. Allein die Tatsache, ohne Erfahrung im Abstiegskampf eines Erstliga-Vereins zu sein, macht die heikle Sache für den Trainer zu einer großen Herausforderung. Gleim hatte außerdem damit zu kämpfen, dass der Geschäftsführer lange Zeit nicht bereit dazu war, in einen neuen Spieler zu investieren. Der Headcoach schwieg zu diesem Thema, weil er sich nicht die Zunge verbrennen wollte. Ihm war aber anzumerken, wie ihn die personelle Not belastete.

          Wöbke, der nun die Nachverpflichtung des Shooting Guards Matthew Mobley möglich machte, dürfte auch aus finanziellen Gründen ein Trainerwechsel zuwider sein. Womöglich ist aber bald der Punkt erreicht, an dem er zum Handeln gezwungen ist, denn den Abstieg in die zweite Liga können sich die Frankfurter nicht erlauben. Es wäre in schwierigen Zeiten – der Bau einer Multifunktionsarena lässt weiter auf sich warten – ein fatales Zeichen für den Basketballstandort Frankfurt. Nur, wer könnte dann auf die Schnelle Gleim ersetzen? Dafür käme eigentlich nur einer in Frage: Herbert. Der Kanadier wäre die naheliegendste Lösung. Schließlich hat er schon oft genug bewiesen, die Skyliners sportlich stabilisieren zu können.

          Skyliners siegen in Gießen

          Die Frankfurt Skyliners haben im Abstiegskampf der Basketball-Bundesliga die Nerven bewahrt. Im Hessenderby bei den Gießen 46ers setzten sich die Frankfurter am Samstag 90:82 durch. Mit jetzt 12:30 Zählern schlossen sie nach Punkten zu den Gießenern (12:28) auf. Die Skyliners bleiben Tabellenvierzehnter. Sein Debüt bei den Frankfurtern gab Matthew Mobley, der in gut 13 Minuten Einsatzzeit auf 9 Punkte kam. Der Shooting Guard deutete an, eine Bereicherung für die Skyliners zu sein. Beste Werfer bei ihnen waren Center Leon Kratzer und Aufbauspieler Lamont Jones mit jeweils 23 Punkten. Vor 3750 Zuschauern in der vollbesetzten Sporthalle Ost lag Frankfurt bereits mit 38:21 vorne, bevor Gießen auf 30:38 verkürzte. Danach ging das Wechselspiel munter weiter. Die Skyliners waren Gießen vor allem bei den Rebounds (43:27) überlegen. (F.A.S.)

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