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Frankfurt Skyliners : Ran an die Kraftreserven

  • -Aktualisiert am

Respektabel: Gytis Masiulis (rechts) von den Fraport Skyliners wehrt sich gegen den Berliner Niels Giffey. Bild: dpa

Auf Verstärkung dürfen die Skyliners beim Finalturnier in München nicht hoffen: Leon Kratzer ist noch nicht fit genug, Shaquille Hines fällt gegen Ludwigsburg ebenfalls aus. Wenigstens bei einem Neuzugang besteht Hoffnung.

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          In seinem schicken Münchner Hotelzimmer mit Vier-Sterne-Komfort fühlt sich Sebastian Gleim wie im Büro. Das liegt daran, dass sich der Basketballtrainer der Fraport Skyliners einen Arbeitsbereich eingerichtet hat – mit zwei Laptops, einer Pinnwand und vielen Blöcken und Zetteln. Er ist ja nicht zur Erholung da. Von der ersten Hoteletage aus plant der 35-Jährige die strategische Ausrichtung seines Teams beim Finalturnier um die deutsche Meisterschaft, sofern er mit seiner Mannschaft nicht gerade in der Trainingshalle auf dem FC Bayern Campus steht oder in der Basketball-Arena, wo an diesem Dienstag (16.30 Uhr bei Magenta Sport) das Gruppenspiel gegen Ludwigsburg angesetzt ist.

          Die Bedingungen im weitläufigen Quarantäne-Hotel seien „sehr professionell. Es ist alles da, was man braucht“, sagte Gleim am Montag am Telefon. Nur mit der Wunschzeit für das Mannschaftsessen haue es nicht immer hin, dauere die Hygienereinigung des Raumes nach der Mahlzeit eines Teams doch 45 Minuten. Zehn Mannschaften haben sich in der Nähe des Olympiazentrums in einem angenehmen Ambiente einkasernieren lassen, ein einmaliges Sportlerprojekt, das für Akeem Vargas „Charme“ und „ein bisschen Landschulheimcharakter“ hat. „Ich bin positiv überrascht“, sagte der Frankfurter Aufbauspieler. Anfangs hatte er der Veranstaltung noch „ein bisschen skeptisch“ gegenübergestanden.

          Auch an den Tracing-Chip, den die Spieler im Hotel tragen sollen, damit für den Fall eines positiven Corona-Tests die Kontaktpersonen genau nachvollzogen werden können, hat sich Vargas nach dem ersten Schreckmoment gewöhnt. Das habe etwas „von Einzelhaft mit Bewährungscharakter“, scherzte er. „Aber es ist ja sinnvoll und zu unserem Wohl.“

          Größenvorteile beim Gegner

          Mit Wohlwollen ist der erste sportliche Auftritt der Frankfurter in München von der Konkurrenz registriert worden. Der Skyliners-Kraftakt mündete in eine respektable 72:81-Niederlage gegen den deutschen Pokalsieger Alba Berlin. Lange mit einem der Turnierfavoriten mitgehalten zu haben, wurde aus eigener Perspektive als beachtlicher Erfolg angesehen. Gleim hatte ein „sehr gutes Gesicht“ seiner Mannschaft wahrgenommen, die sich selbst in der großen Außenseiterrolle sieht. „Wir haben Alba eine sehr physische und umkämpfte Partie geliefert“, urteilte der Headcoach. Aufgrund der Tiefe des Berliner Kaders, der Größenvorteile beim Gegner und der Tabellensituation in der Hauptrunde – Frankfurt war nur Vierzehnter – sei „ein solch knappes Ergebnis nicht zu erwarten“ gewesen. Die spannende Frage wird in den kommenden Tagen mit drei Spielen (Vechta am Donnerstag, Bamberg am Samstag) bis zum Wochenende sein, wie oft die Skyliners eine solche Kraftanstrengung wiederholen können.

          Auf zusätzliche Hilfe aus den eigenen Reihen müssen sie wohl verzichten. Gleim ließ am Montag schweren Herzens durchblicken, dass der Nationalspieler und Starting-Center Leon Kratzer (Muskelfaserriss) nicht mehr rechtzeitig fit werden wird für die Gruppenspiele. „Er versucht alles, aber es sieht schlecht aus. Leon konnte noch nicht basketballspezifisch trainieren.“ Immer unwahrscheinlicher wird zudem, dass Shaquille Hines nach München nachreist. Nach Angaben des Trainers ist der Amerikaner „gesundheitlich angeschlagen“, mehr Informationen gibt es vom Verein schon seit mehreren Tagen nicht. Auf Ludwigsburger Seite ist dagegen Jaleen Smith mit Verspätung spielbereit. Im Rahmen einer Testreihe war bei dem Amerikaner eine alte Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen worden. Nach zwei negativen Tests im Abstand von mindestens 24 Stunden – das war in diesem Fall die Voraussetzung für die Turnierteilnahme – durfte Smith nun zum Team stoßen.

          Der Worst Case würde bei den Skyliners eintreten, wenn nun auch noch ihr Neuzugang Yorman Polas Bartolo ausfiele. Der auf Anhieb überzeugende Flügelspieler (12 Punkte und 5 Rebounds) bekam im Duell mit Berlin einen Pferdekuss im Oberschenkel ab. Auf „fifty, fifty“ schätzt Gleim dessen Einsatzchance gegen Ludwigsburg ein. Den 34 Jahre alten Verteidigungsspezialisten könnten die Hessen kaum ersetzen, ist er mit seiner Robustheit und Kompromisslosigkeit in den Zweikämpfen doch prädestiniert für den sportlichen Schlagabtausch mit dem Zweiten der Hauptrunde. „Wir haben mit Quantez Robertson und Yorman zwei Kettenhunde, die sehr gut arbeiten“, sagt Vargas. Der Aufbauspieler erwartet im zweiten Gruppenspiel einen „Dogfight auf dem Feld, es wird sehr ruppig und physisch zugehen“. Das körperliche Dagegenhalten wird das eine sein. Den größten Steigerungsbedarf im Hinblick auf den gesamten bisherigen Saisonverlauf haben die Skyliners in der Offensive.

          In den spielentscheidenden Momenten fehlen wie gegen Berlin ein oder zwei nervenstarke Spieler, die das Heft des Handelns in die Hand nehmen und mit wichtigen Würfen erfolgreich sind. Matthew Mobley war so ein Spielertyp. „Wenn alle müde werden, war er trotzdem noch in der Lage, einen schwierigen Wurf zu treffen“, sagt Gleim. Mobley kehrte jedoch nicht aus den Vereinigten Staaten zu den Skyliners zurück. Die Corona-Pandemie schreckte ihn von der Reise ab. Auf seinem Reißbrett im Hotelzimmer hätte Gleim gerne mit Mobley geplant.

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