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Frankfurt Skyliners : Mit Gordon Herbert zurück zur Zurückhaltung

  • -Aktualisiert am

Wieder da: Gordon Herbert, Meistertrainer der damaligen Opel Skyliners Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Nur nichts überstürzen: Gordon Herbert will bei den Frankfurt Skyliners an alte Erfolge anknüpfen und Deutscher Basketball-Meister werden. Er plant aber keinen radikalen Umbruch. Ein Assistent seines Vorgängers muss dennoch gehen.

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          Ein Mann großer Eitelkeiten war Gordon Herbert noch nie. Trainingshose im Schlabberlook, die Teamjacke der Frankfurt Skyliners locker darübergestreift – so präsentierte sich der neue Headcoach des Frankfurter Basketballklubs am Dienstagvormittag der Öffentlichkeit. Tags zuvor hatte der hessische Profiverein seinen bisherigen Cheftrainer Murat Didin beurlaubt und den schnellen Wechsel vollzogen. Zurück zum Erfolg – das wäre der falsche Ausdruck, denn Didin war alles andere als erfolglos mit den Skyliners. Zurück zur Zurückhaltung – das ist wohl eher der Hintergrund des Wechsels.

          Denn der 51 Jahre alte Kanadier ist – anders als Didin – ein eher stiller Vertreter seiner Zunft. Lieber fünfmal zu wenig sagen als einmal zu viel, das ist typisch für einen, der die Schule des nordamerikanischen Leistungssports durchgemacht hat. Und wenn Männer wie Herbert etwas Kerniges sagen, sind es oft Sätze wie dieser: „Ich will mit den Skyliners Meister werden.“ Dass dies leichter gesagt als getan ist, dürfte er selbst wissen.

          Unbewusste Abschiedsvorstellung

          Der Kontakt der Skyliners zu ihrem ehemaligen Headcoach, der sie 2004 in seinem dritten Jahr in Frankfurt zur Meisterschaft führte und dann nach Paris wechselte, weil ihm die Hessen kein finanziell adäquates Angebot unterbreiten konnten, kam erst vergangene Woche zustande. Herbert war am Sonntag, als Didin beim Pokalfinale gegen Bamberg unbewusst seine Abschiedsvorstellung gab, in der Ballsporthalle und beobachtete die Mannschaft. „Das Team hat Potential, die großer Energie und die mannschaftliche Geschlossenheit gefallen mir“, sagte Herbert nach seinen Eindrücken vom Wochenende, legte aber Wert darauf, dass seine Worte nicht als Kritik an seinem Vorgänger verstanden werden: „Ich respektiere Murat Didin sehr.“

          Erste wichtige Entscheidungen fällte Herbert schon. Einer, der davon besonders betroffen ist, schlenderte am Dienstag gelassen und Seite an Seite mit Didins ältestem Sohn Burak durchs Nordwestzentrum: Engin Gencoglu, Didins Assistenztrainer, wurde ebenfalls beurlaubt. Der Türke machte einen überaus gelassenen Eindruck: „So ist das Leben im Profisport. Auf so etwas muss man immer gefasst sein.“ Sein Nachfolger steht bereits fest. Herbert machte der 33 Jahre alten Iren Tom Johnson zu seiner rechten Hand. In den zurückliegenden drei Jahren trainierte er in Belgien und ist in Hessen kein Unbekannter: In der Saison 1999/2000 stand er im Kader des MTV Gießen. „Er kennt also die Bundesliga“, sagte Sportdirektor Kamil Novak.

          Assistenztrainer Klaus Perwas bleibt

          Weiter bei den Skyliners bleibt hingegen der weitere Assistenztrainer Klaus Perwas. Am Mittag leitete Herbert sein erstes Training. Man spürte, dass es ein vorsichtiges Herantasten war. „Es wird schwer werden, an das Team heran zu kommen“, sagte Herbert, der die Gegebenheiten, die er aktuell im Team vorfindet wohl weitgehend unangetastet lässt. will. Was sich vor allem auf die Struktur des Spiels bezog. „Es hat wohl keinen Sinn, jetzt mit einem neuen System zu kommen“, sagte Herbert. Dass er dennoch bei manchen Spielern die Rollen wechseln werde, schließe er jedoch nicht aus.

          Herbert hat gerade eine längere Pause als Trainer hinter sich. Im Sommer musste er sich einer schwierigen Rückenoperation unterziehen, als er Assistenztrainer bei den Toronto Raptors war. Hinterher habe er den Fehler gemacht, seinem Rücken dennoch die weiten Busfahrten der Raptors zu Auswärtsspielen in der NBA zuzumuten. „Das ging nicht gut. Und irgendwann wusste ich, dass ich eine Pause brauche, um ganz gesund zu werden.“

          „Dm Team ein wenig meine Identität vermitteln“

          Diese Auszeit ist nun beendet. Für den einen oder anderen Profi im Kader der Hessen dürfte der Trainerwechsel auch einen neue Chance bedeuten: Männer wie Dominik Bahiense de Mello, der bei Didin mindestens so oft in der Kritik stand wie Center Gerg Jenkins, können „sich neu positionieren“, wie es Skyliners-Geschäftsführer Gunnar Wöbke formulierte. Den ganz großen Umbruch darf man aber wohl nicht erwarten: „Ich will dem Team ein wenig meine Identität vermitteln“, sagte Herbert bescheiden, „für große Veränderungen ist aber keine Zeit.“

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