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Präsident wiedergewählt : Der Wächter der Eintracht

Zeigt an, wo es hingehen könnte: Eintracht-Präsident Peter Fischer bei der Mitgliederversammlung Bild: Huebner

Peter Fischer wird als Präsident wiedergewählt, erhält dabei aber mehr Gegenwind als früher. An der Basis rumort es wegen eines Plans zur Gewinnung von Eigenkapital.

          4 Min.

          Die Zeit läuft seit Montagabend. „Gegner“ im prominenten Privatduell bei Eintracht Frankfurt sind: Vereinspräsident Peter Fischer, der früher Basketball gespielt hat, und der aktuelle Eintracht-Profi Makoto Hasebe, er wird im Januar 39 Jahre alt. „Endet zuerst deine Zeit als Präsident oder die von Hasebe? Das ist die entscheidende Frage.“ Mit diesen launigen Worten wandte sich Axel Hellmann, der Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG, auf der Mitgliederversammlung ans prächtig amüsierte Publikum, das mit großem Gelächter reagierte. Hasebe, der im Profiteam als Cheforganisator der Abwehr gerade wieder unentbehrlich ist, verlängerte seinen Vertrag in den vergangenen Jahren jeweils um zwölf Monate. Und Fischer? Der 66-Jährige bleibt nach seiner Wiederwahl für die kommenden vier Jahre Vereinsoberhaupt und geht in seine achte Amtszeit. Das Rennen um den Ruhestand ist seit Montagabend eröffnet.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Von den 625 stimmberechtigten Mitgliedern sprachen sich 79,85 Prozent (420 Ja-Stimmen und 106 Nein-Stimmen) für eine weitere Amtszeit von Fischer aus. Bei den offiziell von der Eintracht verkündeten knapp 80 Prozent wurden die 99 Enthaltungen jedoch nicht berücksichtigt, sonst wären es nur 67,2 Prozent Zustimmung für Fischer gewesen. Im Jahr 2018 hatte er noch 99 Prozent der Ja-Stimmen bekommen. Ein Hauch von Götterdämmerung. Trotzdem sagte er, nachdem die Versammlung nach mehr als fünf Stunden in der Wolfgang-Steubing-Halle am Riederwald beendet war: „Das ist ein verdammt gutes Ergebnis. Ich kann damit absolut leben. Ich habe mit ein bisschen weniger gerechnet.“

          Die Mitglieder hatten sich für eine geheime Wahl ausgesprochen und gegen eine Abstimmung per Handzeichen votiert – auch das wird dazu beigetragen haben, dass das Ergebnis für Fischer-Verhältnisse mager ausfiel. Von den Ultras hatte der Präsident schon vorab in einem persönlichen Gespräch erfahren, dass es Gegenstimmen und Enthaltungen geben würde. Sie waren mit Aussagen von Fischer nicht zufrieden. Eine Kampagne gegen Fischer sahen Eintracht-Insider aber nicht. Andere Anhänger von Eintracht Frankfurt wiederum hatten sich darüber geärgert, dass gewaltbereite Frankfurter Ultras und Hooligans an Karten für das Champions-League-Spiel in Marseille gekommen waren. Viele „normale Fans“ hingegen waren leer ausgegangen, die Bevorzugung der Ultras bei der Kartenvergabe stellen sie nun in Frage.

          Die Aufarbeitung der Vorkommnisse in Marseille – dort hatte es heftige Zuschauerausschreitungen gegeben – sei „nicht vorbei“, kündigte Fischer an. „Marseille war wie Bürgerkrieg. Es war nichts anderes als Hass. Unsere Fans sind durch die Stadt gejagt worden, wir haben einen Schwerverletzten, unsere Kurve wurde ständig beschossen“, sagte der Präsident. Doch auch „von unserer Seite“ habe es „Fehlverhalten“ gegeben. „Es gibt dicke rote Grenzen: Pyro aus der Hand, Platzsturm – das müssen wir sanktionieren und können es nicht hinnehmen“, betonte der Präsident.

          Der fünftgrößte Klub in der Bundesliga

          Fischer steht dem Verein seit dem Jahr 2000 voran. In dieser langen Zeit hatte er nur einen Gegenkandidaten: Reiner Schäfer 2015. Kurz vor der Wahl zog dieser damals seine Kandidatur wegen Aussichtslosigkeit zurück. Unter dem Präsidenten Fischer wuchs die Mitgliederzahl rasant auf heute 115.112. Nach den Bayern, Schalke, Dortmund und Köln ist die Eintracht nun der fünftgrößte Klub in der Bundesliga. „Liebe Kölner! Ihr habt 5000 oder 6000 Mitglieder mehr als wir. Aber wir kriegen euch, zieht euch warm an“, posaunte der Präsident. Aus seiner Sicht symbolisiert die Frankfurter Mitgliederzahl „die absolute Strahlkraft, die wir in Deutschland und Europa erreichen. Unsere sportpolitische Stimme wird immer deutlicher gehört“.

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