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Frankfurt Boxer : Auf die harte Tour

  • -Aktualisiert am

Zerreißen für den Erfolg: Enad Licina. Bild: imago sportfotodienst

„Hatte Frankfurt am Main schon mal einen Boxweltmeister?“ Enad Licina stellt diese Frage und kann die Antwort darauf beeinflussen. Er kämpft nach Jahren der Arbeit um die WM.

          3 Min.

          Für Enad Licina soll keine Fahne in den Ring getragen und auch keine Hymne gespielt werden, wenn er am kommenden Samstag in Mülheim an der Ruhr gegen den amerikanischen IBF-Weltmeister im Cruisergewicht, Steve „USS“ Cunningham, um dessen Titel boxt. Der Status des Serben ist nämlich noch offen. „Ich hoffe, dass ich wie Marko Huck auch bald Deutscher werde. Die Einbürgerung läuft“, sagt der offizielle Herausforderer, der 1998 mit 19 Jahren als EM-Dritter der Junioren nach Frankfurt kam, der hier acht Jahre lebte und in der Bundesliga für den dreimaligen deutschen Meister CSC boxte.

          „Frankfurt ist meine Lieblingsstadt. Hier leben viele Freunde“, sagt der 31 Jahre alte Profiboxer, der zum Sauerland-Stall gehört und in Berlin-Marzahn von Karsten Röwer trainiert wird. Der einstige Manager und Vorsitzende des CSC, Horst Gauß, erinnert sich, dass der Halbschwergewichtler „unser Bester“ war, ehe der Sachsenhäuser Boxklub zugrunde ging. In der Bundesliga blieb der so Gelobte unbesiegt und wurde nebenbei Hessenmeister.

          Der falsche Boxstall

          Licina und der fünf Jahre jüngere Huck, der eigentlich Muamer Hukic heißt, haben viele Gemeinsamkeiten. Sie stammen beide aus derselben Gegend, der Sjenica-Ebene im Südwesten Serbiens, sahen sich dort als Bosniaken, ehe sie ihr Glück in Deutschland suchten. Huck boxte schon gegen Cunningham um die Weltmeisterschaft, verlor in seiner Wahlheimat Bielefeld in der zwölften Runde durch Technischen K.o., holte sich dann aber zwei Jahre später, also 2009, den WBO-Titel.

          Anders als sein Landsmann hatte Huck den richtigen Boxstall gefunden, nämlich „Sauerland Event“. Licina, der seinen Geburtsnamen behielt, unterschrieb hingegen bei „Universum Boxpromotion“ in Hamburg und musste sich auf einem weitaus steinigeren Weg nach oben boxen. „Bei Universum habe ich vier Kämpfe bestritten“, erzählt Licina. „Als ich den vierten verlor, haben sie mich rausgeschmissen.“ Das war 2005, noch im selben Jahr seines Debüts als Profi.

          Wanderung durch die deutschen Trainingszentren

          Der Rausgeschmissene verdingte sich fortan jahrelang bei Sauerland in Berlin – als Sparringspartner von Weltmeister Arthur Abraham und Huck. „Ich bin besser als Marco“, fand er schon damals heraus. „Ich hatte nie einen besseren Sparringspartner für meine Jungs“, schwärmt Meistertrainer Uli Wegner noch heute. Licina wollte wie Huck auch um die Weltmeisterschaft kämpfen. Huck wurde dank guten Managements zweimal die Chance verschafft, Licina musste sie sich erkämpfen. In einer offiziellen IBF-Endausscheidung besiegte er am 13. November vergangenen Jahres in Manchester den Amerikaner Felix Cora nach Punkten – ein Sieg, der wahrscheinlich seine Profikarriere rettete.

          Auf seiner Wanderung durch die deutschen Trainingszentren versetzte ihn das Sauerland-Management nach Frankfurt an der Oder zu Manfred Wolke, dem einstigen Erfolgstrainer Henry Maskes. „Ich hatte genügend Leute zu betreuen und wollte mich nicht auch noch um Enads Karriere kümmern“, sagt Wegner. Wolke aber hatte keine Kämpfer mehr. Es kam zum Stallduell Wolke gegen Wegner, Licina gegen Yoan Pablo Hernandez. Wolkes letzter Mann verlor wegen ungewohnt schwacher Kondition über zwölf Runden nach Punkten.

          „Ich werde mich zerreißen, um diese einmalige Chance zu nutzen.“

          Jetzt, bei Karsten Röwer, sei er „in der besten Form meines Lebens“, sagt Licina, der es in knapp sechs Profijahren auf gerade einmal 19 Kämpfe, darunter zwei Niederlagen, gebracht hat. „Ich bin sehr froh, dass ich bei Herrn Röwer untergekommen bin“, sagt er dankbar. „Er ist der beste Trainer, den ich je hatte.“ Röwer hat auch Sebastian Sylvester zum Weltmeister gemacht. Der Herausforderer Licina gilt dennoch als Außenseiter gegen den routinierten, 34 Jahre alten Amerikaner, der ebenfalls neuerdings zum Sauerland-Team gehört. Also abermals ein Stallkampf für Licina. „Enad hat Fortschritte gemacht, ist variabler und beweglicher geworden. Aber es wird sehr schwer, Cunningham zu besiegen“, sagt Röwer. „Cunningham ist der stärkste Cruisergewichtler der Welt. Und auch immer noch stärker als Huck.“

          Erst seit letzten Herbst, vor der Endausscheidung gegen Cora, hat Röwer als dessen vierter Profitrainer Enad Licina in seiner Obhut. Nach harten, schwierigen Jahren gibt sich der frühere Frankfurter wild entschlossen: „Ich bin ein Kämpfer mit Herz. Ich werde mich zerreißen, um diese einmalige Chance zu nutzen.“ Schelmisch fragt Enad Licina: „Hatte Frankfurt am Main schon mal einen Boxweltmeister?“

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