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Frankfurt Skyliners : Mit Jugend zum Klassenverbleib

  • -Aktualisiert am

Neuanfang mit dem Nachwuchs: Für Sebastian Gleim, Bundesligatrainer des Skyliners, ändert sich die Jobbeschreibung. Bild: Kevin Voigt/Jan Huebner/Pool/fir

Das Finalturnier ist kaum vorüber, da geht der Blick nach vorne in eine immer noch ungewisse Zukunft: Die Frankfurt Skyliners bereiten sich auf eine Basketball-Saison mit wenigen Fans in der Halle vor. Neuzugänge gibt es vorerst nicht.

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          Noch steht gar nicht fest, wann die kommende Saison in der Basketball-Bundesliga (BBL) losgehen wird. Aber die Fraport Skyliners haben mit Blick in die Zukunft alle denkbaren Heimspiele am Samstag bereits auf den Sonntag verlegt, „damit wir auch am Freitag spielen können. Wir werden nicht um Doppelspieltage herumkommen, wenn wir mit der Runde später beginnen“, sagt Geschäftsführer Gunnar Wöbke. Und das wird in Zeiten der Corona-Pandemie mit großer Wahrscheinlichkeit der Fall sein. Wöbke rechnet nämlich damit, dass die BBL – normalerweise wäre der Startschuss Ende September gefallen – diesmal frühestens Anfang November beginnen wird. Dann aber verbunden mit großen „Hoffnung, mit 40, 50 oder womöglich 60 Prozent der jeweils normalen Zuschauerkapazität anfangen“ zu können.

          Das sei aus heutiger Sicht „ein sinnvoller Zeitpunkt“, sagte Wöbke am Donnerstag. „Wir sind gut beraten, dass wir keinen zu frühen Zeitpunkt wählen, der dem Ziel widerspricht, möglichst viele Zuschauer in den Hallen zu haben.“

          Als eine Voraussetzung für den Neubeginn in Corona-Zeiten nannte Wöbke, dass jede Veranstaltung in der Bundesliga auch „sicher“ sein müsse. „Das große Thema ist das Hygiene- und Sicherheitskonzept in jeder einzelnen Halle. Alle Bedingungen sind unterschiedlich, deshalb wird es prozentual unterschiedliche Zuschauerzahlen geben.“ Von einem ist der Frankfurter Geschäftsführer schon jetzt überzeugt: „Ich gehe nicht davon aus, dass in der Saison auch nur ein Spiel vor voller Zuschauerzahl stattfinden wird.“ Nun dränge die Zeit, um die Vorschriften und Vorgaben der zuständigen Behörden rechtzeitig zu erfüllen. „Wir alle müssen mit allerhöchstem Zeitdruck am Hygiene- und Sicherheitskonzept arbeiten“, betonte Wöbke.

          Er kündigte an, dass jeder verfügbare Platz in der Ballsporthalle in der neuen Saison „personalisiert“ sein werde. „Für unsere Leute aus dem Ticketing wird das ein solches Detailwerk werden.“ Im Hinblick auf den zweiten großen Wettbewerb, den Pokal, kann sich Wöbke vorstellen, diesen vor Beginn der Bundesliga-Saison im Oktober auszutragen. Dann an vier Standorten mit jeweils vier Klubs, bevor sich ein „Final Eight oder ein Final Four“ anschließt. Er findet: „Wir sollten den Pokal in einem anderen Modus spielen.“

          Ziel „nur Klassenverbleib“

          Neuverpflichtungen wird es bei den Skyliners momentan nicht geben. Wöbke will keine Verträge abschließen, die der Verein dann finanziell womöglich nicht erfüllen kann. „Wirtschaftlich werden wir uns so vorsichtig verhalten, wie es nur geht, bis wir ein besseres Gefühl dafür haben, was möglich ist“, sagte er. „Wir müssen supervorsichtig sein.“

          Nach heutigem Stand werden sich die Skyliners nur den „Klassenverbleib“ zum Ziel setzen. Trotz der selbst auferlegten finanziellen Zurückhaltung haben sie zumindest Center und Nationalspieler Leon Kratzer ein Angebot zur Vertragsverlängerung unterbreitet. Den 23-Jährigen wollen sie als Stütze der Mannschaft nicht verlieren. Schon in normalen Zeiten haben sich die Frankfurter in der Rolle der sportlichen Schnäppchenjäger gefallen. Am liebsten schlagen sie dann auf dem Spielermarkt zu, wenn die Preise ordentlich gesunken sind.

          Das wird in diesem Jahr noch länger dauern, bis es so weit ist. Aktuell sei „keine große Geschwindigkeit im Markt“, sagte unlängst Cheftrainer Sebastian Gleim. Mancher Frankfurter Bundesliga-Kontrahent hingegen verpflichtet schon fleißig neues Personals. Und den Litauer Gytis Masiulis, der beim Meisterschaftsendturnier in München im Skyliners-Trikot gute Leistungen gezeigt hatte, können die Hessen auch nicht mehr für ein weiteres Engagement gewinnen. Der 22 Jahre alte Big Man schließt sich in der kommenden Saison dem EuroCup-Teilnehmer BC Lietkabelis Panevezys aus Litauen an. Im Hinblick auf das Potential aus den eigenen Reihen werden die Skyliners dem Nachwuchs auch in der neuen Runde eine Chance geben: Der 17 Jahre alte Len Schoormann ist auf der Spielmacherposition schon jetzt fest als Back-up eines noch zu verpflichtenden Amerikaners eingeplant. In München hatte der unbekümmert aufspielende Point Guard das Vertrauen seines Trainers gerechtfertigt. „Len ist der größte Gewinner des Turniers bei uns“, sagt Gleim.

          Aufgrund der Auswirkungen durch die Corona-Pandemie hat die BBL Veränderungen am Lizenzstatut vorgenommen. Der zuletzt vorgeschriebene Mindestetat in Höhe von drei Millionen Euro ist im aktuellen Lizenzierungsverfahren ausgesetzt worden. Der Gesamtetat der Skyliners in der abgelaufenen Runde lag geschätzt zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro. Die Bewerber für eine BBL-Lizenz müssen jedoch einen mindestens ausgeglichenen Finanzplan für die kommende Saison vorlegen. Zuschauereinnahmen sollen einheitlich mit maximal 40 Prozent an Zuschauern über die gesamte Saison geplant werden. „Wir wollen in der neuen Saison vor der möglichst größten erdenklichen Zuschauerzahl spielen“ – das ist aktuell Wöbkes Wunsch.

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