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Teure Spieler auf der Bank : Die Millionen-Missverständnisse der Eintracht

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Da hilft kein Flehen - derzeit sitzt Nikos Liberopoulos bei der Eintracht auf der Bank Bild: REUTERS

Vor einem Jahr für gut und teuer erachtet, finden sich einige Profis aus dem halben Dutzend nicht einmal auf der Auswechselbank wieder. Ümit Korkmaz, Habib Bellaid oder Nikos Liberopoulos etwa.

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          Ob das wirklich Zufall ist? All jene Spieler, die in den zwölf Monaten vor dem Antsantritt von Michael Skibbe teilweise für viel Geld verpflichtet worden sind, spielen unter dem neuen Trainer der Frankfurter Eintracht aktuell keine Rolle. Ein Blick zurück in den Sommer 2008: Ein paar Wochen nach der erfolgreichsten Saison nach mehr als einem Jahrzehnt – die Eintracht hatte die Bundesliga als Tabellenneunter abgeschlossen – hatte sich das Sportliche Triumvirat an der Spitze, der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen, der Sportliche Berater des Vorstandes Bernd Hölzenbein und der damalige Cheftrainer Friedhelm Funkel, auf Einkaufstour begeben.

          Für 2,5 Millionen Euro hatte die Eintracht den Abwehrspieler Habib Bellaid vom französischen Erstligaabsteiger Racing Straßburg geholt. Für 2,3 Millionen Euro war der österreichische Nationalspieler Ümit Korkmaz von Rapid Wien gekommen und für 900.000 Euro der deutsche U-21-Nationalspieler Markus Steinhöfer von Red Bull Salzburg. Dazu hatte die Eintracht noch ablösefrei von AEK Athen den griechischen Nationalspieler Nikos Liberopoulos verpflichtet. Zählt man die Wintertransfers von Leonard Kweuke (350.000 Euro Leihgebühr an Dunajska Streda) und Nikola Petkovic (500.000 Euro Ablöse an Roter Stern Belgrad) hinzu, hat die Eintracht alleine an Ablöse weit über sechs Millionen Euro für diese Spieler ausgegeben.

          Zwischen Bank und Tribüne

          Beim neuen Trainer Michael Skibbe spielt dieses halbe Dutzend keine Rolle mehr. Kweuke wurde schon früh als „untauglich“ für die Liga angesehen, steht inzwischen in Cottbus unter Vertrag. Die anderen fünf Spieler sitzen in Frankfurt entweder auf der Bank oder auf der Tribüne. Skibbe hält sie also ganz offensichtlich nicht für stark genug, um der Eintracht zu helfen. In der Reihe dieser „aussortierten“ Spieler gibt es allerdings noch Abstufungen. Überhaupt keine Chance hat offenbar Bellaid. Mehr oder weniger offen erklären die Frankfurter Verantwortlichen, dass der französische Juniorennationalspieler den Verein verlassen kann, wenn ein anderer Klub wenigstens einen Teil der angelegten Ablösesumme zu zahlen bereit ist.

          Bellaid, bei seiner Verpflichtung von der Scout-Abteilung noch als ganz großes Talent angepriesen, sollte zuletzt in die U 23 der Eintracht abgeschoben werden, hat aber dort zweimal kurzfristig wegen Verletzungen seine Einsätze abgesagt. Zwischen Tribüne und Bank befindet sich seit zwei Wochen Markus Steinhöfer. Vor den beiden Bundesligaspielen in Bremen und gegen Nürnberg war er zunächst jeweils für das neunzehn Spieler umfassende Aufgebot nominiert, doch beide Male wurde er dann als letzter Profi gestrichen. „Natürlich bin ich enttäuscht“, sagt Steinhöfer, in der vergangenen Saison noch einer der besten Vorbereiter der Eintracht. Der Trainer habe mit ihm über die Ausbootung nicht gesprochen. „Ich will spielen und werde im Training weiter Gas geben“, sagt Steinhöfer, „ich hoffe, dass ich irgendwann meine Chance bekomme.“

          Stürmer als „Härtefälle“

          Durchaus erstaunt dürfte Steinhöfer gewesen sein, als ihm am vergangenen Wochenende sogar Zlatan Bajramovic vorgezogen worden ist. Der bosnische Nationalspieler hat keines der beiden Trainingslager der Eintracht mitgemacht, er hat bei keinem der insgesamt elf Privatspiele gegen den Ball getreten, er hat nicht einmal mehr als drei Tage in Folge mittrainiert. Und doch hat dann er gegen Nürnberg einen Platz im Aufgebot bekommen und wurde sogar eingewechselt. Womöglich haben Trainer Skibbe und der Spieler selbst dessen Fitness überschätzt. Denn Bajramovic haben die drei Einsätze in fünf Tagen in drei verschiedenen Mannschaften, zunächst am Mittwoch in der Nationalmannschaft Bosniens gegen Iran, dann am Samstag in der Bundesliga gegen Nürnberg und zudem noch am Sonntag in der U 23 gegen Pfullendorf, nicht gutgetan. Wegen Leistenschmerzen muss Bajramovic nun schon wieder pausieren.

          Die beiden Stürmer Ümit Korkmaz und Nikos Liberopoulos gehören bei der Eintracht in die Kategorie „Härtefälle“. Wie der Serbe Petkovic wurden die beiden Nationalspieler vom neuen Trainer noch nicht für eine einzige Minute gebraucht. Dabei war Korkmaz vor einem Jahr noch der große Hoffnungsträger und Liberopoulos in der vergangenen Saison der beste Torschütze. Im Grunde sind die Nichtberücksichtigungen von Steinhöfer, Bellaid, Liberopoulos und Korkmaz ein klares Urteil des neuen Trainers über die Personalpolitik, die sein Vorgänger gemeinsam mit dem Vorstandschef und dem Vorstandsberater verfolgt hatten.

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