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Frankfurt Universe : „Er könnte der beste Quarterback in Europa werden“

  • -Aktualisiert am

Tragende Rolle: Moritz Johannknecht hat die verantwortungsvollste Position eines Football-Teams. Bild: Imago

Er will einfach nur spielen: Moritz Johannknecht gilt als eines der größten europäischen Football-Talente auf der Position des Quarterback. Doch die Pandemie zwingt ihn zur Geduld.

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          Er gilt als große Hoffnung im deutschen Football: Moritz Johannknecht, der Back-up-Quarterback des American-Footballklubs Frankfurt Universe. Deutsche Spieler sind auf der Schlüsselposition im Angriff auch in der German Football League (GFL) eine Ausnahmeerscheinung. Denn die Spielmacher kommen meist als sogenannte „Imports“ aus dem Mutterland der Sportart. Selbst die Position des Ersatzmannes für den Quarterback ist meist mit einem amerikanischen Spieler besetzt. Nicht so in Frankfurt. Hier ist Johannknecht am Zug. Hinter Steven Cluley ist er der Mann, auf den Cheftrainer Thomas Köslig vertraut. „Moritz ist ein großes, großes Talent“, sagt der Headcoach. „Und er hatte in der vergangenen Saison die größten Spielanteile eines Deutschen auf dieser Position.“

          Das Jahr 2020 hätte seine Saison bringen können. Doch Johannknecht hat keine Zeit zu hadern. Dass Frankfurt Universe sich schon früh entschieden hatte, auch nicht in eine wegen der Corona-Pandemie verkürzte Spielzeit in der GFL zu starten, kann der 21 Jahre alte Spielmacher verstehen. Auch wenn sich ihm die Chance geboten hätte, Starting Quarterback des Frankfurter Footballklubs zu werden, da es in Frankfurt vermutlich eine Saison ohne Spieler aus Amerika geworden wäre. „Ich stehe komplett hinter der Entscheidung des Klubs“, sagt Johannknecht. Der Student des Wirtschaftsingenieurwesens mit Fachrichtung Bauingenieur konzentriert sich nun auf die Klausuren an der Technischen Universität Darmstadt. „August bis Oktober habe ich quasi andauernd Prüfungen.“

          Keine Selbstverständlichkeit

          Der Studienplatz an der TU war 2019 ein starkes Argument, den Dolphins in Paderborn adieu zu sagen und der Empfehlung von Max Siemssen an den Main zu folgen. Auch der Kicker und Widereceiver hatte zuvor für die Dolphins gespielt und war 2018 nach Frankfurt gekommen. Johannknecht hatte seinen anstehenden studienbedingten Wechsel ins Hessische schon früh angekündigt, so dass es ein harmonischer Abschied wurde. „Das erste Lob“, sagt Universe-Headcoach Kösling, „gilt den Dolphins.“ Einen so gut ausgebildeten, talentierten Spielmacher zu bekommen sei keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

          Johannknecht hat zumindest einen Teil seines Könnens auch in Amerika erworben. Dort schloss er sich 2016 über eine Agentur dem Highschool-Team der Creston Panthers im amerikanischen Bundesstaat Iowa an und wurde dort Starting Quarterback. Was für einen jungen Deutschen schon ein gewaltiger Sprung ist, trainieren doch die amerikanischen Teamkollegen meist schon seit Kindesbeinen an mit dem Lederei. Und Johannknecht hatte Tennis gespielt, bevor er als Teenager zum Football kam. 2017 sollte sein „coolstes Jahr“ werden, erzählt der Paderborner. Sowohl mit den Panthers an der Highschool als auch mit dem Junioren-Nationalteam bei der WM in Paris stand er im Halbfinale. Im Internet kann man seine stärksten Szenen mit den Panthers bewundern. Johannknechts Pässe sind lang und von großer Präzision. Er verfügt über das, was Footballtrainer gerne einen „starken Arm“ nennen. Zudem ist der 1,88 Meter große, 91 Kilogramm schwere Athlet beweglich, nutzt den Raum in der „Pocket“ seiner Schutzspieler, wirft auch schon mal aus dem Lauf oder trägt den Ball selbst nach vorne.

          „Moritz hat den vollen Zugriff auf die Offense“, sagt Universe-Headcoach Kösling. Die nötige Gelassenheit vor Angriffen der gegnerischen Verteidiger hat sich Johannknecht in seinen Anfangsjahren bei den Dolphins erworben, als er selbst als Linebacker auf die Jagd auf die balltragenden Spieler ging. Dass seine großen Spielanteile, die ihm die Teamleitung in Frankfurt gewährt, auch verstanden und geschätzt werden, ist für den jungen Quarterback eine der Qualitäten seines Jobs bei Universe. Und mit Cluley hat er einen erfahrenen Mann vor sich, der gleichzeitig Vorbild ist und ihn fördert. „Steven hat immer komplett akzeptiert, dass ich so viel spiele“, sagt Johannknecht. Die besten Gründe dafür liefert er dabei selbst. „Moritz spielt mit Freude Football“, sagt Kösling. „Unbeschwert“, das sei das passende Wort für seinen Stil auf dem Rasen. „Er will einfach nur spielen.“

          Ihn im Team zu haben gibt Kösling die Chance, auf einen zweiten starken Spielmacher zurückzugreifen. „Die Rolle des Back-up-Quarterbacks wird gerne unterschätzt“, sagt der Frankfurter Headcoach, der Johannknecht bald den nächsten Schritt zutraut. „Er könnte mit Abstand der beste Quarterback in Europa werden – wenn er nur Geduld hat“, sagt Kösling. „Die Gelegenheit dazu wird kommen.“

          Was deutschen Talenten wie Johannknecht derzeit verwehrt bleibt, sind internationale Einsätze im Nationalteam. Derzeit kann der American Football Verband Deutschland (AFVD) weder ein Männer-Nationalteam noch ein Juniorenteam stellen. Gründe sind undurchsichtige Spannungen zwischen dem Weltverband und dem unter der Führung von Robert Huber stehenden AFVD. „Das ist eine Riesenchance, die diesen jungen Leuten einfach verwehrt wird“, sagt Kösling. „So ein Verband muss doch in der Lage sein, Nationalteams spielen zu lassen.“ Nun warten Johannknecht und Universe darauf, dass in der Saison 2021 wieder Erstligafootball gespielt werden kann. Die Zeit bis dahin wird das Team mit ausgedehntem Athletiktraining nutzen, um so fit wie noch nie in eine Spielzeit starten zu können, auf die die Klubs der GFL so sehr hoffen.

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