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Eintracht Frankfurt : Funkel lässt Dampf ab

„Was wir geleistet haben, wird nicht anerkannt”, meint Friedhelm Funkel Bild: dpa

Friedhelm Funkel schäumt. „Es wird seit Tagen schlechte Stimmung verbreitet“, beschwert sich der Trainer der Frankfurter Eintracht. Und sieht seine Leistung nicht ausreichend gewürdigt.

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          Es war fast wie einst in einem Fernsehstudio in Rejkjavik. Damals, am 6. September 2003 ist das gewesen, verlor Rudi Völler, der Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, nach dem torlosen 0:0 gegen Island die Contenance und giftete Fernsehmoderator Waldemar Hartmann an („Du sitzt hier locker und in aller Ruhe und hast schon drei Weizenbier getrunken“). Diesmal nun war es Friedhelm Funkel, der mächtig Dampf abließ und sich seinen Ärger von der Seele redete.

          Offensichtlich erregt von ausnahmslos negativen Leserzuschriften der Bild-Zeitungsaktion „Sagen Sie der Eintracht Ihre Meinung“, geriet der Trainer der Frankfurter Eintracht für seine Verhältnisse fast schon in einen verbalen Rauschzustand. „Hier wird alles nur schlecht gemacht“, beklagte er sich am Donnerstag, nachdem er sich zuvor noch spielend unter seine Profis gemischt hatte, um bei der Trainingspartie das Fehlen von Benjamin Köhler auszugleichen. „Es wird seit Tagen schlechte Stimmung verbreitet.“

          „Großes Lob an unsere Scouting-Abteilung“

          Schlechte Stimmung – Funkel erachtet dies als ungerecht und für völlig verfehlt. „Schauen Sie sich doch an, wen wir verpflichtet haben. Der Iraner Mahdavikia ist ein hundertfacher Nationalspieler, der Japaner Inamoto ist ein siebzigfacher Nationalspieler. Das sind Idole und Knaller in ihren Ländern. Und genau diese Leute haben wir verpflichtet. Das ist doch toll von Eintracht Frankfurt.“

          Einmal in Fahrt geraten, setzte Funkel in Verbindung mit den beiden Neuzugängen Mahdavikia und Inamoto zu einem Sonderlob an. „Großes Lob an unsere Scouting-Abteilung und an unsere Beziehungen, die wir haben.“ Wobei außer Frage steht, dass weder der Japaner noch der Iraner besonders beobachtet werden mussten. Man wusste schon vor ihrem Engangement in Frankfurt, dass sie Fußball spielen können.

          Erst bei Arsenal, jetzt in Frankfurt

          Dass seit ein paar Tagen Rufe nach weiteren Verstärkungen, vor allem für den Sturm, laut werden, entspricht wohl auch Funkels Wunschdenken. Doch vordergründig ist der 53 Jahre alte Trainer mehr als zufrieden mit dem, was die Führung der Eintracht Frankfurt Fußball AG bislang möglich gemacht hat. „Nehmen wir zum Beispiel Mahdavikia“, sagte Funkel. „Der hatte Angebote und hätte locker nach Spanien oder England gehen können. Andere Vereine haben sich die Finger nach ihm geleckt, aber wir haben ihn gekriegt. Wichtig ist ihm nämlich auch gewesen, dass sein Junge in eine deutsche Schule gehen kann.“ Zu Inamoto sagte Funkel: „Der Junge war bei Arsenal, jetzt ist er bei uns. Das ist ein Riesenfußballer, der der Mannschaft in all ihren Bestandteilen helfen kann. In seiner Heimat Japan ist er ein Volksheld.“

          Idol, Knaller, Volksheld – in seiner bisherigen, mehr als drei Jahre währenden Dienstzeit bei der Eintracht hat man von Funkel („Ich bin schon so lange dabei, mich bringt nichts aus der Ruhe“) derartige Lobgesänge nicht gehört. Andererseits: Funkel war der einzige aus der Führungscrew des Frankfurter Bundesligaklubs, der am Donnerstag attackieren und angreifen konnte. Heribert Bruchhagen und Thomas Pröckl, die beiden hauptamtlichen Vorstandsmitglieder, die zugleich über die Geschäftsstelle wachen, sind im Urlaub.

          „Was wir geleistet haben, wird nicht anerkannt“

          Vermutlich hätte Funkel an diesem denkwürdigen Donnerstag auch keinen Beistand des Managers benötigt. In seinem Redefluss ließ er sich nicht unterbrechen und führte an: „Was wir geleistet haben, wird nicht anerkannt. Diese Negativstimmung hat der Verein nicht verdient. Seit drei Jahren haben wir alle Ziele erreicht und uns stetig weiterentwickelt. Das ist an der Tabelle und an den Punkten abzulesen.“

          Vielleicht ist es ganz gut, dass Funkel nach seinem Rundumschlag gemeinsam mit seiner Mannschaft Frankfurt auf Zeit den Rücken kehrt und an diesem Freitag über die Zwischenstation Wuppertal in das zweite Sommertrainingslager in das provinzielle Herzlake aufbricht. In der norddeutschen Tiefebene, so gut wie unter Ausschluss der Öffentlichkeit, kann der Eintracht-Trainer ungestört an Form und Formation basteln. „Volksheld“ Inamoto wird dabei sein, „Knaller“ Mahdavikia noch nicht.

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