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Europäische Woche des Sports : Wenig Bewegung

  • -Aktualisiert am

Der frühere Weltklasse-Turner Fabian Hambüchen Bild: EPA

Eigentlich verfolgt die Europäische Woche des Sports ein klares Ziel. Doch in diesem Jahr ist alles anders. In Frankfurt müssen die Teilnehmer ausweichen.

          2 Min.

          Wer früh anfängt, bleibt in der Regel dran oder kehrt zumindest irgendwann wieder in ein bewegtes Leben zurück. Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen etwa hat sich zweieinhalb Jahre nach seinem Karriereende eine neue Herausforderung gesucht und stählt seinen sowieso schon muskulösen Körper jetzt fast täglich für Vergleiche in Crossfit. Der frühere Judo-Weltmeister Alexander Wieczerzak nutzte die vergangenen, coronavirusbedingt wettkampffreien Wochen, um sich in neuen Disziplinen wie Roller Derby oder Bouldern auszuprobieren. Fernsehmoderatorin Sonya Kraus, die als Vierjährige schon Ballett tanzte, hat nach langer Zeit als „faule Socke“ noch einmal richtig Schwimmen gelernt.

          Diejenigen jedoch, die anders als die drei aktuellen Botschafter der Europäischen Woche des Sports nicht bereits von Kindesbeinen an herumturnten oder Ball spielten, sind später schwer dazu zu bekommen, sich regelmäßig zu bewegen. In Deutschland betrifft diese Inaktivität je nach Definition zwischen 38 und 52 Prozent der Bevölkerung. Doch auch in anderen Staaten auf dem Kontinent stellt sich die Lage nicht besser dar.

          Überwiegend im Netz

          Seit fünf Jahren ruft die Europäische Kommission deshalb unter dem Motto „#BeActive“ jeweils vom 23. bis zum 30. September mit besonderen Aktionen dazu auf, sich fit zu halten und damit nicht nur das eigene Wohlbefinden zu verbessern, sondern auch etwas für die Gesellschaft zu tun und das Gesundheitssystem zu entlasten. So formulierte es am Mittwochabend in der Frankfurter Alten Oper Stephan Mayer, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Anlass war die Eröffnung des sogenannten Flagship-Event der diesjährigen Auflage der internationalen Sport-Woche. Durch die Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli darf Deutschland dieses Ereignis ausrichten und vergab die Verantwortung dafür an die Großstadt am Main und den dort sitzenden Deutschen Turner-Bund (DTB).

          In der Vergangenheit konnten die Verantwortlichen mehrmals dafür üben, wie sie am besten Passanten an zentralen Orten wie dem Mainufer zum Schnuppern in die Vielfalt der Bewegungslandschaft oder die Kinder und Jugendlichen in Schulen zu gesunder Ernährung motivieren. Doch die Pandemie hat alle Pläne über den Haufen geworfen. „#BeActive“ findet ausgerechnet diesmal, da sich aus 42 Staaten der EU und deren Partnernationen der Blick nach Hessen richtet, überwiegend im Netz und dezentral in 50 Vereinen im Stadtgebiet statt.

          Das macht es vor Ort nicht leichter, an die eher Bewegungsunwilligen heranzukommen. Angebote im Internet gibt es seit Krisenbeginn zuhauf, zufällig kommt kaum jemand vorbei, um sich zu einem Kurs locken zu lassen, und die Angst vor Ansteckung hält selbst viele Vereinsmitglieder noch vom Besuch der wöchentlichen Übungsstunden ab. Verpflichtende Anmeldung bei den wenigen öffentlichen Offerten im Brentanobad, wo an diesem Wochenende Football gespielt wird und Cheerleader Schritte einüben, oder am Ginnheimer Wäldchen, wo das Deutsche Sportabzeichen erworben werden kann, bremsen außerdem die Spontaneität.

          Doch die Vertreter des organisierten Sports sehen die Veränderungen durch den Covid-19-Erreger nicht nur negativ. Laut Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hat die Zeit der Einschränkungen bereits gezeigt, „wie wichtig Sport für Körper, Geist und Seele ist“. Sichtbar wurde dies, weil viele Menschen aufs Fahrrad umstiegen und Sportarten wie Stand-up-Paddling, bei denen einem schwer jemand zu nahe kommen kann, im Trend liegen. Inwiefern die Europäische Woche des Sports profitiert, bleibt abzuwarten. 2019 beteiligten sich mehr als 15 Millionen Menschen an mehr als 28000 Angeboten und ließen, wie EU-Kommissarin Mariya Gabriel zum Auftakt sagte, den Traum von einer bewegten Welt weiter wachsen.

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