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Hessenderby im Basketball : Skyliners mit neuer Siegermentalität

Der X-Faktor im Spiel der Frankfurter: Matt Mobley Bild: Picture-Alliance

Mehr Genie als Wahnsinn: Matt Mobley spielt gegen Gießen alles andere als perfekt, trifft aber spektakulär. Die stabilisierten Skyliners gewinnen auch das Hessenderby.

          3 Min.

          Der Schrecken war den Basketballprofis auf dem Parkett in der Ballsporthalle anzusehen. Von einer Sekunde auf die andere zuckten die Teams aus Frankfurt und Gießen wie auf Befehl zusammen und hielten sich mit verstörten Blicken ihre Ohren zu. Dreieinhalb Minuten vor Spielende des Bundesliga-Duells meldete sich am Samstag beim Stand von 74:71 für die Fraport Skyliners die Hallen-Alarmsirene mit durchdringendem Ton. „Alle wach!“, rief einer, nachdem der ohrenbetäubende Spuk nach endlos lang wirkenden Sekunden vorbei war.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Der Fehlalarm sorgte bei den Spielern für großes Erstaunen und Entsetzen, aber nicht für einen Leistungseinbruch in der entscheidenden Spielphase. Beide Mannschaften blieben ihrem Rhythmus treu und ließen auf erfolgreiche Aktionen wieder unnötige Ballverluste folgen. Ein Wechselspiel der Gefühle. Schließlich waren es auf Frankfurter Seite ein Dreipunktewurf von Topscorer Matt Mobley (21 Punkte) zum 80:77 und ein Korbleger von Michael Kessens (14), die den 82:79-Erfolg der Skyliners im Hessenderby sicherstellten.

          Zwar konnte der stark aufspielende Gießener Center John Bryant (31) auf 79:80 verkürzen, doch der finale Dreipunktewurf seines Kollegen Bjarne Kraushaar (0) verfehlte das Ziel. Damit konnten die Frankfurter zum ersten Mal in dieser Saison drei Spiele in Serie gewinnen. In der Tabelle sind sie weiter Neunter mit zwei Punkten Rückstand auf den von Bamberg belegten Play-off-Platz acht. Gießen wechselte mit Vechta die Plätze und ist jetzt Tabellenletzter. Der rettende 16. Platz ist für die Mittelhessen schon sechs Punkte entfernt. Außerdem hat Weißenfels noch ein Spiel weniger ausgetragen. Während Gießen auf einem schmalen Grat wandelt, haben die Skyliners zum sportlichen Steigflug angesetzt.

          „In den vergangenen beiden Spielen haben wir eine gewisse Siegermentalität entwickelt, die uns geholfen hat, gegen Gießen in der Schlussphase ruhig zu bleiben“, sagte Skyliners-Trainer Sebastian Gleim. Ohne Ballverlust kam Frankfurt trotzdem nicht aus. Nachdem die Heimmannschaft durch einen Dreipunktewurf von Quantez Robertson, der auf insgesamt 16 Zähler kam, 77:74 in Führung gegangen war und Frankfurts Jon Axel Gudmundsson beim Verteidigen gegen Bryant gerade den Ball erobert hatte, gab Mobley diesen wieder leichtfertig aus den Händen.

          Der X-Faktor im Spiel der Frankfurter

          Das war an diesem Tag typisch für den aufgrund seiner Treffsicherheit wichtigen Ausnahmespieler im Angriff: Von den insgesamt 15 Ballverlusten der Skyliners – Gießen erlaubte sich 18 – gingen acht auf das Konto des Amerikaners. Mobley schwankte zwischen Genie und Wahnsinn. Neben seiner Wurfausbeute stach er auch mit sieben Vorlagen aus seiner Mannschaft heraus. Und seine vier Defensivrebounds konnten sich ebenfalls sehen lassen. Im positiven Sinne ist Mobley, der mit 19,4 Punkten pro Spiel der zweitbeste Werfer der Liga ist, der X-Faktor im Spiel der Frankfurter. „Am Ende haben die Frankfurter Schützen, die wir vor allem in der ersten Halbzeit gut verteidigt haben, schwere Würfe getroffen“, sagte der Gießener Trainer Rolf Scholz. Sein Lob an den Gegner bezog er auch auf den imponierenden Distanzwurf von Mobley zum 72:71 viereinhalb Minuten vor der Schlusssirene.

          Zur Halbzeitpause hatte sich Mobley mit nur einem im zweiten Viertel zum 18:22 erzielten Dreipunktewurf als Punktegarant noch stark zurückgehalten. Nur ist das nichts Neues: Oft kommt der Vorzeigeprofi mit seinen spektakulären Würfen erst hinten raus richtig in Fahrt. „Wir haben Mobley gewähren lassen“, sagte Bryant hinterher. Der 33 Jahre alte Center aus den Vereinigten Staaten wiederum war vor allem im ersten Viertel, in dem Gießen nach gut sechs Minuten 20:6 vorne lag, von den Frankfurtern nicht zu stoppen. 12 seiner 31 Punkte (Saisonbestleistung) gelangen dem 2,11 Meter großen Schwergewicht in diesem Abschnitt – und das, obwohl der Koloss beileibe nicht austrainiert ist.

          Zum Schluss hatte Bryant von sieben Dreipunktewürfen vier getroffen. Und mit neun Rebounds beanspruchte der längste Profi auf dem Feld auch die Lufthoheit in der spannenden Begegnung. „John hat heute vermutlich sein bestes Spiel der Saison abgeliefert“, sagte Gleim. Dessen Center Michael Kessens findet es „immer interessant, gegen John zu spielen. Gegen ihn zu verteidigen, ist schwer“. Im Vergleich zu Bryant misst der Deutsch-Schweizer nur 2,06 Meter. Sein Vorteil ist es, viel beweglicher und wendiger zu sein. Und so fand Kessens, der mit sechs Rebounds die Statistik seiner Mannschaft anführte, für sich die Lücken unter dem Gießener Korb. Seine Punkte zum 82:79 waren seine Zähler 13 und 14. Die Schlusssirene hörte sich für Kessens viel angenehmer an als der Ton der Alarmsirene, der durch Mark und Bein ging.

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