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Footballklub Frankfurt Universe : Raus aus der Schutzzone

  • -Aktualisiert am

„Ziemlich hart“: Sein Debüt hat sich Glen Cuiellette anders vorgestellt. Bild: Imago

Nach der Neugründung von Frankfurt Galaxy in der European League of Football hat Frankfurt Universe in der German Football League einen schweren Stand. Quarterback Cuiellette soll das Team nun anführen.

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          Begeisterung sieht sicherlich anders aus. Als Glen Cuiellette zum Interview an den Spielfeldrand kommt, wirkt der 26 Jahre alte Amerikaner ernst, aber gefasst. 12:42 hat Frankfurt Universe gerade gegen die Marburg Mercenaries verloren. Die Musik dröhnt noch von den fast leeren Rängen des Stadions am Bornheimer Hang, wo 312 Fans das Spiel der German Football League (GFL) gesehen haben.

          Für Universe ist es die vierte Niederlage im vierten Spiel dieser Saison, die noch schwer werden wird für die Frankfurter. Für Cuiellette war es die erste Partie mit seinem neuen Klub. Der Quarterback war erst am Montag zuvor aus New Orleans eingeflogen. Drei Trainingseinheiten hatte er mit seiner neuen Mannschaft absolvieren können – die erste davon noch mit einem Jetlag, der ihn nach der Zeitverschiebung plagte. „Das war schon ziemlich hart“, sagt er.

          Immerhin war Cuiellette vorbereitet auf das, was ihn in seinem ersten Auftritt mit Universe erwartete. Der Schutzwall, der ihn gegen die Marburger Verteidiger umgab, war zuweilen brüchig. Immer wieder drangen die Männer der Mercenaries-Defense zu ihm durch. Cuiellette profitiert in solchen Momenten von seiner Athletik und Schnelligkeit. Als slalomtauglicher Football-Sprinter bewegt er sich gerne außerhalb der sogenannten Pocket, die die Männer der Angriffslinie für ihn bilden. „Ich verlasse eigentlich ganz gerne meine Schutzzone“, erklärt er. „Dann kann ich selbst aktiv werden, die Jungs anführen und auch mit Worten aktiv werden.“

          Seine Beweglichkeit und sein Reaktionstempo hat Cuiellette bei seinem letzten Job verbessert. Noch im Mai spielte er für die Bismarck Bucks in der amerikanischen Indoor Football League. In Deutschland war er schon zuvor als Spieler in der GFL aktiv. 2019 stand er im Team der Dresden Monarchs, die ihn als Ersatzmann für Spielmacher Zack Greenlee verpflichtet hatten. Unter Cuiellettes Führung kamen die Sachsen bis ins Halbfinale, wo sie gegen die Schwäbisch Hall Unicorns ausschieden.

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          Zwischen seinen Football-Jobs war Cuiellette in seiner Heimat, wo er das Footballspielen in New Orleans an der Universität von Tulane gelernt hat. In der Zeit, in der die deutsche Liga aufgrund der Corona-Pandemie pausierte, hatte er im Betrieb seiner Eltern geholfen. „Wir vermitteln zuhause Arbeitskräfte“, sagt er, „und nebenbei habe ich mich mit Training fit gehalten.“

          Der Job in der Indoor-League führte ihn zu den Bismarck Bucks in die Hauptstadt des Bundesstaates North Dakota. „Ich habe die Liga-Statistik bei den Touchdowns angeführt“, sagt er. Als das Angebot aus Deutschland kam, hatte er dann zugegriffen und das zwischen den Rocky Mountains und der kanadischen Grenze im weiten, flachen Land gelegene Bismarck verlassen. Und Frankfurt sei ohnehin schon immer einer seiner Favoriten gewesen. „Ich hatte als Kind dieses Computerspiel Madden, da waren auch die Teams der NFL Europe drauf. Seitdem wollte ich für Frankfurt spielen.“

          Nun ist er tatsächlich in Frankfurt – und spielt dort für einen Außenseiter der GFL. Alle erstklassigen Kräfte waren vor dieser Saison zu Frankfurt Galaxy gewechselt, um in der European League of Football (ELF) auf Punktejagd zu gehen. Er habe auch Angebote aus der ELF bekommen, sagt Cuiellette. „Aber ich bin bei solchen neuen Projekten eher skeptisch.“

          Dabei weist er auf die Alliance of American Football hin, die 2019 im Februar nach dem Super Bowl in den Vereinigten Staaten an den Start ging und im April wieder aufgelöst wurde. „Man fällt sehr tief, wenn man mit so etwas scheitert“, sagt Cuiellette. Jetzt für den Letzten der GFL-Gruppe Süd zu spielen, sieht er mit plakativem Optimismus. „Das ist eine Herausforderung. Wir werden mehr Qualität brauchen, um weiter nach oben zu kommen.“

          Inzwischen ist die Musik im Stadion verstummt. Draußen auf dem Vorplatz macht der Wurstbrater seinen Anhänger zur Abfahrt fertig. „Nein, das hat sich nicht gelohnt heute“, sagt Cuiellette und lächelt. „Aber wir sind ja alle froh, überhaupt wieder etwas tun zu können.“ Die Männer von Universe werden das ganz ähnlich sehen.

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