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Marco Völler bei den Skyliners : Der Manager-Lehrling

  • -Aktualisiert am

Marco Völler arbeitet jetzt bei den Skyliners vom Schreibtisch aus Bild: Joachim Storch

Wie der Vater: Marco Völler arbeitet jetzt vom Schreibtisch aus. Sein Kampfgeist hilft dem ehemaligen Basketballprofi auch in der neuen Rolle bei den Skyliners.

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          Seit ein paar Tagen hat Marco Völler einen neuen Arbeitsplatz. Der ist nicht mehr auf dem Parkett, das für den 32 Jahre alten Basketballprofi immer noch die Welt bedeutet. Dass sein Schreibtisch nur knapp daneben, wenige Meter entfernt vom Spielfeld im Trainingszentrum des Basketball-Bundesligaklubs Fraport Skyliners steht, ist für Völler von Bedeutung. „Da sind die Wege am kürzesten“, sagt er. Und durch die große Glasscheibe kann er immer beobachten, was da draußen los ist. Der direkte Kontakt mit dem neuen Headcoach Diego Ocampo, der gleich nebenan sein Büro hat, den Spielern und den Kollegen aus der Geschäftsstelle in der Basketball City Mainhattan spielt für den Power Forward eine wichtige Rolle.

          Jüngst ist Völler auf den Posten des „Managers Sport“ bei den Skyliners gewechselt. Dort strebt er, genau wie sein Vater Rudi Völler es vor 25 Jahren beim Fußball-Bundesligaklub Bayer 04 Leverkusen getan hatte, eine Laufbahn abseits des Spielfeldes an. Über die Berufswahl hat sich Marco Völler, der Sportmanagement studiert hat, mit seinem Vater immer intensiv ausgetauscht. „Es gibt tatsächlich viele Schnittstellen mit meinem Vater“, sagt Völler. Eines habe er ihm aber schon lange vor seinem Wechsel an den Schreibtisch mit auf den Weg gegeben: „Spiele, solange du es kannst. Das ist die schönste Zeit im Leben.“

          Sicherlich auch deshalb nimmt Marco Völler noch nicht endgültig Abschied vom Leistungssport. In der Zweiten Bundesliga ProB wird er mit den Juniors der Skyliners weiter auf Punkt- und Korbjagd gehen. Dass er nun der Senior im jungen Team von Trainer Miran Cumurija ist, wird für seinen Job als Manager Sport durchaus förderlich sein. Denn die Pflege und die Entwicklung des sportlichen Nachwuchses ist bei den Skyliners schon immer von großer Bedeutung gewesen. Auch Headcoach Ocampo ist bekannt dafür, ein Händchen für Talente zu haben. Gunnar Wöbke, der Geschäftsführer der Skyliners, nennt den 44 Jahre alten Spanier einen „Top-Experten für die Arbeit mit jungen Spielern“. Völler kennt den Stellenwert der Talentpflege und sieht sich als Bindeglied zwischen dem Nachwuchsteam, dem Headcoach und dem Management. Wobei das nur ein Teil seines großen Tätigkeitsfelds sein wird.

          „Wir müssen erst noch sehen, was Marco alles machen wird“, sagt Wöbke. „Er hatte schon als Spieler die richtige Einstellung. Und da er auch Kapitän der Skyliners war, hatte ich ohnehin regelmäßig mit ihm zu tun und konnte sehen, wie er Dinge angeht.“

          Hineinstürzen ins Getümmel

          Völler wechselt zu einer Zeit an den Schreibtisch, in der der Job eines Managers Sport in die „Crunchtime“ geht. „Jetzt ist die heiße Phase“, sagt Völler, der „voll eingebunden“ ist in die Kaderplanung für die kommende Saison des Skyliners-Erstligateams. „Wäre ich irgendwann im Winter in den Job gewechselt, wäre es vermutlich etwas entspannter gewesen“, sagt er. Aber genau das ist ja sein Ding: sich hineinstürzen ins Getümmel, mit viel Energie wirbeln, als Kämpfer auftreten. „Das musste ich auf dem Basketballfeld auch immer, da ich im Vergleich zu vielen Spielern undersized, also kleiner war. Jetzt bin ich als Nachwuchsfunktionär auch so etwas wie undersized im Vergleich zu den erfahrenen Managern“, erklärt Völler. „Und das muss ich mit Einsatz ausgleichen.“

          Ein Filigrantechniker unter dem Korb war der Power Forward nie. Es hatte lange gedauert, bis ein Trainer die Talente des athletischen Kämpfers wirklich erkannte. Der Kanadier Gordon Herbert merkte 2017 nach dem Wechsel Völlers von den Gießen 46ers zu den Skyliners schnell, dass der Neuzugang ein Mann für die besonders intensiven Momente auf dem Feld war. Die Energie und der Kampfeswille, die von Völler ausgingen, waren beachtlich und überaus hilfreich, wenn es darauf ankam. Völler hatte eine schwierige Zeit hinter sich, nachdem er 2017 bei den 46ers eine dreimonatige Dopingsperre aufgebrummt bekam. „Ich hatte Glück, denn das war eine sehr milde Strafe“, sagt Völler, der die unerlaubten Substanzen wohl mit einem Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen hatte. „Da kommt man schon ins Grübeln. Bei einer Sperre von zwei Jahren wäre es das gewesen mit dem Basketball.“ So aber kam noch eine gute Zeit für das Kraftpaket Völler.

          Einer seiner großen Vorteile ist es, dass er nie ernsthaft verletzt war während seiner Karriere. „Ich bin immer noch topfit. Aber der Gedanke, dass meine Basketballkarriere ja nicht ewig dauern kann, war schon da“, sagt Völler. Ein Grübler, der sich lange das Gehirn über seine Zukunft zermartert hat, sei er aber nicht. „Und ich war auch keiner dieser smarten Jungs, die schon mit 18 Jahren wissen, was sie später einmal machen wollen.“ Aber eines sei für ihn immer klar gewesen: „Dass ich in der Branche bleiben werde.“

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