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Eintracht gegen Spitzenreiter : „Schwierig ist doch schön!“

  • -Aktualisiert am

Um Tabellenführer Union zu bezwingen, werden Makoto Hasebe (links) und Sebastian Rode ihre Köpfe wieder besonders anstrengen müssen. Bild: Huebner

Im Duell mit Tabellenführer Union Berlin will die Eintracht ihre Heimschwäche ablegen. Dafür muss sie genauso frei aufspielen wie auswärts. Das Gute ist: Topteams liegen ihr.

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          Normalerweise spielen Bundesligamannschaften ungern gegen den Tabellenführer. Formstarke Gegner, die gerade einen Lauf haben, lösen in der Regel ein mulmiges Gefühl aus. Und im Fall von Union Berlin liest sich die Bilanz wirklich Respekt einflößend. Der Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga ist Saison übergreifend seit 14 Spielen ungeschlagen und steht mit 17 Punkten unangefochten auf Platz eins – nach Begegnungen mit Bayern München und RB Leipzig.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Die Frankfurter Eintracht aber freut sich darauf, den starken Widersacher zu empfangen, denn in dieser Saison tut sie sich zuhause gegen Mannschaften, die eher das Mittelmaß der Liga bilden, schwer. Der einzige Heimsieg bei vier Versuchen kam gegen Königsklassen-Dauergast RB Leipzig zustande, es war ein begeisterndes 4:0.

          „Ein paar Gedanken gemacht“

          Trainer Oliver Glasner gab vor der Auseinandersetzung mit den Köpenickern zu, dass die Mannschaft ihre Heimschwäche beschäftige und er sie thematisiert habe. „Ich habe die Spieler gefragt, wie sie es sehen und fühlen“, sagte Glasner. „Wir haben uns ein paar Gedanken gemacht, uns mit den Spielern ausgetauscht, ohne den blauen Elefanten an die Wand zu malen, den wir dann nicht mehr aus dem Kopf bekommen.“

          Bundesliga

          Bei den Gesprächen beschäftigte den Österreicher ein „komisches“ Phänomen, wie er es nennt. „Vor Corona war die Eintracht heimschwach, während den Geisterspielen heimstark und jetzt vor vollem Haus wieder heimschwach.“ Des Trainers Erklärung: „Wir setzen uns wohl selbst zu sehr unter Druck. Wir wollen zu sehr die eigenen gestiegenen Erwartungen und die Erwartungen unserer tollen Fans erfüllen.“

          Die Statistiken bestätigen Glasners Aussagen: In der Vorsaison war die Eintracht das drittschlechteste Heimteam der Liga, in 17 Begegnungen gelangen ihr nur vier Siege in der Frankfurter Arena. In der Phase ohne Zuschauer in den Stadien der Spielzeit 2020/21 gewann die Eintracht zehnmal im Frankfurter Stadtwald, holte 37 Punkte und wurde in der Heimbilanz nur von den Bayern übertroffen.

          „Alles ausblenden“

          „In dieser Spielzeit fällt auf, dass wir nicht so frei aufspielen wie auswärts. Wenn es nach einer halben Stunde nicht 3:0 steht, fragen wir uns, hoppla, was ist denn heute los“. Da Glasner weder 50.000 Union-Fans ins Stadion lotsen, noch ein Geisterspiel beantragen kann, rät er seinen Profis: „Es ist wichtig, alles auszublenden. Wir dürfen nicht denken, wir müssen gewinnen, sondern denken, was brauchen wir, um das Spiel zu gewinnen und dann mit Begeisterung aufspielen.“

          Glasner betonte, das Thema nicht dramatisieren zu wollen, aber auffällig sei schon, dass nur gegen die europäische Topmannschaft Leipzig seine Spieler frei gewirkt hatten, gegen die kein Sieg vorausgesetzt worden war.

          Räume finden

          Gegen Union Berlin bedarf es laut Glasner eine Menge, um zu gewinnen. „Sie haben eine tolle Defensivstruktur (nur vier Gegentore nach sieben Spieltagen), stehen extrem kompakt und mussten in dieser Saison bisher nur ein Gegentor aus dem Spiel heraus hinnehmen. Und sie sind mit die beste Umschaltmannschaft der Liga, erkennen extrem früh die Spielsituationen“, lobt Glasner.

          Die Kunst sei es, Räume zu finden oder zu kreieren, ohne zu Kontern einzuladen. „Wir wollen Torgefahr entwickeln, das wollten alle, aber es ist niemandem gelungen, noch nicht mal den Bayern und Leipzig, die immer für viele Tore gut sind“, so Glasner.

          Deshalb fordert der Eintracht-Trainer seine Profis zu einem klugen Risikomanagement auf, unter besonderer Berücksichtigung der Restverteidigung bei Ballbesitz. Zudem hofft er auf eine hohe Effektivität bei Standards. Was zuletzt eine Frankfurter Spezialität war. Die letzten fünf Treffer fielen nach Eckbällen oder Freistößen.

          Einen Plan habe er schon, Union zu bezwingen: „Aber ich kann viel erzählen, wir müssen es umsetzen. Auch gegen Wolfsburg hatten wir gute Ideen am Reißbrett und keine funktionierte.“ Dessen ungeachtet freue sich seine Mannschaft auf die Bewährungsprobe gegen den Tabellenführer. „Es wird schwierig, aber schwierig ist doch schön.“

          Auch der Berliner Frederik Rönnow wird sich auf die Begegnung mit der Eintracht und die Rückkehr nach Frankfurt freuen. Der dänische Torwart verließ 2020 frustriert den hessischen Klub, nachdem er zwei Jahre lang vergeblich versucht hatte, Kevin Trapp als Nummer 1 zu verdrängen. Nach einer ebenso schwierigen Zeit auf Schalke hat der 30-Jährige in Köpenick sein Glück gefunden. Von den 14 Bundesligaspielen, die Union in Serie unbezwungen ist, stand er elf Mal im Tor und ist endlich, was er immer sein wollte: Stammtorwart in der Bundesliga.

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