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Kommunalpolitiker Siegler : „Der Spitzensport ist gefährdet“

Dieses Bild wird es dieses Jahr nicht geben: Patrick Lange vor der Frankfurter Skyline. Bild: Jana Mai

Die Situation belastet nicht nur den Profisport: Der Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler über Frankfurt in der Corona-Krise, die Gefahren für Vereine und die Multifunktionsarena-Pläne.

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          Ist der Status von Frankfurt als Sportstadt mit ihren vielen Profiklubs und ihren zahlreichen Spitzensportveranstaltungen wie dem Marathon, dem Triathlon oder dem Radrennen durch die Corona-Krise gefährdet?

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Nein. Das ist nach wie vor eines unserer wesentlichen Merkmale, dass wir Sportstadt sind – und das gilt sowohl für den Breiten- als auch für den Spitzensport. Diese Ziele werden wir jetzt bestimmt nicht aufgeben. Denn der Spitzensport mit der Eintracht und den anderen Profiklubs aus dem Eishockey, Basketball und Volleyball ist identitätsstiftend für die Stadt, weil die Veranstaltungen jeweils für ein gemeinsames Frankfurt-Erlebnis sorgen. Aber natürlich stehen jetzt alle vor einer großen finanziellen Herausforderung, die Spitzensport anbieten. Durch den Wegfall diverser Einnahmequellen ist der Spitzensport in seiner Struktur insgesamt wirtschaftlich gefährdet.

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          Befürchten Sie, dass es den einen oder anderen Frankfurter Profiklub in der neuen Saison nicht mehr geben könnte?

          Wirtschaftliche Probleme sind das eine, mögliche Insolvenzen aber das andere. Die spannende Frage wäre in einem solchen Fall, ob ein Verein danach wieder eine positive Perspektive vermitteln kann. Wir haben ja beim FSV Frankfurt mit dessen Insolvenz erlebt, wie schwierig es trotz eines wohlwollenden Umfelds war, wieder einigermaßen Fuß zu fassen. Wenn dann Einnahmemöglichkeiten nicht mehr vorhanden sind, weil Unternehmen bestimmte Werbemittel nicht mehr zur Verfügung stellen, und sich deren Strukturen geändert haben, dann wird es logischerweise auch einen kräftigen Durchschlag auf den Spitzensport geben.

          Wie schätzen Sie die aktuelle wirtschaftliche Gefährdungslage bei den Nicht-Fußball-Profiklubs in Frankfurt ein?

          Die fehlenden Play-off-Spiele und die weggebrochenen Zuschauereinnahmen werden ein Mega-Loch ins Budget der Löwen gerissen haben. Sie galten ja nicht unbedingt als ein Sportverein, der große Rücklagen auf dem Konto hat. Bei den Volleys kommt die Finanzierung hauptsächlich durch Mäzenatentum zustande. Und bei den Skyliners dürften die Gehälter im Vergleich höher sein. Würden im Basketball in dieser Saison keine Spiele mehr ausgetragen werden, drohen dem Klub ebenfalls enorme Verluste.

          Fraport ist Namensgeber der Skyliners. Ist es vorstellbar, dass der Basketball-Bundesliga-Verein seinen wichtigsten und in dieser Zeit wirtschaftlich heftig gebeutelten Sponsor verliert?

          In den Details bin ich nicht drin. Aber jedes Unternehmen hat sein Budget für Öffentlichkeitsarbeit, schließlich muss das jeweilige Produkt positiv besetzt sein. Und kein Unternehmen wird ohne Öffentlichkeitsarbeit und ohne ein positives Image nach draußen erfolgreich sein und die notwendige Akzeptanz in der Gesellschaft finden können. Fraport wird deshalb seinen Werbeetat niemals auf null herunterfahren können. Das wäre in einer Krise auch völlig unlogisch. Wo dann jedoch die Schwerpunkte bei der Öffentlichkeitsarbeit gesetzt werden, muss natürlich jedes Unternehmen für sich selbst entscheiden.

          Hat es Sie überrascht, dass die Deutsche Bank jetzt bei Eintracht Frankfurt eingestiegen ist?

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