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Engagement des VC Wiesbaden : Rote Karte gegen Mobbing

Auch nach dem Ende ihrer Karriere ist Simona Kóšová ein Aktivposten beim VCW. Bild: Imago

Gemeinsam mit einer Schule engagiert sich das Volleyball-Team vom VC Wiesbaden gegen Rassismus und weitere Formen von Diskriminierung. Die Mannschaft will dabei als Vorbild vorweg gehen.

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          „Die Blicke waren eindeutig.“ Als Simona Kóšová vor ein paar Jahren eine Volleyball-Gruppe in einer Wiesbadener Schule trainiert, merkt sie, dass etwas nicht stimmt. So erzählt es die ehemalige Bundesligaspielerin des VC Wiesbaden am Telefon. Zwei der acht- bis 13-jährigen Kinder, die an ihrem Training teilnahmen, hätten abseits gestanden. Sie seien die beiden einzigen Dunkelhäutigen gewesen. „Die anderen haben sie angestarrt, auf sie gezeigt und über ihren Akzent gelacht“, erzählt Kóšová. Erfahrungen, die ihr nicht fremd sind. Kóšová kommt aus der Slowakei. Über ihren Akzent sei schon oft vor ihr diskutiert worden. „Meistens sind die Reaktionen nett, auch wenn ich dann oft gefragt werde, woher ich komme und wie lange ich schon in Deutschland wohne.“ Negative Erfahrungen habe sie meistens auf dem Amt gemacht. „Die sind oft genervt davon, wenn man kein perfektes Deutsch kann.“

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          Kóšová will solche Erlebnisse nicht zwingend rassistisch nennen. „Ich sage der Person dann aber ganz bewusst, dass ich nicht aus Deutschland komme, sondern aus der Slowakei.“ Im Training mit der Hobby-Gruppe sei sie aber sofort alarmiert gewesen. Sie habe versucht, das schnell zu klären, allen zu vermitteln, was sie eint: Der Spaß am Volleyball, das gemeinsame Ziel, sich darin zu verbessern. Mit den Kindern, die Probleme damit hätten, das andere Mitspieler nicht gut Deutsch können, spreche sie in Ruhe einzeln. „Aber man kann Kinder, die sich so verhalten, nicht von heute auf morgen davon überzeugen, dass das falsch ist. Das braucht Zeit.“

          Abgesehen vom Elternhaus gebe es keinen besseren Ort als die Schule, um über Rassismus zu sprechen. Als Johanna Trick, Lehrerin an der Martin-Niemöller-Schule, den VC Wiesbaden wegen der Anti-Rassismus-Patenschaft kontaktiert habe, sei sie daher sofort interessiert gewesen. „Beim VC Wiesbaden sind Spielerinnen aus vielen verschiedenen Ländern. Bei uns wurden da nie Unterschiede gemacht“, sagt Kóšová, die im März 2019 ihre Karriere wegen einer Verletzung mit 26 Jahren beenden musste. Die Trainer hätten immer allen klargemacht, dass das keine Rolle spielen darf.

          „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

          Die Schüler, die sich mit Lehrerin Johanna Trick in einer AG für die Anti-Rassismus-Patenschaft engagieren, trafen sich bis zur Corona-Schulschließung Mitte März einmal wöchentlich. Sie gehören mit ihrer Schule zum bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Wenn die Schulen wieder öffnen, soll es mit den Treffen weitergehen. Sie sind zu siebt, die meisten von ihnen sind im zwölften Schuljahr. Mit dem VC Wiesbaden soll es ein Turnierprojekt geben. Die Sichtbarkeit des Klubs wollen die Schüler außerdem nutzen, um die Halbzeitpause eines Bundesligaspiels zu gestalten.

          Aktuell bereitet die AG einen Anti-Mobbing-Tag vor, dafür planen sie einen Flashmob, szenische Lesungen, Theateraufführungen, Infostände. Als gemeinsames Zeichen sollen an diesem Tag alle in roter Kleidung kommen. „Eine Rote Karte gegen Mobbing“, sagt Yannis Ward, einer der Zwölftklässler. „Wir wollen uns zuerst einmal gegen jegliche Form von Diskriminierung wenden, nicht nur gegen Rassismus. Dann können sofort alle etwas damit anfangen.“ Wenn man etwa in eine fünfte Klasse gehe, um mit den Schülern über Rassismus zu reden, sei es erstmal still.

          Nazlican Erkaya ist ebenfalls in der zwölften Stufe und in der AG. Sie sagt, sie sei ungefähr einmal die Woche mit rassistischen Kommentaren konfrontiert. Letztens habe sie einer alten Frau im Bus helfen wollen. „Fass mich nicht an, du braunes Stück Scheiße“, habe die erwidert. „Es bringt nichts, mit solchen Menschen zu diskutieren, aber man sollte es trotzdem tun. Auch damit alle in der Nähe es mitbekommen. Ich lasse mir so etwas nicht gefallen“, sagt Erkaya: „Wir wollen den Schülern vermitteln, wie man Grenzen aufzeigt, die nicht überschritten werden dürfen“, sagt Johanna Trick. Beim Thema Rassismus dürfe man aber nicht nur Opfer und Täter im Blick haben: „Ganz wichtig ist die breite Masse, die es akzeptiert und im entscheidenden Moment wegschaut.“

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