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Basketballprofi Marco Völler : Keine Zeit für Schönspielerei

  • -Aktualisiert am

Immer voller Einsatz: Marco Völler am Ball. Bild: dpa

Die Eigenmotivation zählt zu seinen größten Stärken. Die Außenseiterrolle spornt ihn an. Der Frankfurter Basketballprofi Marco Völler sieht bei den „Wohnzimmerspielen“ seine Chance.

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          „Ich werde mit der gleichen Intensität und Moral wie immer an die Sache herangehen“ – so lautet das Versprechen von Marco Völler für das Finalturnier der Basketball-Bundesliga (BBL) in München, das an diesem Samstag mit den ersten Gruppenspielen begann. Und es gibt keinen Grund, an den Worten des Frankfurter Power Forwards zu zweifeln.

          Die Eigenmotivation zählt zu seinen größten Stärken. Die Außenseiterrolle spornt ihn an. „Ich selbst sage mir immer: Ich bin der Underdog. Ich denke: Hey, jeder denkt, die anderen Jungs sind besser als ich. Dann will ich mal das Gegenteil beweisen. Das ist mein Antrieb, warum ich immer hundert Prozent gebe.“

          Nur „Wohnzimmerspiele“ zugelassen

          Zwar würde auch der 1,98 Meter lange Profi im Trikot der Fraport Skyliners viel lieber vor Publikum spielen in der Heimspielstätte des deutschen Basketballmeisters Bayern München. Aber die Corona-Pandemie lässt derzeit nur „Wohnzimmerspiele“ (diesen Begriff verwendet der Basketballsport anstatt von Geisterspielen) zu. Man müsse deshalb aufpassen, dass die leere Halle bei den Spielern nicht den Eindruck erwecke, wie sonst in den Sommermonaten „ein Saisonvorbereitungsspiel auszutragen. Die fehlende Motivation durch die Zuschauer muss man sich woanders herholen“, sagt Völler und betont: „Für mich wird das kein Problem sein.“ Er zählt auf sich.

          Aus seinem Talent, das nicht so groß wie bei anderen Erstligaspielern war, hat der gebürtige Offenbacher das Beste gemacht. Der auch auf der Centerposition zum Einsatz kommende 31-Jährige arbeitete sich unter dem Korb mit viel Herzblut durch untere Spielklassen buchstäblich nach oben. In Frankfurt muss der Rollenspieler – seine Einsatzzeit in der Hauptrunde betrug knapp acht Minuten pro Begegnung – oft dann ran, wenn das Spiel seiner Mannschaft stockt und diese einen schnellen Energieschub braucht.

          An guten Tagen reißt der zupackende Völler (2,3 Punkte und 1,9 Rebounds pro Spiel) das Momentum an sich und bewegt einiges. An schlechten Tagen hingegen hadert er mit seinem Ungeschick bei der Ballbehandlung und mit seiner Abschlussschwäche. Chance vertan heißt es in diesem Fall. Für einen Hochbegabten fehlt ihm die Konstanz auf höchstem Niveau.

          Die komprimierte Turnierform in München mit vier Gruppenspielen in sieben Tagen – das erste bestreiten die Skyliners an diesem Sonntag (15 Uhr live bei Magenta TV) gegen Alba Berlin – sowie die sehr eingeschränkte Vorbereitungszeit nach der coronabedingten dreimonatigen Zwangspause des Ligabetriebs können Völler jetzt jedoch in die Karten spielen. „Es wird weniger auf Schönspielerei ankommen“, glaubt er. Stattdessen werde das eine oder andere Spiel „über den Kampf und die richtige Einstellung entschieden. Die Mannschaften werden nicht so super eingespielt sein wie nach einer normalen Vorbereitung.“

          Infografik Basketball-Bundesliga 2020
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          Wie die meisten anderen wird sich auch Völler auf dem Feld durchkämpfen müssen, die längere Auszeit im März und April habe dazu geführt, „dass ich nicht so fit bin wie bei einem normalen Saisonbeginn“. Völlers Trainer Sebastian Gleim ist trotzdem davon überzeugt, dass ein paar seiner Spieler „in München für mentale Überraschungen sorgen können“. Ausdrücklich erwähnte der Headcoach Kapitän Quantez Robertson, angesprochen fühlen darf sich aber auch Völler. Der wird auch deshalb besonders gefragt sein, weil der Starting-Center Leon Kratzer noch mit den Nachwirkungen einer muskulären Verletzung zu kämpfen hat. Mit dem Nationalspieler rechnet Gleim frühestens für das dritte Gruppenspiel am kommenden Donnerstag (16.30 Uhr) gegen Vechta. Immerhin macht dessen Genesungsprozess offenbar die erwünschten Fortschritte: Am Freitag konnte Kratzer zusammen mit der Mannschaft die Busreise nach München antreten.

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          Andere Bundesligaspieler stellten den Sinn der Veranstaltung in Frage, Völler tat das nicht. Er verstehe die Sorgen und Nöte, es sei „eine Ausnahmesituation in allen Belangen“, sagt Völler. Er freue sich, „Basketball spielen zu dürfen und mich mit guten Mannschaften zu messen. Es gibt schlimmere Dinge, als ein paar Wochen im Hotel zu sitzen und nur Basketball spielen zu dürfen.“

          Sein Vater Rudi Völler ist als Geschäftsführer Sport mit Bayer Leverkusen in der Fußball-Bundesliga momentan unter außergewöhnlichen Bedingungen im Wettkampfmodus. „Ich denke schon, dass es ihn freut, dass wir Frankfurter in München mit dabei sind“, sagt Marco Völler. „Es ist eine gute Sache, dass es neben dem Fußball etwas anderes gibt, dass man sich jetzt anschauen kann.“ Das Finalturnier eröffne die Chance, „dass in Zukunft ein größeres Interesse am Basketball besteht“. Mit guten Leistungen kann Marco Völler in München außerdem seinen Marktwert steigern. Sein Vertrag bei den Skyliners läuft aus. Ein Grund mehr für ihn, unter dem Korb hochmotiviert ans Werk zu gehen.

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