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Vor dem Saisonauftakt : Skibbe wird mutig

Daumen hoch: „Wir möchten das Niveau von vor zwei Jahren erreichen”, sagt Eintracht-Trainer Skibbe Bild: REUTERS

46 Punkte wie vor zwei Jahren: So viele dürfen es für den neuen Eintracht-Trainer „gerne wieder werden“. Die Frankfurter Fußballprofis fühlen sich für den Auftakt in Bremen gerüstet.

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          Wenn demonstrative gute Laune ein verlässlicher Indikator wäre, von dem sich der sportliche Verlauf des Bundesliga-Wochenendes ablesen ließe, müsste der Eintracht vor dem ersten Saisonspiel nicht bange sein. 28 Spieler tummelten sich am Donnerstagmittag in drei Gruppen beim Training in der Sonne vor der WM-Arena. Sie schienen allesamt bester Dinge: es wurde gelacht, gescherzt, und wer von den Hunderten Fans die langen Minuten des Wartens in der Hitze nicht scheute, konnte von einem freundlichen Bundesligaprofi ein Autogramm bekommen. So entspannt und ausnahmslos fröhlich wie in diesen Tagen vor der Premiere dürfte die Stimmung demnächst nicht mehr allzu oft sein.

          Am Samstag führt die Auftaktreise den neuen Trainer Michael Skibbe und seinen 18köpfigen Kader nach Bremen – alles andere als eine leichte Aufgabe. In der vergangenen Spielzeit sogar zweimal eine, bei der sich die Frankfurter Profis ordentlich blamierten. 0:5 hieß es jeweils im Herbst des Vorjahres und zuletzt im Frühjahr. Nach der peinlichen Vorstellung Anfang Mai nahm eine Entwicklung ihren Lauf, die kurz darauf in der Übereinkunft gipfelte, dass Trainer Friedhelm Funkel und die Eintracht sich trennen werden. „Das, was war, ist Geschichte“, sagte Marco Russ vor der Premiere berechtigterweise, „es geht von Neuem los. Und in Bremen ist für uns was zu holen.“

          Russ´ Formkurve zeigt nach oben

          Bei dem Verteidiger, der in der Innenverteidigung anders als Neuzugang Maik Franz gesetzt ist, zeigte die Formkurve zuletzt nach oben, was seine mutige Ankündigung erklären könnte. An den gezeigten Leistungen des Vierundzwanzigjährigen gab es wie bei den meisten seiner Kollegen zu Beginn der fast sechswöchigen Vorbereitung einiges auszusetzen. Doch Russ und der Rest steigerten sich im Laufe der Testphase, ehe unlängst der 3:0-Pokalsieg in Offenbach ein letzter ernstzunehmender Härtetest war, bei dem die Frankfurter „nicht glänzten“, wie Skibbe meinte, „aber die Aufgabe durchaus souverän“ lösten.

          Die ersten Wochen der Zusammenarbeit mit zum Teil enttäuschenden Testspielresultaten und Diskussionen um die Absetzung von Ioannis Amanatidis als Kapitän hat der Coach abgehakt. Er sieht sein Team für den Start ordentlich gerüstet: „Man spürt, dass die Mannschaft an Sicherheit gewonnen und den Glauben in ihre eigene Stärke gefunden hat.“ Weil die Kickers, bei allem Respekt, „dann aber doch nicht zur Top-Class des deutschen Fußballs zählen“, sei der Erfolg auf dem Bieberer Berg zwar gut fürs ohnehin gewachsene Selbstbewusstsein gewesen, doch eben auch ein Muster ohne den ganz großen Wert.

          „Uns steht die Reifeprüfung noch bevor“, sagte Skibbe, „wir wollen wieder einen Schritt nach vorne machen und in Bremen damit anfangen.“ Seit Ende Juni übt der seit Dienstag 44 Jahre alte Fußballlehrer mit der Eintracht für eine Spielzeit, in der unter seiner Regie – „wenn wir von schweren Verletzungen verschont bleiben“ – vieles besser werden soll. Er sagte aber auch: „Viel schlechter als im letzten Jahr kann es ja eigentlich auch nicht laufen.“

          „Niveau von vor zwei Jahren erreichen“

          Eine zutreffende Erkenntnis, die ihm die Arbeit allerdings nicht automatisch einfacher macht. Als Tabellendreizehnter mit 33 Punkten beschlossen die Frankfurter die 46. Saison seit Gründung der Eliteklasse – vorübergehend drohte sogar der vierte Abstieg. „So etwas will keiner mehr erleben“, sagte Skibbe. Stattdessen wünschten sich er und Vorstandschef Heribert Bruchhagen nicht nur „attraktiven und offensiven Fußball“, wie sie beide noch einmal unisono äußerten, sondern auch einen einstelligen Rang. „Wir möchten das Niveau von vor zwei Jahren erreichen“, sagte Skibbe. Ohne sich bei dieser ambitionierten Wunschvorstellung, die in Gesprächen mit dem Spielerrat um den neuen Kapitän Christoph Spycher reifte, auf eine exakte Punkteprognose festlegen zu wollen.

          Zur Erinnerung: Das Sportjahr 2007/2008, in dem die Mannschaft nach der Winterpause lange nahe am Optimum agierte, beendete die Eintracht auf dem neunten Tabellenplatz mit 46 Zählern. „Soviele dürfen es gerne wieder werden“, sagte Selim Teber forsch, der sich im Sommer aus Hoffenheim kommend der Eintracht anschloss – und den Wechsel von einem möglichen Champions-League-Aspiranten zu einem vermeintlichen Kellerkind „nicht einen Tag bereute: Es wird ständig besser bei uns. Skibbe macht seine Arbeit sehr gut, alle ziehen voll mit.“

          Neue Wertschätzung für Caio

          In Bremen setzt der Trainer nicht zuletzt auf die Schaffenskraft von Caio, der sich einer neuen Wertschätzung erfreut. Der Brasilianer, mit knapp vier Millionen Euro der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte, soll nach eineinhalb verlorenen Jahren endlich anhaltend für Paukenschläge rund um den gegnerischen Strafraum sorgen. „Ich erwarte von ihm, dass er im Spiel auf drei bis vier herausragende Aktionen kommt, aus denen sich für die Mannschaft Torchancen ergeben“, sagte Skibbe, der dem 23 jahre alten Mittelfeldmann ein gutes Zwischenzeugnis ausstellte: „Er kann den Unterschied machen und bemüht sich, vor allem in der Defensivarbeit dazuzulernen.“ Beim Gastspiel an der Weser kann Skibbe aus dem Vollen schöpfen.

          Durchs Raster fielen mit Mehdi Mahdavikia, Habib Bellaid, Faton Toski, Zlatan Bajramovic, Sebastian Jung und Marcel Heller sechs Profis, die mit Ausnahme von Mahdavikia am Wochenende in der U 23 zum Einsatz kommen. Über seine bevorzugte Formation mochte er keine Auskunft geben. „Mit der frühen Bekanntgabe des Kaders habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Ich werde die Aufstellung erst Stunden vor dem Spiel verkünden.“ Er deutete allerdings an, dass es zum Auftritt in Offenbach kaum Veränderungen geben dürfte. Ein Fragezeichen steht hinter Chris, der wegen muskulärer Probleme am Donnerstag pausieren musste – und mit zerknirschter Miene in der Umkleidekabine verschwand.

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