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Frankfurt Skyliners : „Small ball“ – die kurz geratenen Skyliners

  • -Aktualisiert am

Mit Vollgas in die neue Saison: Pascal Roller und die Skyliners setzen mehr auf Tempo als auf Größe. Bild: Wonge Bergmann

Im Qualifikationsspiel gegen Besiktas Istanbul fehlen den Frankfurtern die großen Profis. Es steht eine Runde der Herausforderungen bevor.

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          In Riesenschritten ist die Saison in der Basketball-Bundesliga auf die Frankfurt Skyliners zugestürmt – so schnell, dass man fast den Eindruck haben könnte, die Profis vom Main seien zu langsam, das hohe Tempo mithalten zu können. Schon an diesem Mittwoch wird es ernst für die Skyliners; noch nicht in der Bundesliga, sondern im Qualifikationsspiel um den Euro Cup. Gegner in der Ballsporthalle (19 Uhr) wird Besiktas Istanbul sein, jener Klub, der für den einstigen Trainer Murat Didin eine so innige Herzensangelegenheit war, dass er seiner großen Liebe Frankfurt 2006 einen Korb gab, aber ein Jahr später reumütig wieder an den Main zurückkehrte.

          Inzwischen trainiert Didin die Düsseldorf Giants, und das Training bei den Skyliners leitet seit vergangenem Sommer Gordon Herbert. Der Kanadier hat sich in der vergangenen Woche in ein Frankfurter Krankenhaus zurückgezogen, um endlich seine anhaltenden starken Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen. Im Spiel gegen Besiktas soll Herbert wieder als Headcoach das Frankfurter Spiel dirigieren. „Ich gehe davon aus, dass Gordie gegen Besiktas wieder an der Seitenlinie stehen wird“, sagte Manager Gunnar Wöbke am Dienstag. Ein wenig Unsicherheit klang an, was einerseits von den Problemen zeugt, die Herbert offenbar mit seinem maladen Rücken hat. Andererseits passt dieses vage Gefühl ins Bild bei den Skyliners dieser Saison. Die Floskel, dass prinzipiell „alles möglich“ sei, wurde bei der Zusammenkunft in einem Frankfurter Hotel auffällig oft bemüht.

          Von der Ideallinie abgebracht

          Man ist einiges gewohnt von den langen Jungs der Skyliners. Schon in der vergangenen Saison galten sie eher als Außenseiter, entpuppten sich aber im Laufe der Spielzeit als Favoritenschreck, der Teams wie Alba Berlin oder die Eisbären Bremerhaven ausschaltete. Und beinahe wären die Hessen auch noch Meister geworden. Die Baskets Bamberg waren aber wieder einmal, wie schon im Pokalfinale, einen Tick besser. Den Fehler, die Hessen wieder zu unterschätzen, sollte man also vielleicht lieber nicht noch einmal begehen – auch wenn die Gründe für eine solche Annahme vor dieser Spielzeit noch berechtigter scheinen als ein Jahr zuvor.

          Spät, vielleicht sogar zu spät, haben die Skyliners begonnen, ihr Team für die Spielzeit 2010/2011 zu formieren. Zwei Verletzungen und ein vorzeitiger Abschied des zuvor stark eingeschätzten Ricardo Powell, haben die Frankfurter kurz vor dem Saisonstart gehörig von der Ideallinie abgebracht. Mit Quantez Robertson und Neuzugang John Dabbert fallen zwei Spieler mit Handverletzungen aus. Zudem wurde Power Forward Powell nach Hause geschickt, weil er bei den medizinischen Untersuchungen nicht alle Kriterien erfüllte. Nun haben die Skylíners vor allem ein Längenproblem. „Zugegeben“, sagte Wöbke, „wir sind etwas kurz unter den Körben. Es ist klar, dass uns ein großer Spieler fehlt.“ Auch Sportdirektor Kamil Novak räumte ein: „Wir machen uns Gedanken darüber, noch einen weiteren Spieler für die Position fünf zu verpflichten.“ Die „Position fünf“ ist die des Centers. Hier verfügen die Skyliners nur über Marius Nolte, der mit den Spitzenkräften der Liga nicht ganz mithalten kann. Aufgrund des Längenunterschiedes werden die etwas kurz geratenen Hessen gegen Besiktas Istanbul wohl einen „small ball“ spielen, wie das Spiel mit vergleichsweise kleinem Personal im Branchenjargon genannt wird.

          Starke Nerven werden die Frankfurter brauchen

          Gleich „drei Starter“, so sagte Manager Wöbke, fehlen den Hessen vor dem Start in einer Spielzeit, die viele Fragen aufwirft. Erste Antworten wird vielleicht schon die Partie gegen Besiktas geben, in der es um ein wichtiges Ziel geht: die Qualifikation für den Euro Cup. Dieser Pokalwettbewerb ist nach der Euro League der zweitwichtigste in Europa; verlieren die Skyliners den aus dem Hinspiel am Mittwoch und dem Rückspiel am darauffolgenden Dienstag in Istanbul bestehenden Vergleich, müssen sie mit der dritten Reihe der europäischen Ligen, der Euro Challenge, vorliebnehmen. Im vergangenen Jahr hatten die Hessen eine Wildcard für diesen Wettbewerb abgelehnt. In diesem Jahr wollen sie starten. „Wir haben gesagt, dass wir spielen“, sagte Wöbke, „also treten wir an.“ Motivationshilfe bietet vielleicht auch ein deutscher Klub: Die BG Göttingen gewann in der vergangenen Saison die Euro Challenge. Und so ein Titel besitzt dann doch große Anziehungskraft.

          Zwischen den beiden Terminen auf europäischem Niveau wartet zudem an diesem Samstag der Start der Bundesliga. Er bringt den Skyliners gleich eine große Herausforderung: ein Auswärtsspiel bei den Oldenburg Baskets. Starke Nerven werden die Frankfurter also brauchen; und vielleicht auch Durchhaltevermögen – sportliches und wirtschaftliches. Nach dieser Runde wird sich die Deutsche Bank als Hauptsponsor zurückziehen. Vieles – auch die Planung für diese Spielzeit – wird davon abhängen, ob ein Nachfolger gefunden wird. Auch der Bau einer modernen Multifunktionsarena wird von entscheidender Bedeutung für den Klub sein. Die Machbarkeitsstudie des Projektes hätte schon Ende August präsentiert werden sollen. Offenbar soll dies nun in Kürze geschehen. „Ich habe die Entwürfe schon gesehen“, sagte Wöbke – und erweckte dabei nicht den Eindruck, dass ihm das Gesehene missfallen hätte.

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