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Neuzugang Stefan Ilsanker : So schön kann Frankfurt sein

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Neuer Verein, neues Glück? Stefan Ilsanker kommt in Frankfurt an. Bild: Jan Huebner

Lange war Stefan Ilsanker eine prägende Figur bei RB Leipzig. Dann war er kaum noch gefragt und wechselte auf den letzten Drücker nach Frankfurt. Und der Österreicher kommt schnell bei der Eintracht an.

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          Diese Antwort könnte irgendwann einmal bei Günther Jauchs Quiz „Wer wird Millionär?“ viel Geld wert sein. Welcher Fußballprofi kam in der Bundesliga zum Einsatz, bevor er mit seiner Mannschaft trainiert hatte? Stefan Ilsanker! Der 30 Jahre alte österreichische Nationalspieler wurde am letzten Tag des Winter-Transferfensters von der Frankfurter Eintracht verpflichtet und gab keine 24 Stunden später sein Debüt gegen Fortuna Düsseldorf. „Es waren turbulente Tage“, sagte der Halleiner am Mittwoch mit einem Lächeln, als er der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Das Pokalspiel am Abend zuvor gegen seinen alten Verein RB Leipzig hatte der Schlaks nicht mitmachen dürfen, das war Gegenstand des Vertrages. Aber deswegen war er den Sachsen nicht böse, im Gegenteil: „Ich möchte mich bei RB bedanken, dass sie den Wechsel auf den letzten Drücker noch möglich gemacht haben.“

          DFB-Pokal
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Viereinhalb Jahre verbrachte Ilsanker in Leipzig, zweieinhalb Jahre davon gehörte er als Innenverteidiger und defensiver Mittelfeldspieler zu den prägenden Figuren der aufstrebenden Mannschaft. Doch dann wurde der Kader immer weiter – bis hin zur Champions-League-Reife – verstärkt, und für den Österreicher war immer seltener Platz in der Startelf. In dieser Saison kam er in der Bundesliga-Hinrunde nur sieben Mal zum Einsatz, davon vier Mal über 90 Minuten. Eine Beschäftigungsquote, die ihm deutlich zu niedrig war angesichts seiner Ambitionen, mit der Nationalmannschaft 2020 an der Europameisterschaft teilzunehmen. Ilsanker drang auf einen Wechsel, RB gab dem Wunsch spät doch noch nach. Schließlich wäre sein Vertrag im Sommer ausgelaufen, und der 1,89 Meter große Athlet hätte ablösefrei gehen können.

          Die Vereine vereinbarten über das Finanzielle Stillschweigen, aber teuer kann es für die Eintracht nicht geworden sein. Für geschätzte 500.000 Euro Ablöse bekommt die Eintracht einen 42-maligen Nationalspieler, der seine Bundesligatauglichkeit nachgewiesen hat und den Trainer Adi Hütter und Innenverteidiger Martin Hinteregger sehr genau kennen. Mit Hinteregger spielte Ilsanker in jungen Jahren bei Red Bull Salzburg zusammen, mit Hütter in noch jüngeren Jahren ebenfalls. „Adi Hütter ließ in der zweiten Mannschaft von RB Salzburg seine Karriere ausklingen, wir Junioren haben zu ihm aufgeschaut und uns einiges von ihm abgeschaut.“

          Schon als Kind sei sein heutiger Trainer für ihn ein Held gewesen, „weil er gemeinsam mit meinem Vater Herbert in einer Mannschaft gespielt hat. So wie sie wollte ich auch immer werden.“ Ilsanker erinnert sich noch an den Spitznamen Hütters: „Er hieß Euro-Adi, weil er Salzburg in den Uefa-Cup geschossen hatte.“ Ilsankers Spitzname lautet „Ilse“. „Woher er kommt, müssen Sie meinen Vater fragen, schon er, mein Opa und mein Bruder wurden ,Ilse‘ genannt. Mein Freundeskreis war nicht sehr kreativ und übernahm ihn einfach.“

          Bei dieser ausgeprägten gemeinsamen Vergangenheit überrascht es nicht, dass Hütter und Ilsanker noch einmal zusammengefunden haben. Der defensive Mittelfeldspieler freut sich darauf, erstmals in seiner Karriere bei einem echten Traditionsklub zu spielen, nachdem er in Salzburg und Leipzig Teil der Fußball-Projekte des Getränke-Unternehmers Mateschitz gewesen war: „Endlich kann ich die Atmosphäre im Frankfurter Stadion einmal genießen, weil ich jetzt auf der richtigen Seite bin. Es ist eines der lautesten Stadien in der Welt.“ Als Gegner sei es schwierig in Frankfurt. „Man hat gerade am Dienstag im Pokalspiel wieder gesehen, was 50 000 Zuschauer bewirken können. Da macht man als Spieler noch mal die Extra-Meter, wenn man hochgepeitscht wird.“ Als Gegner allerdings sei es nicht so schön: „Wir sind nicht gerne nach Frankfurt gefahren.“

          Vor zwei Jahren bezeichnete Ilsanker Teile des Frankfurter Publikums als „Vollidioten“, weil sie gegen die Montagsspiele protestierten, indem sie Hunderte von Tennisbällen aufs Spielfeld warfen. Dafür hat er sich nun entschuldigt, als Reaktion auf negative Fan-Kommentare im Internet bei seiner Verpflichtung. Ilsanker beschäftigt zudem ein weit unangenehmeres Problem. Die Salzburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines Vorwurfs der Vergewaltigung. Seine Anwälte weisen den Vorwurf zurück. Ilsanker sagte auf Nachfrage: „Heute und in näherer Zukunft werde ich mich nur zu sportlichen Fragen äußern.“

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