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Ilsanker-Wechsel zur Eintracht : Verstärkung vom Tabellenführer

Aus Leipzig kommend soll Stefan Ilsanker den Kader von Eintracht Frankfurt in der Rückrunde ergänzen. Bild: dpa

Am letzten Tag der Transferperiode schlägt die Eintracht zu und verpflichtet Stefan Ilsanker. Der Österreicher könnte sofort gefordert sein. Talent Dejan Joveljic hingegen muss sein Spind in Frankfurt räumen.

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          Die Frankfurter Spezialisten haben wieder auf den letzten Tag gesetzt. Wie schon in vergangenen Transferperioden wurden bei der Eintracht in der Mannschaftskabine Spinde freigeräumt. Dass gut zwei Stunden vor dem Ablauf der winterlichen Transferperiode die Verpflichtung von Stefan Ilsanker bestätigt wurde, war keine Überraschung. Seit Tagen schon war sich Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic mit dem für RB Leipzig spielenden Fußballprofi über einen Arbeitsvertrag in Frankfurt einig. Der defensive Mittelfeldspieler ist bis einschließlich 30. Juni 2022 an die Hessen gebunden. Ilsanker, 30 Jahre alter Österreicher, fühlt sich eigentlich auf der sogenannten Sechserposition am wohlsten. Beim Bundesliga-Primus RB Leipzig hat er gezeigt, dass er auch in der Innenverteidigung sowie auf der rechten Abwehrseite durchaus seinen Mann steht.

          Fünf Jahre war Ilsanker bei RB; zuvor war er von 2012 bis 2015 bei Red Bull Salzburg angestellt. Eine Zeit, die durchaus Einfluss beim jetzigen Wechsel nach Frankfurt genommen haben dürfte. Ilsankers damaliger Trainer ist auch sein heutiger: Adi Hütter. 2015 haben die beiden Österreicher mit Salzburg das Double gewonnen. Mit Leipzig schaffte Ilsanker den unaufhaltsamen Aufstieg von RB von der zweiten Liga bis in die Champions League, woran auch der 42-malige Nationalspieler in 131 Pflichtspieleinsätzen Anteil hat. „Mit Stefan Ilsanker haben wir einen erfahrenen und bundesligaerprobten Spieler für uns gewinnen können“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic am Freitag. „Vor allem ist er ein Spieler, der der Mannschaft sofort weiterhelfen kann und uns zu mehr Flexibilität verhilft. Wir haben somit wie im vergangenen Jahr auch in der Winterpause den Kader punktuell verstärkt.“

          Ilsankers ursprünglicher Vertrag in Leipzig wäre im Sommer ausgelaufen, über die nun fällige Ablöse haben beide Vereine Stillschweigen vereinbart. Auch zu der zweiten Personalentscheidung kurz vor Transferschluss wurden finanzielle Details ausgeblendet. Bekannt ist aber: Dejan Joveljic zieht es von Frankfurt nach Brüssel. Der serbische U-21-Nationalspieler, bei der Eintracht bislang nicht über den Status eines Mitläufers hinausgekommen, ist an den RSC Anderlecht ausgeliehen worden. Der belgische Rekordmeister, früher eine geachtete Größe im europäischen Vereinsfußball, spielt aktuell eine überaus schwache Saison und ist nach 23 Spielen lediglich Neunter.

          Joveljic, 20 Jahre alt, war im vergangenen Sommer vom serbischen Vorzeigeklub Roter Stern Belgrad zur Eintracht gekommen, was sich die Verantwortlichen fünf Millionen Euro kosten ließen. Mancher sah in dem jungen Angreifer schon einen möglichen Nachfolger für den zu Real Madrid abgewanderten Luka Jovic. Das war ein Trugschluss. Trainer Hütter hatte stets betont, dass Joveljic bei allem Talent Zeit brauche, um zu reifen. Am Freitag, wenige Stunden vor der Abreise in den Westen zum Auswärtsspiel bei der Düsseldorfer Fortuna, betonte Hütter nochmals, wie zufrieden er trotz des nun bis Ende der laufenden Saison vollzogenen Leihgeschäfts mit der Entwicklung von Joveljic ist. „Es geht ja um die Entwicklung eines jungen Spielers, und der Junge gefällt mir sehr gut. Er braucht Spielpraxis.“ Beim RSC Anderlecht soll er sie nun bis zum Sommer bekommen.

          „Lotteriespiel“ in Düsseldorf

          Unterdessen ist die Unterstützung der Eintracht ungebrochen. Auch für das Auswärtsspiel bei der Fortuna haben die Fans beherzt zugegriffen. Alle 5230 zur Verfügung stehenden Tickets für die Partie an diesem Samstag in Düsseldorf (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und auf Sky) sind vergriffen. Rückhalt kann die Mannschaft von Trainer Hütter gut gebrauchen. Schließlich bekommt sie es mit einem unangenehmen Gegner zu tun, der seit Mittwoch wieder mehr Hoffnung verspürt, vielleicht doch noch den Klassenverbleib zu schaffen.

          Dafür haben sie beim Tabellenletzten zu einem beliebten Mittel gegriffen. Sie haben mit Friedhelm Funkel den erfahrensten Trainer der Liga in den Ruhestand geschickt. Statt seiner soll es nun Uwe Rösler richten. Ein 51 Jahre alter Fußballlehrer, der ausnahmslos im Ausland beschäftigt war und dort viel herumgekommen ist, in der Bundesliga aber ein Grünschnabel ist. „Es ist ein bisschen wie ein Lotteriespiel für uns“, sagt denn auch Eintracht-Coach Hütter, der sich „selbstverständlich Videos von Röslers letzter Station in Malmö“ angeschaut hat.

          Erkenntnisgewinn? Auch Rösler ist ein Freund der Variabilität, lässt mal mit Dreier-, mal mit Viererkette spielen. Daher sei es für Hütter nicht einfach, die Fortuna vorab auszurechnen. „Das ist eine ordentliche Mannschaft“, lobte Hütter. „Schade für Friedhelm, dass er nicht mehr dabei ist. Ich mag ihn sehr gern. Er ist ein alter Trainerhaudegen.“ Einer, der Düsseldorf wieder ins Rampenlicht der Bundesliga zurückgebracht hat, aber nach der furios verlaufenen vergangenen Saison, die der Klub als überraschender Zehnter beendete, schnell erkannte, dass der Weggang seiner beiden besten Spieler Dodi Lukebakio und Benito Raman nicht zu kompensieren ist.

          Aus seiner Gegneranalyse weiß Hütter, dass Düsseldorf „schnell zum Abschluss kommt“. Da gelte es auf der Hut zu sein. Andererseits ist dem 49 Jahre alten Österreicher sehr wohl bewusst, dass die Favoritenrolle bei der Eintracht liegt. „Wir müssen versuchen, nach zwei Siegen aus zwei Spielen unseren Lauf fortzusetzen. Es geht um unglaublich wichtige drei Punkte.“ Hütter ahnt: „Es geht um den Kampf in Düsseldorf.“ Die Partie bildet den Auftakt eines arbeitsintensiven Monats. Innerhalb von 27 Tagen muss die Eintracht sieben Pflichtspiele in den drei Wettbewerben Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League bestreiten. Deshalb wird Hütter seine Mannschaft zum Rotieren bringen. Binnen Wochenfrist wird sich das Personaltableau ändern. Denn nach dem Auftakt in Düsseldorf gilt es, am Dienstag im Pokal gegen Leipzig ebenso wie drei Tage später in der Liga gegen den FC Augsburg gewappnet zu sein. Auch Stefan Ilsanker wird gefordert sein.

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