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Eintracht-Spieler Chandler : Gut fürs Binnenklima

  • -Aktualisiert am

Frankfurter Flankengott: Timothy Chandler Bild: firo Sportphoto

Die Flankenkönige der Fußball-Bundesliga spielen für Eintracht Frankfurt. Präzise, langgezogene Flanken zu schlagen, gehört auch zum Rüstzeug von Timothy Chandler. Allerdings sitzt er derzeit meist auf der Bank.

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          Die Flankenkönige der Fußball-Bundesliga kommen aus Frankfurt. Aktuell liegt wieder Filip Kostić an der Spitze der Statistik: mit 35 Hereingaben ins sechs Ligaspielen. In der Vorsaison waren es beim Serben insgesamt 157 in 34 Begegnungen, kein anderer flankte fleißiger von der linken Seite aus. Dem Nationalspieler Kostić folgte damals, auf Rang fünf liegend, sein Teamkollege Danny da Costa mit 100 hohen, in die Mitte geschlagenen Bällen aus dem Spiel heraus. Heute hat sich der Flügelspieler auf der rechten Außenbahn mit momentan 30 Hereingaben in vier Partien auf Platz zwei vorgearbeitet. Keine Frage: Frankfurt produziert wie am Fließband Flanken. Mit bisher 143 Hereingaben nehmen die Hessen nun die Spitzenposition in der ersten Liga ein.

          Präzise, langgezogene Flanken zu schlagen, gehört auch zum Rüstzeug von Timothy Chandler. Nur kam sein Können zuletzt ein bisschen zu kurz. Der 29 Jaher alte Kicker hat aktuell bestenfalls den Status des Einwechselspielers. In den beiden zurückliegenden Begegnungen gegen Werder Bremen (2:2) und in der Europa League in Guimarães (1:0) verzichtete Trainer Adi Hütter auf den gebürtigen Frankfurter. Dieser ist als gelernter Rechtsverteidiger flexibel einsetzbar. Nur auf der rechten Seite hat Chandler aktuell da Costa und Neuzugang Erik Durm in der Hierarchie vor sich.

          Chandler ein „local player“

          Und links liegt das Revier von Platzhirsch Kostić, der im Augenblick für seine Ansprüche zwar unter seinen Möglichkeiten bleibt, bei Hütter aber zu Recht viel Kredit besitzt. In dieser Runde durfte Chandler nur in Augsburg 90 Minuten lang mitspielen, weil Kostić aufgrund einer Erkrankung hatte passen müssen. Beim 1:2, seinem hundertsten Bundesliga-Spiel für die Eintracht, zeigten die Frankfurter in ihrer Gesamtheit jedoch die bisher schlechteste Saisonleistung. Seine beste Szene hatte Chandler beim 1:2 in Leipzig, als er nach seiner Einwechslung in der 77. Minute die Flanke zum Anschlusstreffer von Goncalo Paçiência gab.

          Ein Auslaufmodell ist Chandler aber keineswegs. Er, der nach seinem vierjährigen Abstecher zum 1. FC Nürnberg seit 2014 wieder in Frankfurt unter Vertrag steht, gehört fest zum Inventar. Und aktuell deutet einiges darauf hin, dass er seine Karriere auch bei der Eintracht beenden wird. Der Klub hatte die Zusammenarbeit mit ihm im September vorzeitig bis einschließlich 30. Juni 2022 verlängert, denn nach dieser Spielzeit wäre die gemeinsame Vereinbarung ausgelaufen. Chandler nehme mit seiner „dynamischen und variablen Spielweise nicht nur auf dem Platz eine wichtige Rolle ein“, sondern sei „als Meinungsbildner und Identifikationsfigur auch für das Umfeld von großer Bedeutung“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner.

          Dieser ist ein echtes Eintracht-Eigengewächs. Und wenn der 34 Jahre alte Marco Russ, der momentan einen Achillessehnenriss auskuriert, nicht mehr zum Profikader gehören wird, werden die Frankfurter nach Alexander Meier ihre nächste Galionsfigur verlieren. Mit seiner Aufgeschlossenheit, seinem Humor und seiner positiven Art ist Chandler wichtig für das gute Binnenklima in der Mannschaft. Nicht zu vergessen, dass ihn die Eintracht als sogenannten „local player“ für die Europa League gemeldet hat. Auch in dieser Hinsicht ist der 29-malige amerikanische Nationalspieler ein wichtiger Baustein.

          Eintracht eine Herzensangelegenheit

          „Rein, raus – so kann man das sagen“, mit diesen Worten ordnete Chandler seine Vertragsverlängerung in Frankfurt im Schnellverfahren ein. Beide Seiten wissen, was sie aneinander haben, die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. Für Chandler ist die Eintracht zur Herzensangelegenheit geworden. Das hat ihm über die schwere Zeit in der Vorsaison hinweggeholfen, in der er wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie nur 16 Minuten Anfang Mai beim 1:6 in Leverkusen hatte spielen können. An der erfolgreichen Fußballreise durch die Europa League, die für die Hessen erst im Halbfinale endete, war Chandler zu seinem Leidwesen nicht aktiv beteiligt.

          Jetzt steht ein 16 Minuten währender Einsatz im ersten Gruppenspiel gegen Arsenal (0:3) auf seinem Arbeitszettel. In der Qualifikation zur Europa League spielte Chandler nur im Rückspiel gegen Vaduz (1:0) durch, Hütter schonte Kostić. Aber auf die Idee, sich zu beklagen, käme Chandler nicht. Er akzeptiert die augenblickliche Rollenverteilung, ohne zu murren. Seine Motivation ist zwar ungebrochen. Aber mit Verbissenheit und falschem Ehrgeiz verfolgt er seine Ziele nicht. „Für mich ist wichtig, dass ich nach einem Arbeitstag zufrieden nach Hause gehe“, sagt Chandler.

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