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Frankfurt Skyliners : Der Mann mit dem Haken

  • -Aktualisiert am

Mit Schwung und Ball: Pascal Roller. Bild: Wonge Bergmann

Roger Powell schafft in seinem zweiten Spiel für die Skyliners den Sprung unter die Topscorer und überzeugt mit Athletik und Wurftechnik.

          3 Min.

          Der Neue saß entspannt in der Kabine und genoss das Erfolgserlebnis: Roger Powell, 27 Jahre alt, Power Forward. Mit den Frankfurt Skyliners hatte er gerade den zweiten Auswärtssieg in Folge erzielt. Am Samstag hatten die Hessen beim Basketball-Bundesligaspiel in Quakenbrück 82:56 gewonnen, vier Tage später folgte der zweite Coup bei der BG Göttingen: Am Mittwochabend sorgten sie dafür, dass die „Veilchen“ aus Göttingen nicht mit einem blauen Augen davonkamen; der 70:58-Erfolg war eindeutig. Powell hatte daran einen großen Anteil. 18 Punkte steuerte der Amerikaner zum fünften Sieg der Skyliners in dieser Saison bei. Der andere Erfolgsfaktor war ein Landsmann von Powell: DaShaun Wood, der gleichfalls 18 Punkte erzielte. „Frankfurt hat einen ausgezeichneten Point Guard“, lobte der Göttinger Trainer John Patrick den Spielmacher, „und wir hatten Riesenprobleme, ihn zu kontrollieren. Gegen Wood hatten wir keine Chance.“

          Der jüngste Frankfurter Erfolg in der stimmungsvollen Lokhalle von Göttingen katapultiert die Skyliners auf einen Tabellenplatz, den vor dieser Saison kaum jemand den Hessen zugetraut hätte. Der zweite Rang ist eine Überraschung, denn vor der Saison war von einer bevorstehenden Sparspielzeit die Rede gewesen und natürlich von einer dadurch reduzierten Wettbewerbsfähigkeit des Meisterschaftszweiten. Doch die Profis von Trainer Gordon Herbert haben schon nach sieben Spielen die alte Rangordnung wiederhergestellt: Meister Bamberg ist Tabellenführer, die Skyliners stehen auf dem Platz dahinter. Fünf Siege bei nur zwei Niederlagen signalisieren: Mit den Frankfurtern ist in dieser Saison wieder zu rechnen.

          Schwung mitnehmen

          „Ich weiß gar nicht, auf welchem Platz wir stehen“, behauptete Headcoach Herbert am Donnerstagnachmittag. Die Tabelle sei für ihn sowieso nicht relevant. „Für mich ist es viel wichtiger, dass meine Mannschaft immer besser wird.“ Gut möglich, dass Neuzugang Powell noch eine große Rolle bei diesem Streben nach ständiger Perfektion spielen wird. In seinem ersten Spiel mit den Skyliners am Samstag kämpfte der Profi aus den Vereinigten Staaten noch mit dem für ihn neuen Spielsystem und begnügte sich mit vier Punkten; zwei davon erzielte der Modellathlet mit einem krachenden Slamdunk, der andeutete, welche Fähigkeiten in dem muskelbepackten Flügelspieler stecken. Am Mittwoch in der Göttinger Lokhalle kam Powell zeitweise richtig in Fahrt. Auffällig ist sein Hakenwurf, der von der gegnerischen Defensive nur schwer zu verteidigen ist und den man in der Bundesliga nicht allzu häufig zu Gesicht bekommt. Der „Hookshot“, wegen dem sogar ein Superstar wie Dirk Nowitzki im Sommer schon mal Sondertrainingseinheiten einlegt, ist ganz offensichtlich eine Spezialität von Powell. Erworben hat er sich diese Fähigkeiten in der amerikanischen Profiliga NBA. Dort spielte er für Utah Jazz, wo er in einer Handvoll Saisonspielen zum Einsatz kam; zuletzt stand Powell bei den Chicago Bulls unter Vertrag und wurde ganz am Ende des sogenannten „Veterans Camp“ aus dem Kader genommen. Powell hat aber auch schon europäische Basketballerfahrung gesammelt und spielte beim spanischen Erstligaklub in Murcia und in der französischen Liga für Dijon. Dennoch merkt man Powell seinen letzten Basketballstandort Chicago noch deutlich an. Sein Spielstil ist noch viel deutlicher an den NBA-Maßstäben orientiert als an den Standards der Bundesliga. „Die Unterschiede sind riesig“, sagt Powell, „aber Basketball ist Basketball.“ In Frankfurt muss sich der Mann aus Illinois noch an seine neue Mannschaft gewöhnen. „Ich muss zuerst einmal das Team richtig kennenlernen“, sagte er nach dem Sieg in Göttingen, während seine Kollegen in der Umkleide kurz nach dem hart umkämpften Spiel erschöpft, aber zufrieden durchatmeten.

          Cheftrainer Herbert hofft nun, dass seine Spieler den Schwung aus zwei Auswärtssiegen mitnehmen in das am Samstag bevorstehende Heimspiel gegen die Gießen 46ers (Ballsporthalle, 18.30 Uhr). „Es ist die große Herausforderung für uns, gegen Gießen so zu spielen, wie wir es in den letzten zwanzig Minuten in Quakenbrück und fast im gesamten Spiel in Göttingen getan haben“, sagt Herbert. Nur eines hat dem Frankfurter Trainer bei den „Veilchen“ nicht gefallen: die hohe Anzahl der Ballverluste. 18 Mal gaben die Hessen den Ball an die harte Verteidigung der Gegner ab. Herbert gab zu: „Offengestanden bin ich froh, dass es nicht noch mehr waren.“

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