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Angst vor Geisterspielen : Doppelte Schwächung für die Eintracht

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Schlechte Erfahrungen mit einem Geisterspiel: Gegen Basel ging die Eintracht ohne Zuschauer unter. Bild: dpa

Nur wenige Teams fürchten Geisterspiele so sehr wie die Eintracht. Gegen Basel mussten die Frankfurter schon mal ohne Doppelpass mit dem Publikum auskommen - und gingen unter.

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          Ein Phantom sind Geisterspiele für die Frankfurter Eintracht nicht. Deren Bundesliga-Profis wissen vielmehr, was auf sie in Zeiten der Corona-Pandemie zukommen wird, wenn der Spielbetrieb im Mai mit Begegnungen ohne Publikum fortgesetzt werden sollte. Das 0:3 am 12. März zu Hause gegen Basel im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League könnte gewissermaßen die verpatzte Generalprobe für einen in dann vielen Facetten ungewöhnlichen Saisonendspurt gewesen sein.

          Ohne die Unterstützung ihrer so stimmgewaltigen und vom Gegner akustisch gefürchteten Anhänger gaben die Frankfurter die wichtige Partie buchstäblich sang- und klanglos aus den Händen. Mit den Fans im Rücken, da war sich Stürmer Bas Dost hinterher sicher, hätte die Eintracht „niemals 0:3 verloren“. Und Sportdirektor Bruno Hübner sprach von einer „seltsamen Atmosphäre“ im leisen Stadionrund. Sie aber könnte zur neuen Normalität werden. Vom Gefühl her würden die auswärtsschwachen Frankfurter nur noch Auswärtsspiele haben.

          Viel spricht demnach dafür, dass stimmungslose Geisterspiele gerade für die Hessen ein Wettbewerbsnachteil sein werden. Ihnen wird der Antrieb von den Rängen, der jeweils den Auftrieb auf dem Platz begünstigt hat, ganz besonders fehlen. Außerdem birgt ein leeres Stadion kein Einschüchterungspotential mehr für ihre Gegner. Die Wucht, die die Eintracht bei ihren Erfolgen gegen die Großen Bayern München (5:1), Bayer Leverkusen (3:0) und Leipzig (2:0) – dazu kam das 3:1 im Pokal gegen die Sachsen – entfaltet hat, hatte sie auch der donnernden Begeisterungsfähigkeit ihrer Anhänger zu verdanken.

          Eine neue Heimschwäche, womöglich hervorgerufen von einer mauen Stimmungslage in der akustischen Hochburg WM-Arena, könnten sich die Frankfurter aber nicht leisten – es sei denn, sie würden plötzlich ihre gravierende Auswärtsschwäche ablegen. In der Fremde schnitt bisher mit geholten sieben Punkten in zwölf Spielen keiner schlechter ab als die Mannschaft von Cheftrainer Adi Hütter. Neun Niederlagen muss sich noch niemand ankreiden lassen. Vor eigenem Publikum hingegen sind es bislang 21 gesammelte Punkte, die die Eintracht in diesem Segment auf Rang sechs rangieren lassen. Zwar gelingt es dem Team nicht jedes Mal, Doppelpass mit seinen Fans zu spielen, davon künden die Heimniederlagen gegen Wolfsburg und Köln. Doch auch beim 1:2 gegen Union Berlin hörte sich das Ganze für die Hauptdarsteller komisch an, weil die lautstarken Anhänger in der Nordwestkurve mit stimmlicher Enthaltsamkeit ihren Protest gegen die Montagsspiele zum Ausdruck gebracht hatten.

          Jeweils fünf Heim- und Auswärtsspiele stehen noch im Terminplan der Eintracht. Auch deren Gegner müssten zu Hause ohne Unterstützung der Fans auskommen. Was das für die Frankfurter bedeuten würde? Hütter kann sich vorstellen, dass es vor allem darauf ankommen werde, „sich schnell mit den Gegebenheiten auseinanderzusetzen“. In ihrer Vorstellungswelt sind Geisterspiele für die Eintracht-Profis durch die gemachten Erfahrungen immerhin greifbar.

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