https://www.faz.net/-gzn-z73j

Frankfurt Skyliners : Eine Frage von Sekunden

  • -Aktualisiert am

Verblüffend: Bryce Taylor (links) von Alba Berlin und Quantez Robertson. Bild: DPA

Die Skyliners verlieren das erste Spiel im Play-off-Halbfinale gegen Alba Berlin 80:81. Eine umstrittene Situation kurz vor Ende der Partie könnte aber für ein Nachspiel sorgen.

          3 Min.

          Die Enttäuschung war in den Gesichtern der Verlierer deutlich zu sehen. Mit steinernen Mienen schlichen die Profis der Frankfurt Skyliners nach dem 80:81 gegen Alba Berlin aus der Halle. Die Musik dudelte immer noch laut aus den großen Lautsprecherboxen unter der Decke der Frankfurter Ballsporthalle, während sich die Ränge rasch geleert hatten. Es gab nichts zu feiern aus Frankfurter Sicht. Die knappe Niederlage war eine Kombination aus unglücklicher Fügung und leichter Unterlegenheit beim harten Spiel Mann gegen Mann in der Zone. Viel deutlicher als die Unterschiede auf dem Feld waren die Folgen dieser ersten Partie im Halbfinale der Basketball-Bundesliga. „Wir haben den Heimvorteil verspielt“, sagte der Frankfurter Cheftrainer Gordon Herbert. 0:1 liegen seine Profis nun im Rennen um den Einzug ins Finale im Rückstand. Da die Mannschaft in der Serie „best of five“ weiterkommt, die zuerst drei Siege vorzuweisen hat, droht den Skyliners im Falle einer Niederlage in Berlin an diesem Samstag ein Aus in eigener Halle am Mittwoch in Spiel drei. „Es ist nur eine Niederlage“, skizzierte Dominik Bahiense de Mello, der mit 19 Punkten vor DaShaun Wood (17) bester Frankfurter Korbschütze war. „Wir werden am Samstag zurückschlagen und in der Serie ausgleichen.“

          Die bittere Enttäuschung, die bei den Frankfurtern allenthalben zu spüren war, hatte aber auch einen anderen Hintergrund. Pech war im Spiel, als Center Chris Moss nach einem Freiwurf des Berliners Tadija Dragicevic, der vermutlich den Ring verfehlt hätte, den Ball in den eigenen Korb tippte. Und dann gab es da auch noch diese Szene am Ende des Spiels, die vielleicht sogar noch für ein Nachspiel im doppelten Sinn sorgen könnte. Es waren noch rund acht Sekunden bis zur Schlusssirene, als der Berliner Bryce Taylor den Frankfurter Korb verfehlte. Die 24-Sekunden-Uhr war abgelaufen; und da der Ball am Korb vorbeiflog, ohne ihn zu berühren, mussten die verteidigenden Hessen davon ausgehen, dass die Sirene den Spielzug beenden würde und der Ballbesitz auf Seiten der Skyliners wäre. Zwar war Jimmy McKinney für Frankfurt im Kampf um den Rebound mit den Fingern am Ball, hatte aber keine Ballkontrolle, so dass Yassin Idbihi diesen am Ende in den Händen hielt und Berlin trotz abgelaufener Uhr in Ballbesitz blieb.

          Zu verblüfft, um noch ein technisches Foul zu setzen

          Die Situation warf schon am Mittwochabend Fragen auf. „Der Ball war nicht am Korb, wir hätten ihn bekommen müssen“, sagte Herbert mit hochgezogenen Augenbrauen. Hätten die Skyliners dann auch noch eine Auszeit genommen, hätten sie danach Einwurf in der gegnerischen Hälfte gehabt – und rund sechs Sekunden Zeit, mit einem Korbleger das Spiel als Sieger zu beenden.

          „Tatsachenentscheidung“ lautet die Erklärung, die von Ligasprecher Dirk Kaiser kolportiert wird. Es gibt offenbar sogar die Vermutung, dass die 24-Sekunden-Uhr regelwidrig vorzeitig neu ausgelöst worden war. „Wir müssen das noch alles überprüfen“, sagte Kaiser am Donnerstag. Aber selbst dann sei die Entscheidung der Schiedsrichter, das Spiel weiterlaufen zu lassen, bindend. Bei den Skyliners begegnete man der Angelegenheit mit Zurückhaltung, was die Mitteilsamkeit in der Öffentlichkeit betrifft. Schon am Mittwoch wollte sich der Klub nicht dazu äußern, ob man Protest einlegen würde. Da ein solcher Protest aber unmittelbar nach dem Spielende eingelegt werden muss, spricht einiges dafür, dass die Hessen, die im übrigen den Anschreibetisch als Heimteam selbst zusammengestellt hatten, protestiert haben. Nur so ist Novaks Erklärung vom Donnerstag, man werde alle Möglichkeiten prüfen, plausibel.

          Genauso plausibel erscheint die Tatsache, dass die Skyliners es in den letzten sieben Sekunden nicht schafften, das Spiel mit einem taktischen Foul zu unterbrechen. So groß schien die Verblüffung zu sei, dass Alba in Ballbesitz bleiben konnte und sich mit geschicktem Passspiel ins Ziel rettete. „Wir hatten schon ein wenig Glück am Ende“, gestand Derrick Allen ein, der vor dieser Saison von Frankfurt nach Berlin gewechselt war. Nun darf man gespannt sein, was passiert, ob es ein Nachspiel am Grünen Tisch geben wird – oder gar ein Wiederholungsspiel. Die Situation erinnert an die Eurocup-Partie zwischen der BG Göttingen und Besiktas Istanbul im November des vergangenen Jahres. Auch dort hatte es Probleme mit der „Shotclock“ genannten Sekundenuhr gegeben. Besiktas hatte protestiert, das Spiel hatte wiederholt werden müssen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Terror in Nizza : Rausch des islamistischen Nihilismus

          Nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty durch einen Islamisten wurde die Stimmung aufgeheizt. Auch durch Boykottaufrufe gegen Frankreich in islamischen Ländern. Doch ein Pauschalverdacht gegen alle Muslime ist falsch.

          Der Papst und die Satire : Mit der Faust zuschlagen

          Der Muslimische Ältestenrat will das Magazin „Charlie Hebdo“ wegen der Mohammed-Karikaturen verklagen. Zeichnungen wie diese gefallen auch Papst Franziskus nicht. Da gibt es einen gefährlichen Schulterschluss.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.