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Löwen Frankfurt : Riskantes Spiel in der Pandemie

  • -Aktualisiert am

Glückliche vergangene Zeiten: die Löwen vor ihren Fans. Bild: Picture-Alliance

Auch in Deutschland hat Corona gravierende Auswirkung auf das Eishockey. Die Löwen Frankfurt werden unter der Zuschauer-Reduzierung am meisten leiden. Doch besser so, als gar nicht aufs Eis zu gehen.

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          Das Ende der langen Wartezeit? Nicht ganz. Adam Mitchell befand sich zwar auf vertrautem Untergrund – genau dort, wo der Kapitän der Löwen Frankfurt sonst seiner Arbeit nachgeht. Das Foto, das im Internet verbreitet wurde, zeigte den Eishockeyprofi aber in ungewohnter Montur: Schildkappe statt Helm, Jacke statt Trikot, Taktiktafel statt Schläger in den Händen.

          Ein Wechsel hinter die Bande? Nur vorübergehend. Als zusätzlicher Coach war der 37 Jahre alte Angreifer am Wochenende mit zum Spiel nach Kassel gefahren, wo die U 11 der Frankfurter mit seiner Tochter im Team gegen die Huskies antrat. Das Aufeinandertreffen der beiden Nachwuchsmannschaften mit dem Frankfurter Publikumsliebling an der Bande verdeutlichte noch einmal, wie skurril die Situation ist, in der sich Mitchell gerade befindet. Das eigene Kind darf den Sport unter Wettkampfbedingungen ausüben. Der Papa, der damit seit fast 20 Jahren seinen Lebensunterhalt verdient, nicht.

          Kein weiterer Saison-Aufschub

          Mitchell ist einer von acht Profis im Kader der Frankfurter Löwen, die ihre Verträge beim Eishockey-Zweitligaklub erst nach Abbruch der vergangenen Saison unterzeichnet haben, als die Corona-Fallzahlen täglich anstiegen und die Liga eine Klausel in ihr standardisiertes Vertragswerk aufnahm, die eine aufschiebende Wirkung festschreibt: Um die Klubs vor wirtschaftlichen Einbußen zu schützen, beginnt das Arbeitsverhältnis zwischen Verein und Spielern erst vier Wochen vor Saisonbeginn. Für Mitchell bedeutete das monatelange Ungewissheit, kein Gehalt und kein vom Klub organisiertes, sondern nur privates Training auf freiwilliger Basis.

          Damit soll bald Schluss sein. Erst kürzlich beschlossen die 14 Liga-Gesellschafter in einer Konferenz, dass sie den geplanten Saisonstart am 6. November nicht nochmals nach hinten verschieben wollen. „Mit Blick auf die Spieler und deren Familien sowie die Wirtschaftlichkeit der Klubs ist es notwendig gewesen, jetzt eine Entscheidung zum Start zu treffen“, sagte René Rudorisch, der Geschäftsführer der Zweiten Deutschen Eishockey-Liga (DEL2). Ein großer Vorteil: Beim Modus bliebe alles beim Alten. 52 Hauptrundenspiele plus Play-offs inmitten der Pandemie. Hält die DEL2 an diesen Plänen fest, würde das bedeuten, dass auch Mitchell und Co. vom 9. Oktober an wieder zum Rest der Mannschaft stoßen könnten, der sich zwar noch immer in Kurzarbeit befindet, seit rund zweieinhalb Wochen aber wieder mit eingeschränktem Pensum auf dem Eis am Ratsweg trainiert.

          Keine einheitliche Linie

          Die DEL2 geht damit einen anderen Weg als ihr großer Bruder: Die DEL hatte zu Wochenbeginn aufgrund eines drohenden Defizits von 60 Millionen Euro für die kommende Saison eine abermalige Verschiebung des Starts ins Spiel gebracht, falls bis zum 2. Oktober keine verbindlichen Zusagen aus der Politik zur Unterstützung der Klubs vorliegen. In die neue Spielzeit zu gehen wäre schließlich fatal und unvernünftig, wenn ein solch hoher Geldbetrag fehlt.

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