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Eishockey : "Dritter Sieg gegen den FC Bayern der DEL"

Am Wochenende zweifelte Rich Chernomaz wirklich an seinen deutschen Kollegen. Am Freitag, nachdem die Frankfurt Lions bei den DEG MetroStars 6:0 gesiegt hatten, meinte Michael Komma zwei fast gleichwertige Mannschaften gesehen zu haben. Das Kopfschütteln, mit dem der Löwen-Trainer die Ansicht des Düsseldorfer Coaches Komma quittierte, wiederholte er am Sonntag. Hatte doch diesmal Helmut de Raaf, Trainer der Mannheimer Adler, nach dem Frankfurter 4:2)-Erfolg gegen den ewigen Rivalen allen Ernstes von einem "ausgeglichenen Spiel" gesprochen.

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          Am Wochenende zweifelte Rich Chernomaz wirklich an seinen deutschen Kollegen. Am Freitag, nachdem die Frankfurt Lions bei den DEG MetroStars 6:0 gesiegt hatten, meinte Michael Komma zwei fast gleichwertige Mannschaften gesehen zu haben. Das Kopfschütteln, mit dem der Löwen-Trainer Chernomaz die Ansicht des Düsseldorfer Coaches Komma quittierte, wiederholte er am Sonntag nachmittag. Hatte doch diesmal Helmut de Raaf, Trainer der Mannheimer Adler, nach dem Frankfurter 4:2 (2:0, 2:1, 0:1)-Erfolg gegen den ewigen Rivalen allen Ernstes von einem "ausgeglichenen Spiel" gesprochen, in dem die Lions bestenfalls einen Tick besser gewesen seien. Also bitte, sagte Chernomaz später, "wir haben 3:0 geführt und viel höherwertige Tormöglichkeiten gehabt".

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er sprach aus, was 7000 Zuschauer in der Frankfurter Eissporthalle sahen: Die Lions haben das Südwestderby in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) dominiert und nach den Überzahltoren von Dwayne Norris (9. und 38. Minute) und Patrick Lebeau (16.) sowie dem zwischenzeitlichem 3:0 durch Michael Hackert (34.) souverän gewonnen. Damit erreichte der Tabellenzweite das Maximum von sechs Punkten aus zwei Wochenend-Begegnungen, während der ungeliebte Rivale aus Mannheim, für den Devin Edgerton (37.) und Rene Corbet (57.) trafen, ohne Zähler blieb. Chernomaz sprach daher genüßlich vom "dritten Saisonsieg gegen den FC Bayern München der DEL". Ob dem Kanadier bewußt war, wie doppeldeutig diese Bezeichnung ist?

          Vom Renomee und von der Wirtschaftskraft sind der deutsche Fußball-Rekordmeister und der viermalige DEL-Titelträger zwar vergleichbar. Aber eben auch darin, daß sie derzeit ihr spielerisches Potential nicht abrufen können und somit ihrem eigenen Führungsanspruch nicht gerecht werden. Beim vierten Derby der DEL-Saison präsentierten sich die Adler vor allem im Powerplay als zahmes Geflügel. So mußte auch ihr Trainer de Raaf einsehen, daß die Lions die besseren "Special Teams" in Über- und Unterzahl aufs Eis schicken konnten. Nicht einmal jene knapp vier Minuten, als die Mannheimer mit zwei Spielern mehr auf dem Eis waren, konnten sie erfolgreich nutzen. Hingegen erzielten die Löwen drei ihrer vier Tore in Überzahl - es hätten auch mehr sein können. "Wir waren im Powerplay nicht scharf genug", kritisierte ein ansonsten zufriedener Chernomaz.

          Beide Teams hatten bei insgesamt 122 Strafminuten (55 gegen Frankfurt, 67 gegen Mannheim) reichlich Gelegenheit, ihre speziellen Einsatzkräfte aufs Eis zu schicken. Selten waren einmal vier Angreifer und sechs Verteidiger aktiv; der Lions-Stürmer David Gosselin erhielt in der 16. Minute sogar ebenso eine Spieldauerdisziplinarstrafe wie der Mannheimer Verteidiger Christopher Joseph. Obendrein wurde sein Kollege Tomas Martinec vom souveränen Schiedsrichter Gerhard Müller, der das allgemeine Durcheinander im ersten Drittel nach 18:49 Minuten beendete und die verbliebenen 71 Sekunden nach einer fünfzehnminütigen Pause fortsetzen ließ, zu einer zehnminütigen Disziplinarstrafe genötigt.

          Auf den Adler-Angreifer Martinec hatten es die Frankfurter Eishockeyprofis von Beginn an abgesehen - Löwen vergessen eben nicht. Schließlich war es Martinec gewesen, der beim letzten Aufeinandertreffen beider Teams am zweiten Weihnachtstag Ian Gordon ungestüm anging, so daß sich der Lions-Torhüter provoziert fühlte, mit einem Schlag in die Kniekehle des Mannheimers revanchierte und dafür ein Spiel Sperre bekam. Beim Wiedersehen schubsten und stießen gleich vier Frankfurter in Folge den Mannheimer. Die Versuche von Peter Ratchuk, Michael Bresagk, Mike Harder und Gosselin brachten aber nicht viel mehr als vier Strafen und etwas Aggressionsabbau.

          Nach dem ersten Drittel redete Chernomaz beschwichtigend auf sein Team ein, "aber die Jungs waren übermotiviert". Dreißig Sekunden vor dem ersten großen Hauen und Stechen in der 16. Minute hatten sich die Lions bereits einen komfortablen Zweitorevorsprung gegen die indisponierten Adler herausgespielt. In der neunten Minute schlug sich die Frankfurter Überlegenheit in der 1:0-Führung nieder, als Norris den Abpraller nach Francois Bouchards Schlagschuß nutzte. Lebeau lenkte danach den Puck nach Paul Stantons Vorarbeit zum 2:0 ins Netz, ehe Hackert im zweiten Durchgang das feine Zuspiel von Christian Kohmann zum 3:0 vollendete. Nach Edgertons Solo zum 1:3-Anschlußtor traf neunzig Sekunden später abermals Norris mit einem Flachschuß, ehe Corbet den biederen Mannheimern in Überzahl noch eine kleines Erfolgserlebnis verschaffte.

          "Unsere Leidenschaft ist groß, und in den Reihen stimmt die Chemie", sagte Rich Chernomaz. Der zweiwöchigen Länderspielpause nach dem kommenden Freitagsspiel bei den Nürnberg Ice Tigers sieht der Lions-Trainer gelassen entgegen. "Ein bißchen Zeit, um die kleinen Wunden zu pflegen." Und um dann für die fast sichere Play-off-Teilnahme gerüstet zu sein.

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