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Wintersport in Frankfurt : Die Eintracht ist auf dem Weg zur Bob-Hochburg

  • -Aktualisiert am

Kunststoffbahn statt Eisrinne: Bobfahrer Christoph Hafer nimmt Kurs auf den Weltcup in Whistler. Bild: dpa

Die Eintracht will sich mit starken Athleten und dem Umbau des Niederräder Trainingszentrums im Eiskanal etablieren. Kann sich Frankfurt noch mehr als jetzt zu einer Hochburg des Bobsports entwickeln?

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          Wirklich angekommen fühlen sich Tim Restle und seine Truppe bei der Eintracht noch nicht. Zu viel ist noch in Bewegung, um den Bobsportlern, die Anfang März von Wiesbaden nach Frankfurt gewechselt waren, in Zukunft optimale Bedingungen bieten zu können. Dennoch werden in der gerade begonnenen Wintersportsaison erstmals Athletinnen und Athleten unter den Schwingen des Adlers durch den Eiskanal schießen. Allen voran der Olympiadritte Christoph Hafer, der nach dem Abgang seines vorherigen Trainers in die Schweiz im vergangenen Jahr zu Restle gewechselt war. An diesem Wochenende wird er als Einziger aus der 15er-Gruppe der Hessen beim Weltcup-Auftakt in der kanadischen Stadt Whistler dabei sein.

          Im Viererbob soll der 30-jährige Hafer als Pilot die deutschen Farben auch bei den Weltmeisterschaften im Januar in St. Moritz tragen. Dagegen könnte er im Zweier nach der Überseetour Platz machen müssen für Hans Peter Hannighofer. In diesem Fall würde ein weiterer SGE-Vertreter zu Weltcupstarts kommen, denn dessen Anschieber Issam Ammour ist auf der Suche nach neuen Reizen zwar nach Oberhof gewechselt, aber seinem langjährigen Trainer und Entdecker Restle zum neuen Verein gefolgt.

          Eine eigene Anschubbahn wird noch vermisst

          An seiner jetzigen Trainingsstätte genießt der deutsche Zweierbobmeister Ammour den Luxus einer Anschubbahn, die man in Frankfurt noch vermisst. Restle wertet das als größeren Nachteil. Nur athletisch besonders starke Talente wie die aktuell am Knie verletzte Olympiasiegerin Deborah Levi, die zusammen mit ihrer Pilotin Laura Nolte ebenfalls auf der Leichtathletikanlage in Niederrad schuftet, aber dabei von David Corell betreut wird und für das Sprintteam Wetzlar startet, könnten dies vielleicht dauerhaft ausgleichen. Doch die vielen Wiederholungen, die den Frankfurtern entgehen, weil sie nicht ständig über eine solche Trainingsstrecke verfügen, seien in der Regel „nicht zu kompensieren“, so Restle.

          Die Eintracht setzt sich mit eigenen finanziellen Mitteln, unterstützt von Stadt und Land, dafür ein, dass möglichst schon 2023, wenn das Gelände an der Hahnstraße umgebaut werden soll, die Pläne für eine solche „Riesen-Skateboardbahn“, wie der Fachmann es beschreibt, umgesetzt werden. Schon jetzt seien die Trainingsmöglichkeiten für die zuvor in der Landeshauptstadt beheimateten Bobspezialisten aber besser denn je: Acht Einheiten pro Woche absolvieren sie in Niederrad, am Olympiastützpunkt oder in der Kalbacher Leichtathletikhalle. Lauf- und Kraftübungen, mit denen im Sommer die Basis für die Leistungen in der Rinne gelegt wird, lassen sich dabei problemlos verbinden.

          Die beste Zeit, um Neues auszuprobieren

          In den kälteren Monaten geht es vermehrt in die Wintersportzentren, um Fahrten zu absolvieren. Nicht nur wegen des Vereinswechsels und des Umzugs bezeichnet Restle die aktuelle Saison als eine des Übergangs. Nach Olympischen Spielen wie jenen im Februar in Peking sei die beste Zeit, um Neues auszuprobieren. Junge Athleten bringen sich in Stellung, um die älteren abzulösen. Pilotin Maureen Zimmer etwa, Juniorinnenweltmeisterin im Monobob, soll sich als Goldmedaillengewinnerin bei den Nachwuchs-Titelkämpfen in dieser Saison für die WM der Großen empfehlen. So wie einst die Olympiavierte und Europameisterin Kim Kalicki, die auch unter Restle anfing, mittlerweile in Halle trainiert und als gebürtige Wiesbadenerin bei der dortigen TuS Eintracht geblieben ist.

          Levi streitet nicht ab, sich auch irgendwann mal eine Mitgliedschaft bei der SGE vorstellen zu können. Zu den Vorzügen zählen einheitliche Kleidung mit dem Adler auf der Brust oder ein Bus für Trainingsfahrten, für die zuvor private Autos genutzt wurden. Die Verbindungen und der gute Name der Eintracht öffnen weitere Türen, auch zu Sponsoren. Während Restle froh ist, dass er sich in organisatorischer Hinsicht „nicht mehr um alles selbst kümmern muss“, sollen weitere Bobfahrer und -anschieber gelockt werden.

          Als Landestrainer will er sich von 2023 an nur noch auf die Spitzenkräfte konzentrieren, die auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2026 in Cortina und Mailand hinarbeiten. Die anderen, vornehmlich den Nachwuchs, soll ein zusätzlicher Coach übernehmen, der in Doppelfunktion auch Bundesstützpunkttrainer Corell im Auftrag des Hessischen Leichtathletik-Verbandes entlasten soll. Auf diese Weise könnte sich Frankfurt noch mehr als ohnehin schon zu einer Hochburg in einer Sportart entwickeln, die man im wenig schneesicheren Rhein-Main-Gebiet nicht vermuten würde.

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