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Ärger bei Frankfurt Skyliners : Die größte Krise seit sieben Jahren

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Wollte es nicht wahrhaben: Joe Rahon und die Skyliners sind auch gegen Ludwigsburg unterlegen. Bild: Picture-Alliance

Von Fortschritt ist keine Spur: Bei den Frankfurtern wächst nach zuletzt teils desolaten Auftritten die Abstiegsgefahr. Was läuft schief beim Basketball-Bundesligaklub?

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          Nach der sechsten Niederlage in Serie befinden sich die Skyliners in ihrer größten Krise seit sieben Jahren. Gerade mal fünf Siege vermochten die Frankfurter in ihren 20 bisherigen Saisonspielen in der Basketball-Bundesliga zu erringen, damit befinden sie sich an der Schwelle zur zweiten Liga. Noch können die Hessen in ihrem Abwärtssog von Glück reden, dass auch der Siebzehnte Hamburg und der Sechzehnte Mitteldeutscher BC bisher noch schlechter abgeschnitten haben. Der Tabellenletzte und der Vorletzte liegen beide vier Punkte hinter den Skyliners, allerdings haben sie jeweils ein Spiel weniger ausgetragen, was den Druck auf die Frankfurter erhöht.

          Damals, in der Saison 2012/2013, konnten sich die Skyliners am letzten Spieltag der Hauptrunde retten – mit einem Heimsieg über Ludwigsburg im direkten Abstiegsduell. Am vergangenen Sonntag verschärften die Schwaben die Frankfurter Not, die sich beim 54:79 in einer desolaten Verfassung zeigten. Ludwigsburg steht in der Bundesliga auf Rang zwei, die Kräfteverhältnisse haben sich deutlich zuungunsten der Hessen verschoben.

          Ernst der Lage einigen nicht bewusst

          Vom nötigen Zusammenhalt im Abstiegskampf war bei der Verlierermannschaft nichts zu sehen. Auf ein Aufbäumen wartete der Großteil der knapp 4600 Zuschauer vergeblich. Selbst die Minimalanforderung, gegen den drohenden Abstieg anzukämpfen, blieben die Skyliners schuldig. Der Ernst der Lage scheint einigen Profis nicht bewusst zu sein. Aufbauspieler Akeem Vargas sagte hinterher: „Ich habe keine Abstiegsangst. Ich schaue in erster Linie nach vorne – dort, wo wir hinkommen wollten.“ Nur – die Play-offs sind längst in weiter Ferne, ein bisschen Realismus könnte nicht schaden. Cheftrainer Sebastian Gleim, dem die Enttäuschung über das Unvermögen seiner Mannschaft ins Gesicht geschrieben stand, betonte bei der Bestandsaufnahme dennoch, „dass alles noch völlig in unserer Hand ist“.

          Dem steht entgegen, dass den Frankfurtern in letzter Zeit vieles entglitten ist. Ihre Offensive ist mit 75,53 Punkten pro Spiel die mit Abstand schlechteste der Liga. Selbst dem Aufsteiger und Tabellenletzten Hamburg gelingen im Schnitt fast fünf Punkte mehr. Skyliners-Spielmacher Joe Rahon, der als Nachverpflichtung eine große Enttäuschung ist, schaffte es im Duell mit Ludwigsburg, in gut 22 Minuten Einsatzzeit keinen einzigen Punkt zu erzielen. Und die zehn Fehlversuche von der Freiwurflinie bei 17 Würfen passten ebenfalls in das bedenkliche Bild, das der Abstiegskandidat in dieser Runde abgibt. Kein Team trifft in dieser Disziplin schlechter. Von Fortschritt ist keine Spur bei den Skyliners.

          Deren junger Headcoach ist ein ins Detail verliebter akribischer Arbeiter mit größtmöglichem Ehrgeiz. Doch der 35 Jahre alte Gleim, und das wiegt womöglich schwer, ist auch ein Trainernovize in der Bundesliga, der in dieser Gewichtsklasse keinerlei Erfahrung im sportlichen Überlebenskampf hat. Gerade in dieser Situation braucht es aber viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Spielern, von denen viele unzufrieden sind oder, nicht minder schlimm, deren Psyche angeknackst ist. Spielmacher Lamont Jones, mit 17,1 Punkten pro Spiel der drittbeste Werfer der Liga, wollte sich auf Nachfrage nicht zu den Gründen der momentanen sportlichen Schieflage äußern. Das sei besser so, suggerierte sein Verhalten, denn seine Ehrlichkeit würde ihm am Ende nur schaden. Der Amerikaner sagte lediglich, dass „uns aktuell jeder schlagen“ könne. Das ist auch ein Statement mit Aussagekraft.

          Ankreiden lassen müssen sich die Skyliners außerdem ihre in großen Teilen verfehlte Personalpolitik. Mit Jones haben sie nur einen Spieler geholt, der die Erwartungen erfüllt. Ohne neue Multifunktionsarena hält Geschäftsführer Gunnar Wöbke die Investitionen ins Personal jedoch möglichst gering. Sich in der Übergangszeit irgendwie durchzumogeln ist aktuell der Frankfurter Ansatzpunkt. Auch damit hat Gleim zu kämpfen. Der Spielermarkt sei „kein Wunschkonzert, sondern ein Gelegenheitsmarkt“, sagte er am Sonntag. Es bieten sich aber nur in den seltensten Fällen Gelegenheiten für die Frankfurter, weil die Preisschilder an den meisten Spielern für sie viel zu hoch gegriffen sind. Matthew Mobley passt offenbar ins bescheidene Gehaltsgefüge. An diesem Samstag in Gießen soll der Shooting Guard im Skyliners-Trikot sein Debüt als fleißiger Punktesammler geben. „Das ist eine harte Saison für die Skyliners“, hatte er schon vor dem Misserfolg gegen Ludwigsburg gesagt.

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