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Eintracht Frankfurt : Die Psychotricks des Adi Hütter

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„Führen bedeutet für mich auch, Spieler dort hinzubringen, wo sie allein nicht hinkommen“: Adi Hütter Bild: dpa

Wo Adi Hütter Trainer ist, stellte sich bisher der Erfolg ein. Nun stellt der Österreicher von Eintracht Frankfurt als Ko-Autor ein Buch vor – und verrät dabei, was ihm wichtig ist und mit welchen Mitteln er arbeitet.

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          Zweimal Zweiter mit Young Boys Bern war der Fußballtrainer Adi Hütter schon geworden. Im dritten Anlauf, in der letzten Saison (2017/2018) des Österreichers in der Schweiz, sollte es deshalb der Meistertitel zum krönenden Abschluss werden. Und Hütter, der heute Eintracht Frankfurt in der Bundesliga betreut, ließ damals jeden Berner Spieler ein Bild malen. Wie sie sich die Meisterschaft in den schönsten Farben vorstellen, war ihr Thema. Diese Bilder hingen dann – in Klarsichtfolien verpackt – in der Kabine im Spind eines jeden Spielers. Der tägliche Anschauungsunterricht zeigte große Wirkung, mit dem ersten Meistertitel nach 32 Jahren wurden die Bilder in Bern im Sommer 2018 tatsächlich Realität.

          Auch auf seine erfolgreiche Zeit in der Schweiz blickte Hütter am Mittwochabend vor 350 Gästen aus der Wirtschaft in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt zurück. Der 49-Jährige und sein langjähriger Freund und Ratgeber, der Mentalcoach und Unternehmensberater Jörg Zeyringer, stellten ihr gemeinsames Sachbuch mit dem Titel „Teamgeist – Wie man ein Meisterteam entwickelt“ (253 Seiten, Springer Verlag, 17,99 Euro) vor. In seiner Heimat holte Hütter mit RB Salzburg sogar das Double. Und mit dem vergleichsweise finanzschwachen „Dorfverein“ SV Grödig war er davor in die erste Liga aufgestiegen und qualifizierte sich in der darauffolgenden Spielzeit gleich für den Europapokal. „Meisterteam bedeutet nicht, dass du Erster werden musst. Es kann auch eine meisterliche Leistung sein“, sagte Hütter. In der Vorsaison mit der Eintracht das Finale der Europa League knapp verpasst zu haben, setzt Hütter ebenfalls mit einer „meisterlichen Leistung“ gleich.

          Wo Hütter Trainer ist, stellte sich bisher der Erfolg ein. Ein ängstlicher Trainer mit wenig Vertrauen in seine Mannschaft wollte Hütter nie sein. Als Mannschaftskapitän hatte der gebürtige Vorarlberger im österreichischen Spitzenfußball schon früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen und das große Ganze zu sehen. Hütter lebt mit Hingabe die Haltung vor, an etwas zu glauben. „Führen bedeutet für mich auch, Spieler dort hinzubringen, wo sie allein nicht hinkommen“, sagt er.

          In Grödig hatte Hütter die Vision, gemeinsam mit seinen Spielern „Berge versetzen“ zu wollen. Dort trugen seine Profis ganz bestimmte Bilder vom großen und finalen Erfolgsfall mit sich im Kopf herum. Bei jeder Besprechung vor den Spielen sagte Hütter dann zu ihnen: „Macht die Augen zu! Holt euch eure Bilder vor euer geistiges Auge und taucht in die Emotionen ein, die ihr damit verbindet.“ Das Resultat: „Es war jedes Mal ein Feuerwerk. Wir sind mit zehn Punkten Vorsprung aufgestiegen.“

          Als Fußballlehrer schätzt Hütter den Mut zum Risiko. Ihm sind die Stärken und Chancen wichtiger als Befürchtungen und Sorgen. „Wenn du jedes Jahr deine Ziele erreichst, waren sie womöglich zu niedrig gesteckt“ – das hat, so Hütter, der österreichische Stardirigent Herbert von Karajan gesagt.

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