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Boxkampf in Magdeburg : Schwere Aufgabe für „Achilles“

  • -Aktualisiert am

So viel trainiert wie nie: Evgenios Lazaridis (links) ist bereit für Magdeburg. Bild: FREITAG

Boxer Evgenios Lazaridis geht als Außenseiter in den Kampf gegen den ehemaligen Europameister Agit Kabayel. Doch der Frankfurter Grieche will sich mit seiner Rolle nicht abfinden.

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          In der Ruhe liegt die Kraft. So muss es einfach sein bei diesem Hünen von einem Mann, Beruf Boxer. Der erste, flüchtige Eindruck: Er macht keinen Schritt zu viel, die Hände ruhen in seinem Schoß, als hielten sie Winterschlaf. Seine Energie spart sich Evgenios Lazaridis für die Stunden auf, in denen es zählt. Er spart sogar mit Worten, dabei ist er seit Wochen gefragter denn je. Trotzdem ist dem Griechen aus Frankfurt, der an diesem Samstag auf der Magdeburger Seebühne gegen den Bochumer Agit Kabayel kämpft, kein Spruch zu entlocken, der als Schlagzeile für den Boulevard taugte. Er ist der erklärte Außenseiter im Duell mit dem ungeschlagenen Kabayel, und die Betreuer in seinem Umfeld wittern gerade deshalb eine Chance. Er habe nichts zu verlieren, sagt sein Trainer Frank Kiy und verweist auf die lange Ringpause des ehemaligen Schwergewicht-Europameisters. Kabayels letzter Kampf liegt gut 16 Monate zurück, der von Lazaridis nur knapp acht Monate. Da wird dann gerne spekuliert, ob Kabayel Ringrost angesetzt habe, zumal in der Zwischenzeit für ihn Kampftermine angesetzt wurden, die dann nicht zu realisieren waren.

          Seit vergangenem Montag ist Lazaridis in Magdeburg. Eine ausgedehnte Dienstreise, ausgefüllt mit PR-Terminen, auf die er verzichten könnte. Aber sie sind Pflichttermine als Anschubhilfe für die Quote im Fernsehen: MDR überträgt live von 22.30 Uhr an. Worauf sich die Zuschauer – 1000 dürfen nach der „Corona-Eindämmungsverordnung“ sogar vor Ort sein – einstellen können? Sportwissenschaftler Jonas Riess verspricht einen „topfitten Evgenios, der rangeklotzt hat, was ging“. Da klingt Respekt an, wenn Riess von seiner Konditionsarbeit mit dem Boxer erzählt. Riess hat selbst American Football in den Reihen von Frankfurt Universe gespielt, macht Hockey- und Eishockeyspieler fit. Vor allem, betont Riess, „er nimmt auf“.

          Eine Pflichtübung frei von Risiken

          Das klingt so, als sei das im Alter von 32 Jahren keine Selbstverständlichkeit. Das hat auch damit zu tun, das Lazaridis in Frankfurt heimisch geworden ist. Im September 2014 war die Stadt am Main nur eine Zwischenstation vor seinem Kampf im „Palais“ neben dem ehemaligen „Rundschau-Haus“. Er muss sich auf Anhieb gut aufgehoben gefühlt haben. Es passte vieles besser als in Griechenland, wo ihm mit seiner Größe von knapp zwei Metern die Sparringspartner fehlten. Hier aber kreuzte er die Fäuste mit Dennis Kiy, dem Sohn seines heutigen Trainers. Also ist „Achilles“ geblieben, ein Kampfname, dem ihm sein einstiger französischer Manager verpasst hat.

          Zwischenzeitlich ging Lazaridis auf das Angebot ein, zum neu gegründeten Berliner Boxstall Agon Sports zu wechseln. Mit dem dortigen Trainer Torsten Schmitz kam er ebenso wenig klar wie mit der Millionenstadt. Die Kombination Lazaridis/Berlin passte nicht. Also zurück in die Stadt mit „entspannten, netten Leuten“ – damit stellt dieser Achilles allen Frankfurter Mitbürgern ein Pauschallob aus. Daheim ist er im Challenge Club Sachsenhausen. Hier trainiert er, und hier lebt er sogar, seit eine kleine Wohnung im Obergeschoss des Gebäudes frei wurde. Vom Bett bis zum Ring darunter sind es nur ein paar seiner großen Schritte. Im Challenge Club sind sie natürlich gespannt, wie sich ihr Achilles in Magdeburg schlägt. Dort geht es in der Nacht zum Sonntag um den Continental-Titel der WBA und über den Tag hinaus darum, sich für höhere Ziele zu empfehlen.

          In der Vergangenheit war er schon Sparringspartner des ehemaligen Weltmeisters Alexander Powetkin und von Agit Kabayel. Er soll dabei ganz passabel mitgehalten haben. Aber Sparring gilt als Experimentierfeld vor dem Ernstfall. Der Magdeburger Veranstalter und Promoter Ulf Steinforth hat den Preisboxer Evgenios Lazaridis vorab als „ernsthafte Aufgabe“ für den um fünf Jahre jüngeren und sieben Zentimeter kleineren Agit Kabayel eingeordnet. Sie haben den Frankfurter Griechen als den maßgeschneiderten Herausforderer verpflichtet. Eine Pflichtübung frei von Risiken und Nebenwirkungen für die Karriere. Damit es anders kommt, hat Lazaridis nach eigener Überzeugung „noch nie in meinem Leben so hart trainiert, ich werde alles geben“. Ein Standardsatz im Sprachschatz von Boxern vor dem Kampf. Alles könnte zu wenig sein, aber im Schwergewicht, so orakelten schon die Klitschko-Brüder gerne, „ist alles möglich“.

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