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FFC Frankfurt : Der Traum vom Double

Den Pokal haben sie schon: Trainer Colin Bell und lauter freudige Frankfurter Fußballspielerinnen Bild: dpa

Im Endspiel um den Meistertitel genügt den Fußballfrauen des FFC Frankfurt schon ein Unentschieden beim Champions-League-Sieger VfL Wolfsburg.

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          Ein Punkt fehlt zum Titel. Ein Unentschieden am Ende einer ganzen Spielzeit in der Frauenfußball-Bundesliga würde dem FFC Frankfurt schon den Gewinn der achten deutschen Meisterschaft bescheren, auf die der Klub seit dem bislang letzten Triumph im Jahr 2008 wartet. Dumm an der Rechnung ist nur, dass das Team um Spielführerin Kerstin Garefrekes und das letztmals im FFC-Trikot spielende ehemalige Glamourgirl Lira Alushi diesen einen Zähler ausgerechnet in Wolfsburg (Sonntag, 14 Uhr/ live im HR-Fernsehen) ergattern muss, beim direkten Konkurrenten um den Titel.

          Der Champions-League-Sieger aus Niedersachsen liegt als Tabellenzweiter mit einem Punkt Rückstand in Lauerstellung hinter dem FFC auf Rang zwei und möchte den Vorjahrestitel im Heimspiel mit einem Sieg verteidigen. Spannender könnte die Saison im deutschen Frauenfußball nicht enden als mit diesem Kräftemessen zwischen dem erfolgreichsten deutschen Frauenfußballverein und aktuellen Pokalsieger aus Frankfurt und dem derzeit in Europa führenden Champions-League-Sieger aus Wolfsburg. „Ich finde die Konstellation auch für uns besser, als wenn wir nun bei irgendeinem Team aus dem Mittelfeld spielen würden“, sagt Trainer Colin Bell. „Dann würden wir vielleicht Probleme mit den Nerven haben, weil dann alle von einem Sieg ausgehen. So weiß jede Spielerin, um was es geht.“

          Unvergessliches Spiel gegen Potsdam

          Womöglich werden den Akteurinnen bis zum Anstoß am Sonntagnachmittag auch noch zwei Szenarien aus der Vergangenheit des Klubs vor Augen geführt, die am Sonntag zum Erfolg reichen würden – aber Freunden torreicher Fußballspiele nicht gerade gefallen dürften: Im Juni 2003 wehrten die Vorgängerinnen der heutigen FFC-Generation einmal in einer sehr vergleichbaren Konstellation den Angriff von Turbine Potsdam auf die Vormachtstellung im deutschen Frauenfußball ab. Der FFC war damals am letzten Spieltag mit zwei Zählern Vorsprung nach Brandenburg gereist und rettete in einer Abwehrschlacht ein torloses Unentschieden und die Tabellenführung über die Zeit. Somit war der Titel zum vierten Mal errungen.

          „Das war eines der wenigen Spiele, an die ich mich immer erinnern werde“, sagt Nia Künzer, die sich damals als Innenverteidigerin in der Schlussphase auch noch eine Platzwunde eingehandelt hatte. „Das war eine sehr besondere Atmosphäre. Potsdam war vielleicht besser als wir. Aber wir haben das mit Teamgeist über die Runden gebracht. Das war mit der anschließenden Feier eine prägende Erfahrung für uns als Team und auch als Verein.“ Nia Künzer misst dem Erfolg im Rückblick sogar sehr positiven Einfluss auf den folgenden WM-Sieg mit der deutschen Nationalmannschaft zu, bei dem die Frankfurter Nationalspielerinnen maßgeblichen Anteil hatten.

          Die gleiche Aufstellung wie in Hinrunde

          Deutlich näher an der Gegenwart liegt derweil eine andere Vorlage für den Showdown. Im Bundesliga-Hinspiel in Frankfurt im Februar verteidigte der FFC die Tabellenführung ebenfalls mittels eines torlosen Unentschiedens gegen den VfL Wolfsburg in einer vergleichbaren Situation. Damals wie heute war Innenverteidigerin und Führungsspielerin Saskia Bartusiak, die in dieser Woche nach ihrem Kreuzbandriss im Spiel gegen Potsdam am vergangenen Sonntag erfolgreich operiert wurde, kurzfristig ausgefallen. Der FFC ging entsprechend mit Personalsorgen in der Verteidigung ins Spiel gegen den Titelverteidiger. Und er erwehrte sich des spielstärkeren Gegners mit einer Notabwehr, in der Simone Laudehr als Innenverteidigerin agierte. „Es ist kein Geheimnis, dass wir nun wieder in dieser Aufstellung spielen werden“, sagt Bell. „Aber wir haben fast die gesamte Rückrunde so spielen müssen und sind deshalb besser eingespielt als damals.“ Die Stürmerin Ana-Maria Crnogorcevic wird also wieder für Simone Laudehr als Linksverteidigerin aushelfen. Fraglich dürfte nur noch sein, ob Celia Sasic nach ihrer Verletzungspause und ihrem Kurzeinsatz am vergangenen Sonntag schon wieder von Beginn an spielen kann.

          Die Vorfreude auf das Endspiel um die Meisterschaft schmälert die Sorgen indes nicht. Die Konstellation ist denkbar günstig, da sich der FFC mit dem 2:1-Sieg gegen Potsdam schon vorzeitig die Teilnahme an der Champions League und durch den Pokalsieg vor drei Wochen auch schon den angestrebten Titel gesichert hatte. „Deshalb freuen wir uns uneingeschränkt auf dieses Spiel“, sagt Bell. „Solche Spiele sind doch das, wofür wir ein ganzes Jahr lang trainieren. Solch ein Spiel will man einfach gewinnen.“ Oder eben unentschieden spielen. Denn ein Punkt genügt ja schließlich zum großen Glück und für den Traum vom Double.

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