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Derrick Allen : Weil ich es will

Meist sind seine Gefühle nur an seinen knappen, harten Gesten und einem bitteren Gesichtsausdruck zu erkennen, der untypisch für ihn ist: Derrick Allen, Basketballer in Frankfurt Bild: Lucas Wahl

Sachsenhausen um die Mittagszeit - Derrick Allen schlendert in T-Shirt und Jeans durch die Straßen des Frankfurter Stadtteils. Der freie Tag passt dem amerikanischen Basketballprofi bestens in Konzept. Der stille Star der Frankfurt Skyliners im Porträt.

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          Sachsenhausen um die Mittagszeit - Derrick Allen schlendert lässig in T-Shirt und Jeans durch die Straßen des Frankfurter Stadtteils. Der Frühling ist endlich gekommen, und der freie Tag passt dem amerikanischen Basketballprofi bestens in Konzept. Allen kennt sich aus hier. Ob Nudeln beim Italiener, Chicken Wings bei der amerikanischen Restaurantkette mit den netten Bedienungen - zum Mittagessen ist er oft hier. Einer der besten Spieler der Bundesliga, einer der herausragenden Sportler aus der Region, geht unerkannt seiner Wege. Ein Star im Verborgenen. Seit drei Jahren wohnt Allen in Sachsenhausen in einem Appartement, das sein Verein, die Frankfurt Skyliners, angemietet hat. Die meisten Wohnungen des Klubs befinden sich in den großen Blocks des Nordwestzentrums, wo der Klub in der „Basketball-City“ trainiert. Nur ein Appartement liege nicht dort, sagt Skyliners-Sportdirektor Kamil Novak. „Und das hat Derrick gleich genommen.“

          Eigentlich verwunderlich. Denn „D.A.“, wie ihn in Frankfurt alle nennen, verbringt ohnehin die meiste Zeit beim Basketball. Mehr als jeder andere Spieler des Klubs. Skyliners-Cheftrainer Murat Didin hat den trainingseifrigen Amerikaner schon mal aus der Halle werfen müssen, auf dass er sich endlich ausruhe. „Derrick ist zu einem Familienproblem für mich geworden“, scherzt Didin. „Ich muss ja als Chef am längsten bleiben. Dann ruft mich mein Sohn Ahmet an und fragt, wo ich bleibe. Ich sage dann: Ich kann noch nicht weg - Derrick Allen ist immer noch da und wirft Körbe.“

          Ehedem „das Rennpferd der Skyliners“

          Körbe werfen - das kann Allen so gut wie nur wenige Profis in der Bundesliga. In der Liste der Topscorer steht er auf Rang sieben. Vor etwas mehr als einer Woche hat Allen beim Frankfurter Sieg in Berlin 18 Punkte erzielt und war damit bester Schütze der Skyliners. „Ein solcher Sieg gibt dem Team Selbstvertrauen“, sagt Allen. Ja natürlich, räumt er auf Nachfrage ein, „mir persönlich auch“. Am vergangenen Sonntag war Allen wieder nicht zu stoppen und erzielte im Spiel gegen die Düsseldorf Giants 28 Punkte. Gefreut hat er sich trotzdem nicht, denn das Spiel ging 64:66 verloren.

          Im Gespräch in seinem Lieblingsrestaurant in Sachsenhausen: ein lockerer Typ

          Zuerst kommt bei Allen immer die Mannschaft - eine für amerikanische Profis typische Haltung, die sich manchmal allerdings nur als Floskel erweist. Bei Allen ist das anders. Er ist ein Dauerläufer, einer, der nie aufgibt. Er ist kaum zu bremsen in seinem schier unermüdlichen Streben nach sportlichem Erfolg. Und nur sich selbst hat er dabei so gut wie nie im Blick.Von Verletzungen ist er bislang weitgehend verschont geblieben. Kleinere Blessuren steckt er meist weg, ohne groß darüber zu reden. Er ist also ein Profi ganz nach dem Geschmack von Trainer Didin, der Allen einmal als „das Rennpferd der Skyliners“ bezeichnet hat. Laute Töne sind dem stillen Mann aus Alabama fremd. Er sei manchmal unnötig emotional, sagt Didin über Allen und meint damit vor allem die Tatsache, dass sich der Power Forward über missglückte Aktionen mehr ärgert, als dies andere tun.

          Bitterer Gesichtsausdruck untypisch für ihn

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