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Basketball und Corona : Skyliners mit bangem Gefühl ins Basketball-Endturnier

  • -Aktualisiert am

Wie läuft es in München? Skyliners-Coach Sebastian Gleim Bild: Picture-Alliance

Vom Idealzustand werden die Frankfurter beim ungewöhnlichen Saisonfinale der Basketball-Bundesliga in vielen Belangen weit entfernt sein. Und dann sind sie in München auch noch ziemlich stark gefordert.

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          Würden der Center Leon Kratzer und der Frankfurter Neuzugang Gytis Masiulis beim Basketball-Finalturnier in München von diesem Sonntag an auf den großen Positionen zusammenspielen können, wäre Skyliners-Trainer Sebastian Gleim wenigstens in dieser Hinsicht wunschlos glücklich. Mit dem 2,12 Meter langen Nationalspieler Kratzer hätten die Hessen nämlich „einen Bär unter dem Korb“. Und mit dem wurfstarken, aber im Vergleich physisch weniger präsenten Litauer Masiulis (2,07 Meter) würden sie „von außen angreifen“.

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          Diese Kombination an Fähigkeiten sei „die Idealvorstellung“, sagt der Headcoach. Nur wird sich diese anfangs nicht in die Tat umsetzen lassen. Für die Gruppenspiele gegen Alba Berlin am Sonntag (15 Uhr) und am darauffolgenden Dienstag (16.30 Uhr) gegen Ludwigsburg muss Kratzer mit großer Wahrscheinlichkeit passen. Erst in den Duellen mit Vechta (11. 6., 16.30 Uhr) und Bamberg (13. 6., 16.30 Uhr) könnte der Turm in der Schlacht, der nach einer Muskelverletzung am Dienstag ins „individuelle Fitnesstraining“ eingestiegen ist, einsatzbereit sein.

          So oder so: Vom Idealzustand werden die Skyliners beim ungewöhnlichen Saisonfinale der Basketball-Bundesliga in vielen Belangen weit entfernt sein. Da macht Gleim sich und anderen nichts vor. Er hat gar nicht den Anspruch, ein körperlich in Bestverfassung befindliches und bestens eingespieltes Team ins Rennen zu schicken. Wie soll das bei diesen Vorzeichen auch gehen? Erst seit vergangenem Sonntag trainiert die Mannschaft in voller Stärke und ohne Kontaktbeschränkungen nach knapp dreimonatiger Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie wieder miteinander.

          Es bleiben gerade mal sieben Tage, um in neuer Besetzung – der 34 Jahre alte Yorman Polas Bartolo ist der zweite Zugang – wieder neu zusammenzufinden. Was den regulären Trainingsbetrieb angeht, haben die Berliner eine Woche Vorsprung. Die Frankfurter hätten gegenüber den „meisten anderen Teams in München einen absoluten Trainingsrückstand“, sagt Geschäftsführer Gunnar Wöbke. „Denn an anderen Bundesliga-Standorten haben die amerikanischen Profis nach dem dritten negativen Test auf das Coronavirus und nach sieben Tagen in Quarantäne sofort am Teamtraining teilnehmen können.“

          Quantez Robertson, der Skyliners-Kapitän, hingegen musste sich nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten in Zurückhaltung üben. Angesagt war ausschließlich Training in privater Isolation: „Tez saß vierzehn Tage in seinem Wohnzimmer, fuhr Ergometer und machte virtuelles Training, statt in der Halle 20 Meter rauf und runter zu sprinten.“ Ein stark reduziertes Pensum mit drastischen Folgeerscheinungen. Nimmt Gleim topfitte Spieler, wie sie es nach einer normalen Saisonvorbereitung sind, zum Maßstab, würden seine Profis in München diesmal nicht mal „bei 50 Prozent ihrer normalen physischen Leistungsfähigkeit“ sein.

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          Außergewöhnlich stark gefordert aus dem Stand heraus werden sie dann trotzdem mit vier Turnierspielen in sieben Tagen. Unter diesen Umständen gehe es vor allem darum, „das Beste aus dieser Situation herauszuholen“, sagt der Trainer. Wöbke warnt davor, „zu große Erwartungen“ zu haben. Für Gleim wäre in München viel gewonnen, wenn die Skyliners in ihrer Gruppe eine Mannschaft hinter sich ließen und ins Viertelfinale einzögen. „Die Chance ist hoch, dies mit einem Sieg zu schaffen.“ Nur gegen wen? Der Pokalsieger Berlin hat den Wettbewerbsvorteil, es durch sein internationales Engagement in der Euroleague gewohnt zu sein, mehrere Spiele in kurzen Abständen auszutragen. Für Frankfurt ist dieser komprimierte Rhythmus ungewohnt.

          Wollen die Skyliners, die für das Finalturnier gerne den deutschen Nationalspieler Johannes Voigtmann (ZSKA Moskau) verpflichtet hätten, in der Außenseiterrolle erfolgreich sein und die Erwartungen übertreffen, muss bei ihnen viel über den Willen gehen. Die Spieler werden an ihre Schmerzgrenze kommen müssen. Gleim traut dem Vorkämpfer und Bundesliga-Urgestein Robertson „alles zu“.

          Mit ihm und dem ehemaligen Bonner Bartolo verfügen die Hessen immerhin über ein Alleinstellungsmerkmal im Feld der finanzstarken Konkurrenz: „Wir haben die beiden besten Verteidiger der Liga in unserer Mannschaft“, sagt Wöbke. „Wir können jetzt wesentlich mehr Druck ausüben.“ Aber wer macht die Punkte? Lamont Jones, mit 17,4 Punkten pro Spiel der zweitbeste Werfer der Erstliga-Hauptrunde, hatte in den Begegnungen gegen die Topklubs Schwierigkeiten, sich durchzusetzen, weil die ihn auf hohem Niveau verteidigten. „Bei uns startet alles immer mit der Verteidigung. Aus ihr heraus müssen wir schnell nach vorne spielen. Man wird sehen, wie das die Körper der Spieler insgesamt zulassen“, sagt Gleim. Für ihn und seine Mannschaft könnte in München vieles Wunschdenken bleiben.

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