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Skyliners Frankfurt : Frankfurter Duracell-Dino

Quantez Robertson geht in seine 13. Saison bei den Fraport Skyliners. Bild: Picture-Alliance

Die Fraport Skyliners starten gegen Braunschweig und mit Quantez Robertson in die Saison. Er ist das Gesicht des Klubs, ein Aushängeschild der Liga – und hat noch lange nicht genug.

          3 Min.

          Zwischen dem Frankfurter Basketballtrainer Diego Ocampo und Quantez Robertson sitzt Skyliners-Sportmanager Marco Völler mit seiner stattlichen Größe von 1,98 Meter. Trotzdem spielen der Spanier Ocampo (1,78 Meter) und dessen 1,88 Meter großer Kapitän am Tisch verbal Doppelpass miteinander. Robertson beschreibt auf Nachfrage kurz, welchen Drill er im Training überhaupt nicht mag. Ocampo antwortet mit grinsendem Gesicht: „Dann machen wir das gleich im Training.“

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Mit Robertson sollte es sich der neue Headcoach nicht verscherzen, denn der 36 Jahre alte Amerikaner ist eine hochgeschätzte Institution im Frankfurter Basketball. Seit dem 30. September 2009 – Robertson war damals 24 Jahre alt – trägt der aus Cincinnati, Ohio, stammende Profi das Skyliners-Trikot. Seitdem hat der Familienvater in der Bundesliga beeindruckende 13.452 Minuten für seinen Arbeitgeber auf dem Feld gestanden.

          Nur der ebenfalls noch aktive Oldenburger Rickey Paulding (38 Jahre) und der 41 Jahre alte Immanuel McElroy (spielt jetzt zweite Liga in Jena) kommen auf mehr Spielzeit. Robertson ist mehr als nur das Gesicht des Frankfurter Basketballs. Er ist als Typ – einer seiner Spitznamen ist „Verteidigungsminister“ – auch zu einem Aushängeschild der Liga geworden. Skyliners-Geschäftsführer Gunnar Wöbke zählt ihn zu den „ganz großen Persönlichkeiten“. In der Saison 2015/2016 ist Robertson zum besten Erstliga-Verteidiger gewählt worden.

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          „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lange in Frankfurt bleibe“, sagte er vor dem Saisonauftakt am Sonntag (15 Uhr live bei MagentaSport) zu Hause gegen Braunschweig. Beinahe wäre Robertson, der es bisher auf 3960 Punkte, 2000 Rebounds und 513 Dreipunktewürfe gebracht hat, gar nicht an den Main gekommen. Der damalige Trainer Murat Didin erzählte stolz, dass der Amerikaner schon auf dem Weg zu einem anderen Verein gewesen sei, bevor er ihn zur Umkehr überreden konnte.

          Der vielseitige Aufbau- und Flügelspieler war vom Headcoach zunächst nur als Notlösung eingeplant und bekam einen Kurzzeitvertrag bis Ende Dezember 2009. Für viele Amerikaner bedeutet die Bundesliga nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zu noch besser dotierten Verträgen in Europa. Robertson, der um seinen Stellenwert bei den Skyliners weiß, aber stand nie wirklich vor dem Absprung, auch weil sich der Klub des Werts seines Vorzeigespielers bewusst ist und dessen Vergütung dementsprechend ausfällt.

          Noch lange kein Auslaufmodell

          „Ich fühle mich in Frankfurt wie zu Hause“, sagt Robertson. Bis zum Saisonende im Jahr 2023 läuft sein Vertrag, er wäre dann 38. Und womöglich bereit für einen neuen Job in der Skyliners-Administration, sofern er seine aktive Karriere beenden wird? „Mal schauen, wie die verantwortlichen Personen im Klub darüber denken.“ Robertson schmunzelt, als er das sagt.

          Der Methusalem im Dauerbetrieb geht jetzt in seine 13. Saison. Ein Auslaufmodell ist der Allrounder noch lange nicht. In der Vorsaison bekam er vom ehemaligen Trainer Sebastian Gleim pro Partie durchschnittlich knapp 33 Minuten Spielzeit, so viel wie kein anderer Akteur. Robertson bestritt alle 34 Rundenspiele. Zwar braucht er nach der Wettkampfpause im Sommer zu Beginn der Saison oft ein bisschen, bis er in die Gänge kommt.  Doch danach läuft die nimmermüde Allzweckwaffe wie immer auf Hochtouren.

          Kenner der Kniffe

          „Es ist unfassbar, was Tez für körperliche Grundvoraussetzungen mitbringt“, sagte sein ehemaliger Mitspieler Johannes Richter. Schon zu College-Zeiten beschrieb sich der robuste Small Forward Robertson als „tough and energetic“. An seiner Einstellung hat sich nichts geändert. Nur an Konstanz auf höchstem Niveau büßte der Amerikaner ein bisschen ein, was seinem Alter geschuldet ist. Seine Cleverness und Abgezocktheit hingegen konnte er sich bewahren.

          „Tez weiß vor allem, mit welchen kleinen Kniffen er auf dem Feld arbeitet und der gegnerischen Mannschaft das Leben schwer macht. Wenn er das Pick and Roll verteidigt, ist das die Hölle für jeden angreifenden Big Man“, berichtete Richter.

          Mit bisher 419 Einsätzen in der Bundesliga weist Robertson so viele Spiele wie kein anderer Skyliners-Profi auf. Nur fünf noch aktive Erstliga-Profis freuen sich über mehr Einsätze. Unangefochtener Spitzenreiter in der Statistik ist Robertson bei den Steals mit 663 geklauten Bällen.

          Seine Rekordjagd will der Duracell-Dino im neuen Spieljahr fortsetzen. „Ich gehe diese Saison ein wenig wie ein Vater für die Mannschaft an. Es ist definitiv das jüngste und schnellste Team, in dem ich bisher gespielt habe. Unsere Jungs sind voller Energie“, sagt Robertson. So gesehen, ist das Energiebündel der perfekte Anführer für die Skyliners.

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