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Neue Liga, neues Team : Football-Brennpunkt Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Voller Tatendrang in eine neue Saison – und in welchem Stadion überhaupt? Universe steht vor ungewissen Zeiten. Bild: Imago

Zwei hochklassig spielende Mannschaften in einer Stadt? Frankfurt Universe droht Ungemach – wieder einmal. Es herrscht Bewegung im deutschen und europäischen Football.

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          Es rumort wieder einmal im Frankfurter Football-Universum. Nach den überaus bewegten Zeiten mit überstandener Insolvenz, der wirtschaftlichen Rettung des American Football-Erstligaklubs und dem Saison-Aus wegen der Corona-Pandemie geht es für Frankfurt Universe in einem wilden Schlingerkurs weiter. Wieder droht der Mannschaft in der German Football League (GFL) Ungemach. Was vor allem daran liegt, dass in Frankfurt ein zweiter Klub gegründet wurde, der unter noch unbekanntem Namen in der European League of Football (ELF) antreten soll.

          Zwei hochklassig spielende Football-Teams in Frankfurt – die Frage, ob dies zumindest theoretisch möglich wäre, bereitet den Protagonisten von Universe Kopfzerbrechen. Kann der Klub mit der neuen, international antretenden Mannschaft in einer Art Football-Parallelgesellschaft existieren? Daniel Zeidler, der Geschäftsführer von Universe, hält sie für fast ausgeschlossen: „Eigentlich kannst du in Frankfurt keine zwei Projekte auf diesem Level nebeneinander betreiben.“

          Aus eins mach zwei

          Das neue Frankfurter Team in der jüngst vom Hamburger Patrick Esume gegründeten Liga ELF arbeitet nach dem Motto: aus eins mach zwei. Treibende Kraft ist der ehemalige Geschäftsführer und Mäzen von Universe, Alexander Korosek. Der Luftfahrtunternehmer hat sich komplett vom GFL-Klub zurückgezogen und widmet sich und seine Wirtschaftskraft ganz und gar dem neuen Verein in der ELF. Was wiederum bedeutet: Universe verliert mit ihm nicht nur einen Macher im Management, sondern auch eine wichtige Quelle für den Etat des Klubs in der ersten Liga. Dies zu kompensieren, wird schwierig. „Die Sponsoren gehen dahin, wo sie die Möglichkeit haben, sich zu präsentieren“, sagt Zeidler.

          Richtig kompliziert wird es für den Frankfurter Erstligaklub beim Blick auf die Mannschaft. Korosek hat einen großen Teil des in der Saison 2019 (die Spielzeit 2020 war aufgrund der Pandemie ausgefallen) noch recht erfolgreich spielenden Kaders samt Trainerstab für sein ELF-Projekt gewinnen können. Mit Thomas Kösling schien Universe nach zwei Trainerwechseln (Markus Grahn, Brian Caler) endlich einen Headcoach mit einer vielversprechenden Perspektive gefunden zu haben. Nun steht der Klub ganz ohne da. „Die ELF hat quasi das gesamte Team und den Trainerstab mitgenommen“, sagt Zeidler. Alles, was erstligatauglich sei, schließe sich dem Projekt von Korosek an.

          Bei den Fans trifft die durch das ELF-Team verursachte Abspaltung auf ein geteiltes Echo. Alexander Landsiedel, der Vorstand des Gesamtvereins, beobachtet die Reaktionen der 600 Mitglieder und der Fanschar genau. „Es gibt drei Lager“, sagt er. „Die einen sagen: Das ist doch toll. Je mehr Football, desto besser. Die anderen fordern, das GFL-Team ganz vom Verein anzukoppeln. Die dritten raten dazu, erst einmal abzuwarten und zu sehen, was mit dem neuen Frankfurter Team wirklich passiert.“ Die Situation des Vereins mit seinen drei Jugend-, einem Flagfootball-, zwei Cheerleader- und dem GFL-Team sei zwar schwierig, sagt Landsiedel. „Aber eine große Austrittswelle oder derartiges gibt es im Moment nicht. Noch stehen wir zusammen.“

          Wie schwierig die Situation ist, zeigt die noch unbeantwortete Frage: Wo wird Universe spielen? Im Stadion am Bornheimer Hang müssten sich drei Vereine, der FSV Frankfurt in der Fußball-Regionalliga Südwest, Frankfurt Universe in der GFL und der neue Klub in der ELF die Termine teilen. Was vermutlich nicht praktikabel ist und schon alleine an der Frage der Stadionmiete scheitern würde, sagt Zeidler. Nun muss sich Universe umsehen nach alternativen Möglichkeiten. Im Rüsselsheimer Stadion am Sommerdamm hat der Klub schon gespielt, ein Kandidat wäre auch das Herbert-Dröse-Stadion in Hanau, eine im Football bekannte und erprobte Spielstätte. Zeidler nennt noch das Stadion am Brentanobad. „Es gibt bei uns kein Denkverbot“, sagt Landsiedel, der sich mit Zeidler den Job der Steuerung des Vereines und der Erstligamannschaft teilt.

          Da die Stadionfrage auch essentiell für die Erteilung einer Spiellizenz durch die GFL ist, läuft den Frankfurtern die Zeit weg. „Normalerweise schickt uns die GFL im Laufe des Januars einen vorläufigen Terminplan“, sagt Landsiedel. „Aber wenn man kein Stadion hat, kann man auch keine Termine einreichen. Der Druck ist also da.“ Auch über eine Trainingsstätte verfügt das GFL-Team derzeit nicht. Der Klub sucht, um Kosten zu sparen, nach einer preisgünstigen Möglichkeit. „Es ist möglich, dass wir, was die Liga betrifft, ein, zwei Schritte zurückgehen müssen“, sagt Zeidler „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir nicht mehr in der GFL spielen, ist da“, sagt Landsiedel, „aber so schnell ergeben wir uns nicht.“

          Engel hilft beim German Bowl

          Tilman Engel wird Mitglied des vom American Football Verband Deutschland (AFVD) neu gegründeten Beirates für den German Bowl, dem Endspiel der German Football League (GFL). Dies teilte der AFVD am Mittwoch mit. Der 56 Jahre alte Frankfurter war an der Organisation mehrerer American Bowls (NFL-Vorbereitungsspiele in Berlin) beteiligt. Von 1991 war er für den Profiklub Frankfurt Galaxy tätig, von 1998 bis zur Auflösung der NFL Europe 2007 als Hauptverantwortlicher des erfolgreichsten Klubs der Liga. Der German Bowl wurde 2019 vor einer respektablen Zahl von 20.000 Zuschauern in der Frankfurter WM-Arena ausgetragen. In diesem Jahr fielen das Spiel sowie die gesamte Saison der GFL wegen der Corona-Pandemie aus. Das Finale soll in den kommenden zehn Jahren in Frankfurt ausgetragen werden. „Durch die langjährige Planungssicherheit können wir gemeinsam eine Veranstaltung weiter entwickeln, die als Jahresevent fest im Sportkalender verankert ist“, sagte Engel. (leo.)

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