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Vor dem Rückspiel in Mailand : Adrenalin für die Europa League

  • -Aktualisiert am

Glückliche Torschützen: Gonçalo Paciência (l.) und Sébastien Haller feiern den Sieg gegen Fortuna Düsseldorf. Bild: Jan Huebner

Der Eintracht gelingt in Düsseldorf eine starke Generalprobe für das Rückspiel gegen Inter Mailand. Ein Spieler bekommt von Sportdirektor Bruno Hübner ein Sonderlob.

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          Auch die letzte Aufgabe des Abends erfüllten sie mit einer beschwingten Hingabe, die spielerisch leicht aussah: Vor dem Stehblock in der Düsseldorfer Arena, wo dreitausend mitgereiste Anhänger ihrer Freude freien Lauf ließen, trat die Mannschaft geschlossen zur Danksagung für die Unterstützung auf und verwehrte anschließend auch den Wunsch des Publikums nach einer gemeinschaftlichen Sieges-Zeremonie nicht, um das 3:0 kollektiv zu feiern: Die Anhänger sangen, die Fußballprofis der Eintracht schwangen dazu das Tanzbein und hinterließen so nebenbei den Eindruck, dass sie von all den Anstrengungen dieser Saison, in der mittlerweile 35 Pflichtpartien absolviert werden mussten, längst nicht erschöpft sind.

          „Jetzt bleiben zwei Tage, um zu regenerieren“, sagte Sebastian Rode, der im defensiven Mittelfeld auch gegen die Fortuna mit einer Tatkraft zu überzeugen wusste, die es immer unverständlicher erscheinen lässt, wieso er vor seiner Rückkehr im Winter nach Frankfurt in Dortmund als unbrauchbar für höhere Ansprüche galt. Der 28-Jährige überzeugte als zentraler Balleroberer und -verteiler und schaltete sich immer wieder in den Angriff ein, wobei es ihm verwehrt blieb, seine Darbietung mit einem Treffer zu schmücken. Wie es im Strafraum besser geht, zeigten Gonçalo Paciência zur Führung in der 48. Minute und Sébastien Haller, der in der Nachspielzeit (90.+1 und 90.+3) mit zwei formvollendeten Vorstößen für klare Verhältnisse sorgte. Rode äußerte sich angetan von der Vorstellung Paciencias, der inzwischen das Team um ein weiteres Qualitätsmerkmal bereichert. Trainer Adi Hütter nannte ihn einen Angreifer, „der es mit links, rechts und dem Kopf kann und bei dem das Zuschauen Spaß macht“.

          Vorfreude auf Mailand

          Bei seinem Startelf-Debüt erzielte der Portugiese den zweiten Kopfball-Treffer in Serie, nachdem er zuletzt beim 3:2 gegen Hoffenheim in ähnlicher Manier in letzter Sekunde schon auftrumpfte. „Goncalo hat ein überragendes Spiel gemacht, er hat viele Bälle mit seinem Körper gehalten und dann im richtigen Moment weitergeleitet. Er ist technisch top und bringt alles mit, was ein Klassestürmer braucht“, sagte Rode, der an sich selbst ungeachtet der ungewohnten Belastungen in Serie keine Ermüdungserscheinungen feststellte. Er könne vielmehr den nun an diesem Donnerstag anstehenden Schlagabtausch mit Inter Mailand kaum erwarten. Er spüre „Vorfreude“, sagte Rode in der Vorausschau auf das Duell um den Einzug ins Viertelfinale der Europa League, wobei der Stress durch den eng getakteten Terminplan in seinen Augen keine Rolle spiele. Durch seine Blutbahn fließe „so viel Adrenalin, dass es auch mal mit weniger Schlaf geht“.

          Für Sportdirektor Bruno Hübner ging mit dem Erfolg gegen die Rheinländer in dieser Woche der Wahrheit ein passendes Signal aus: „Hier gewonnen zu haben war ganz wichtig für das Bundesligageschäft. So haben wir oben Anschluss gehalten.“ Mit nunmehr 43 Punkten rangiert die Eintracht auf dem fünften Platz. Der Rückstand auf die Champions-League-Plätze beträgt lediglich noch drei Zähler. Hübner attestierte der Elf, in der mit Haller und Evan Ndicka anfangs zwei Stammkräfte nicht in der Startformation standen, um sie zu schonen, eine reife Leistung. „Man hat gesehen, dass wir in der Breite besser aufgestellt sind und so auch Spielern eine Pause gönnen können, die dann wieder Frische reinbringen“, sagte der 58-Jährige. Sein besonderes Lob galt ebenfalls Paciência, der nach einem vermaledeiten Start immer besser in Schwung kommt.

          Hütter auf der Tribüne

          Nachwirkungen seiner Verletzung am Außenminiskus im vergangenen August, der eine Operation und Monate der Rehabilitation folgten, sind ihm keine mehr anzumerken. Paciências Einsatzfreude spiegelte sich unter anderem in der Laufstrecke von über elf Kilometern, die er bis zu seiner Auswechslung kurz vor dem Schlusspfiff abspulte. So fiel es nicht ins Gewicht, dass Luka Jovic bei fünf guten Möglichkeiten leer ausging und Ante Rebic (Kniebeschwerden) gar nicht zur Verfügung stand. Hübners Optimismus wuchs in Düsseldorf jedenfalls weiter: „Wenn du vorne solche Stürmer hast, gibt das Sicherheit. Jeder von ihnen kann aus dem Nichts ein Tor machen.“

          Hütter nannte das Resultat gegen wackere Fortunen „glücklich“, weil auch der Schiedsrichter bei diskutierbaren Szenen im Sinne der Eintracht entschied; Robert Hartmann nahm ein Tor von Dawid Kownacki zurück (2.) und verweigerte der Fortuna einen Strafstoß, weil er sich nach dem Betrachten der Videoaufnahme darauf festlegte, dass Martin Hinteregger den Arm angelegt hatte, als er von Benito Raman angeschossen wurde (61.). „Schlussendlich haben wir den Sieg aber nicht gestohlen“, bilanzierte Hütter, der den Seinen dazu gratulierte, „wie sie hintenraus einen Zahn zugelegt haben“.

          Dazu habe auch seine Kabinenansprache in der Halbzeit beigetragen, bei der er „zu wenig Tempo“ und „Behäbigkeit“ beklagt hatte. Gegen Mailand bleibt ihm diese Möglichkeit, bei Bedarf verbal einzugreifen verwehrt. Hütter sagte am Montag, dass er „nicht glücklich“ mit dem Urteil der Uefa sei, die ihn wegen seines Flaschentritts, dem vor Wochenfrist gegen Inter ein Tribünenverweis folgte, für ein Spiel sperrte: „Eine Ermahnung hätte es sicher ebenso getan. Aber ich bin selbst schuld“, zeigte sich der 49-Jährige auch selbstkritisch.

          In Mailand müssen seine Assistenten Christian Peintinger und Armin Reutershahn die Dinge während des Spiels richten, dem Chefcoach ist eine Kontaktaufnahme untersagt. „Also muss ich vorher im Bus oder Hotel die richtigen Worte finden“, sagte Hütter, der keinen Zweifel ließ, „dass die Spieler auch so zeigen werden, dass sie wissen, wie sie das nötige Tor machen können“. Die gelungene Probe aufs Exempel in Düsseldorf dürfte ihn dabei in seiner Zuversicht bestätigt haben.

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