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Werth und Don Johnson : „Ich trage ihn tief in meinem Herzen“

  • -Aktualisiert am

Verdiente Rente: Don Johnson mit Reiterin Isabell Werth (Foto von 2018) Bild: Imago

Beim Frankfurter Festhallen Reitturnier endet nach 14 Jahren die Karriere eines Pferdes, das der weltbesten Dressurreiterin ausgesprochen ans Herz gewachsen ist. Isabell Werth erklärt, was an Don Johnson so besonders ist.

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          Friede im Stall? Klingt weihnachtlich. Isabell Werth hörte sich am Freitag nach ihrem Sieg im Grand Prix de Dressage so an, als habe die Bescherung bereits stattgefunden. Ihr Geschenk beim Frankfurter Festhallen Reitturnier? „Ich hatte mit Platz drei oder vier gerechnet.“ Als Paar befinden sie sich im Zielbogen, nur Don Johnson weiß es noch nicht. An diesem Sonntag, mit der Grand-Prix-Kür, endet nach 14 Jahren der Zusammenarbeit die Karriere eines Pferdes, dass der weltbesten Dressurreiterin ausgesprochen ans Herz gewachsen ist: „Ich trage ihn tief in meinem Herzen“, gestand sie und begründete auch, warum: „Er war quasi der Wasserträger in meinem Stall. Wenn andere von meinen Spitzenpferden krank oder verletzt waren, hielt ich mich mit ihm noch immer im A-Kader.“ Da sei was zusammengewachsen „wie bei einem älteren Ehepaar“.

          Selbst für die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt hat es nicht nur lichte Tage gegeben. Als 2015 der Befund nach erfolgter Doping-Kontrolle ihres Pferdes El Santo positiv ausfiel, dauerte es Monate, bis die Juristin vom Fachverband rehabilitiert wurde. Was war passiert? Ihr Wallach hatte den Wirkstoff Cimetidin intus. In der Box nebenan war der Wallach „Warum Nicht“ wegen eines Beckenbruchs mit entsprechendem Medikament versorgt worden. Die gemeinsame Tränke wurde zur Falle. „Warum Nicht“ befand sich in der Rehabilitation, durfte Cimetidin schlucken.

          Schwerwiegender waren die Konsequenzen für den Neu-Isenburger Fahrsportler Michael Freund. Ihm wurde der WM-Titel im Gespannfahren aberkannt, nachdem sich im Blut eines seiner vier Rösser Spuren von verbotenen Substanzen gefunden hatten. Wie sich später herausstellte, hatten die Veranstalter sein Pferd dort grasen lassen, wo es Pflanzen gab, die eine Substanz enthielt, die auf dem Index der Internationalen Reiterlichen Vereinigung steht. Einer der prominentesten Fälle war der Schweizer Steve Guerdat, bei dessen Pferden in La Baule die Doping-Substanzen Codein und Morphin, beides enthalten in Schlafmohnsamen, gefunden worden. Die Pferde blieben drei Monate gesperrt. Erst als nach Recherchen beim Futtermittelhersteller Guerdats Unschuld feststand, wurde er rehabilitiert. Aber da war die EM in Aachen schon vorbei, alle Kosten musste er selbst tragen, der Sieg im Großen Preis von La Baule bleib aberkannt, eine automatische Konsequenz – das Pferd hatte ja die verbotene Substanz im Körper.

          Die Leistungssportler der Reiter in allen Disziplinen, unter denen es gewiss auch schwarze Schafe gibt, sind alarmiert. Der Internationale Springreiterclub (IJRC), eine global agierende Interessengruppe fordert von Turnierveranstaltern verbindliche Maßnahmen, damit sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden für Verstöße, die sich nicht zu verantworten haben. „Die Forderungen kann ich nachvollziehen, kann ich sogar unterstreichen“, sagt Joachim Geilfus, Chefrichter Springen beim Festhallenturnier, weltweit unterwegs, um bei Turnieren nach dem Rechten zu sehen. In Deutschland, zumal in Frankfurt, fänden die Aktiven die Bedingungen vor, die sie generell nur allzu gern erfüllt sähen, sagt Geilfus: Boxen, die desinfiziert werden, bevor ein Pferd eingestellt wird.

          Nur ein autorisierter Personenkreis habe Zugang zum Stallbereich. Eine Hundertschaft an Security-Leuten wacht rund um die Uhr über die Sicherheit im Stall. Die Forderung der IJRC, Hunde nicht in den Stall zu lassen, damit das Heu nicht verunreinigt werde, quittiert Geilfus, auch Vorsitzender der Deutschen Richtervereinigung, mit einem Schmunzeln. Es seien doch die Aktiven, die ihren ständigen Begleiter dabeihaben wollten. „Der Sicherheitsstandard in Frankfurt ist hoch, zumal der Veranstalter mit der Familie Linsenhoff/Rath pferdeaffin ist, die wissen, was notwendig ist.“ Die Adressaten der IJRC seien eher in anderen Zeitzonen und Kulturen zu finden als hierzulande. Der Reiter als „verantwortliche Person“ ist und bleibt der Eckpfeiler im Doping-Kontrollsystem.

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