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Verletzter Eintracht-Torwart : Das große Pech des Kevin Trapp

  • -Aktualisiert am

Schmerz lass nach! Kevin Trapp steht eine lange Leidenszeit bevor. Bild: Imago

Der Schock über die Schulterverletzung des Stammtorhüters sitzt tief bei Eintracht Frankfurt. Nun kommt es auf den Stellvertreter von Kevin Trapp an – der zuletzt keine Rolle spielte.

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          Vier Tage dauerte es bei Kevin Trapp, bis die schlimmsten Befürchtungen wahr wurden. Der 29 Jahre alte Torhüter der Eintracht wird in der Hinrunde und damit in diesem Jahr aus Verletzungsgründen kein Spiel mehr für den Tabellenneunten der Bundesliga bestreiten können – diese Hiobsbotschaft machte der Klub am Dienstag öffentlich. Der Grund für die lange Ausfallzeit von Trapp ist ein Anriss der Rotatorenmanschette in der linken Schulter. Zugezogen hatte sich der Torwart und Führungsspieler die schwerwiegende Blessur am vergangen Freitag im mit 2:1 gewonnenen Auswärtsspiel gegen Union Berlin, als er kurz vor Spielende mit seinem Mannschaftskollegen Makoto Hasebe in der Luft zusammengeprallt und im Anschluss an einen Salto hart auf dem Boden aufgeschlagen war. Der Nationaltorhüter muss sich nun einer Operation unterziehen. Die Erstdiagnose der Eintracht vom Spieltag hatte am Montag ein Schulterspezialist zum Schrecken aller Beteiligten bestätigt. „Nach dem Spiel hatte ich nicht das Gefühl, dass es so schlimm ist“, sagte Trapp. Im ersten Moment, so fügte er an, sei es für ihn ein „schwerer Schlag“ und „eine Riesenenttäuschung“ gewesen. Zuletzt habe er sich „wieder richtig gut gefühlt auf dem Platz“.

          Der Schock in Reihen der Frankfurter sitzt tief. „Das ist leider keine gute Nachricht für Kevin und für uns“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. „Wir wünschen ihm gute Besserung und sind zuversichtlich, dass er in bester Verfassung zurückkommt.“ Wann genau das im Anschluss an seine Reha sein wird, ist unklar. Womöglich wird Trapp je nach Heilungsverlauf noch länger als die kommenden drei Monate pausieren müssen. Im Hinblick auf dessen Stellvertreter Frederik Rönnow betonte Hübner, dass dem Ersatztorwart in neuer Rolle das „vollste Vertrauen“ der Verantwortlichen gelte. Rönnow, die nominelle Nummer zwei im Kader, werde Trapp „sicherlich gut vertreten“. Der 27 Jahre alte Däne ist noch ohne Pflichtspieleinsatz in dieser Saison. Zu Beginn der Qualifikationsspiele für die Europa League – zu diesem Zeitpunkt gehörte Trapp noch zum Kader von Paris St. Germain – musste Rönnow ebenfalls wegen einer Schulterverletzung passen.

          So kam sein Kollege Felix Wiedwald, der in der zurückliegenden Runde an den Zweitliga-Absteiger MSV Duisburg ausgeliehen war, unerwartet zu drei Einsätzen. Ihn hatte die Eintracht nicht für die Gruppenphase in der Europa League gemeldet. Aufgrund des Ausfalls von Trapp können die Frankfurter Wiedwald jedoch für den internationalen Wettbewerb nachmelden. „Es sind alles sehr gute Torhüter“, sagte Trapp über seine Mitstreiter. Seine erste Bewährungsprobe für die Eintracht als zeitlich befristete Nummer eins hat Rönnow an diesem Donnerstag (21 Uhr) beim portugiesischen Klub Vitoria Guimaraes im zweiten Gruppenspiel. Dass dessen in Berlin erlittene Gehirnerschütterung Hasebe ebenfalls zu einer Pause zwingt, ist auf der Personalseite ein weiterer herber Verlust für die Eintracht. Der Japaner als Abwehrchef und Trapp im Tor sind die beiden Frankfurter Profis, die als Stützen aus der Mannschaft am wenigsten wegzudenken sind. Für Trapp ist es die dritte schwere Verletzung in seiner Karriere. 2013 hatte er sich ausgerechnet bei einem Werbedreh für die deutsche Nationalmannschaft die Mittelhand gebrochen. Im darauffolgenden Jahr stoppte ihn ein Syndesmosebandriss.

          Dreimonatige Zwangspause

          Die mehrmonatige Zwangspause von Trapp ist jetzt die Gelegenheit für Rönnow, sich endlich über einen längeren Zeitraum im Eintracht-Tor zu beweisen. Dessen Verletzungsanfälligkeit verhinderte in Frankfurt sein Fortkommen – vor allem im Sommer 2018 unmittelbar nach seinem Wechsel von Bröndby IF zur Eintracht, als er den Großteil der Vorbereitung mit einer Knieverletzung verpasste und es der Sportlichen Leitung deshalb zu riskant war, auf den Dänen als Stammtorhüter zu setzen. Die Frankfurter entschieden sich dazu, Trapp als sichere Variante zunächst als Leihspieler aus Paris zurück zu holen. Für den für drei Millionen Euro verpflichteten Rönnow bedeutete das, dass er den angedachten Status als Nummer eins im Tor von Anfang an los war. Unter dem Strich kamen bei ihm nur sechs magere Einsätze, davon jeweils zwei in der Bundesliga und in der Europa League, zusammen. Zum letzten Mal hütete Rönnow das Eintracht-Tor in einem Pflichtspiel am 13. Dezember 2018 beim 2:1-Erfolg bei Lazio Rom.

          Durch die feste Verpflichtung von Trapp plante Rönnow, die Eintracht eigentlich in diesem Sommer zu verlassen. Denn der Posten des Stammtorwarts wird für ihn in Frankfurt in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit unerreichbar bleiben. Rönnow braucht aber Spielpraxis bei einem respektablen Klub, will er seine Nationalmannschaftskarriere nicht aufs Spiel setzen. Zu Beginn der Qualifikationsspiele in der Europa League hätte sich Rönnow potentiellen Interessenten gut präsentieren können. Nur stand ihm wie so oft im entscheidenden Moment eine Blessur im Weg. Für den im Prinzip Abwanderungswilligen fand sich kein Abnehmer bis zum Ende der Transferperiode Anfang September. Jetzt bietet sich Rönnow durch das Pech und die schwere Verletzung von Trapp die einmalige Chance, als Nummer eins auf Zeit im Eintracht-Tor auf sich aufmerksam zu machen.

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