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Fabian Hambüchen : Im internationalen Ruhestand

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Hoch auf dem gelben Wagen: Vater Hambüchen chauffiert seinen Sohn Fabian über die Berliner Ehrenrunde. Bild: dpa

Fabian Hambüchen, der Olympiasieger am Reck von Rio de Janeiro, nimmt beim Turnfest in Berlin unter dem Jubel seiner Anhänger Abschied von der großen Bühne.

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          Es war ein rasanter Abgang, den Fabian Hambüchen da hinlegte. Allerdings war es diesmal sein Vater Wolfgang, der Gas gab. Denn der saß bei der Ehrenrunde am Steuer des knallgelben Cabriolets, von dessen Rückbanklehne aus der 29 Jahre alte Kunstturner Hambüchen die knapp 55000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion zu lauten Jubelstürmen anheizte. Sie feierten den Mann, der das Turnen in Deutschland nicht nur wieder gesellschaftsfähig, sondern populär gemacht hat. Und der nach dem Olympiasieg am Reck im vergangenen Jahr in Rio de Janeiro nun, von der großen Weltbühne der Bewegungskünstler zumindest, abtritt. Denn obwohl er selbst in einem Fernsehinterview die Spekulationen über eine Fortsetzung seiner Karriere losgetreten hatte – nach seinem emotionalen Abschied während der Stadiongala des Deutschen Turnfestes in der Hauptstadt steht für Hambüchen jetzt fest, „dass ich in den internationalen Ruhestand gehe“.

          Die Reckriemchen an den Nagel hängt er trotzdem nicht. In der Bundesliga, wo er das Trikot der hessischen KTV Obere Lahn trägt, will der frühere Welt- und Europameister noch „ein paar Jährchen“ weitermachen. Turnen ist seine Leidenschaft. Nicht nur im Spitzenbereich, wie er in diesen Tagen in Berlin feststellt, sondern auch dort, wo kleine Kinder mit großem Eifer „herumspringen und Faxen machen“.

          „Ich werde mal Präsident des Deutschen Turner-Bundes“

          Erstmals fühlt Hambüchen sich „mehr drin“ beim Zusammenkommen von 80000 Turnbegeisterten, muss er nicht den Fokus auf den Meisterschaftswettkampf legen und sich aus dem Trubel heraushalten. Ganz einfach wie andere über das Messegelände, das Zentrum des Turnfestes, schlendern kann er allerdings nicht. Zur Autogrammstunde bei seinem Ausrüster waren am Mittwoch die ersten Fans bereits dreieinhalb Stunden vorher gekommen, um sich die besten Plätze zu sichern. Fabian Hambüchen ist es durchaus gewohnt, dass sich Blicke und Kameras auf ihn richten. Den Medien und seinem Publikum bleibt er erhalten. Bei den nächsten beiden Olympischen Spielen wird er für einen Spartensender aus dem Deutschen Haus berichten, den Spirit der Athleten einfangen und weitergeben.

          Das nötige Wissen über Skifahren und Biathlon werde er sich an langen Winterwochenenden vor dem Fernseher aneignen. Kumpel Felix Neureuther soll das Übrige tun, um den Sommersportler für Loipen und Abfahrten zumindest theoretisch fit zu machen. Wohin der Weg in die Zukunft den Studenten der Deutschen Sporthochschule Köln schließlich bringen soll, das hält er sich noch offen. Hambüchen nutzt die Chancen, die sich ihm bieten, will aber auch seinen Hochschulabschluss machen. Eine zweite Autobiographie ist zudem in Vorbereitung. Dem Turnen werde er immer treu bleiben. „Wer weiß, vielleicht kann ich ja mal der FIG (der internationale Turn-Verband, Anm. der Red.) helfen“, sagte er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Anwesenheit von Weltverbandspräsident Morinari Watanabe, der den Deutschen von klein auf kennt und „als eigenen Sohn“ ansieht. „Oder“, fügte Hambüchen keck hinzu, „ich werde mal Präsident des Deutschen Turner-Bundes.“ Als Trainer betätigt er sich schon heute. Der Unterhachinger Jakob Paulicks, bei dem der vor 13 Wochen an der Schulter operierte Wetzlarer während seiner langen Reha in München wohnt, hat sich bei den Deutschen Meisterschaften für zwei Gerätefinals qualifiziert. Im Kampf mit der Konkurrenz kann er nun auf die tatkräftige Unterstützung seines Bundesliga-Teamkollegen bauen.

          Für den zeit seiner Laufbahn harten Arbeiter mit dem außerordentlichen Fluggefühl bleibt also auch weiterhin viel zu tun. Die Prioritäten haben sich jedoch verschoben. Und das stimmte den selten um einen coolen Spruch verlegenen Sportler doch ein bisschen nachdenklich.

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