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Eintracht Frankfurt : Regeneration, Rotation

Lob von Kovac für Mascarell: „Der läuft wie ein Duracell-Hase“. Und verwandelt ganz nebenbei mit Chuzpe einen Strafstoß. Bild: Wonge Bergmann

So hält Trainer Niko Kovac die Eintracht am Laufen. Ob Meier das Team in Gladbach anführen kann, steht noch nicht fest. Bei anderen ist die Verfassung „so lala“.

          3 Min.

          Die Rotation war gewollt – und sie war nötig. „Der springende Punkt ist doch: Wer kann am schnellsten regenerieren?“ Ein Frage, die sich in den sogenannten englischen Wochen des Fußballs auch Eintracht-Trainer Niko Kovac stellt. Beim siegreichen Auftritt im DFB-Pokal gegen den Bundesligarivalen FC Ingolstadt – vier Tage nach dem 3:0-Auswärtssieg im Punktspielbetrieb in Hamburg – verzichtete der Frankfurter Fußballlehrer auf vier Stammkräfte. Einige von ihnen wie Rechtsverteidiger Timothy Chandler und Offensivmann Marco Fabián „waren platt“, wie Kovac am Tag nach dem Achtelfinaleinzug sagte.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Bei anderen wie Linksverteidiger Bastian Oczipka sei die körperliche Verfassung „so lala“ gewesen. Und im Fall von Alexander Meier vertraute der Coach ganz dem Urteil seines Kapitäns. „Er hat mir schon vor dem HSV-Spiel gesagt, dass er nicht hundertprozentig fit ist. Nun ist auch noch eine Zerrung dazugekommen, die behandelt wird.“ Ob Meier die Eintracht an diesem Freitag beim schweren Auswärtsspiel in Mönchengladbach anführen kann, ist deshalb fraglich. „Nach dem Abschlusstraining am Donnerstag soll er selbst entscheiden, ob er spielen kann.“

          „Er war übermotiviert, aber er ist lernwillig“

          Kovac vertraut seinen Spielern – und sie vertrauen ihrem Trainer. Das Rotationsprinzip, „das Ottmar Hitzfeld salonfähig gemacht hat“, wie sein damaliger Spieler Kovac über seinen Lehrmeister sagte, hat sich auch der Frankfurter Coach zu eigen gemacht, um seine Mannschaft am Laufen zu halten. „Es ist wichtig, Spieler spielen zu lassen, die bislang noch nicht zum Zug gekommen sind.“ Profis wie Yanni Regäsel beispielsweise. Oder Taleb Tawatha. Beide Aushilfsverteidiger durften sich gegen Ingolstadt empfehlen. Regäsel tat dies nach Ansicht seines Trainers „ordentlich“.

          Bei Tawatha bat er um Nachsicht und „Toleranz“. Der Auftritt des Israelis war ernüchternd. Trotzdem oder gerade deshalb sprang Kovac dem jungen Abwehrspieler bei. „Er war übermotiviert, aber er ist lernwillig.“ Zugleich bekräftigte der Frankfurter Fußballlehrer, beim Millionentransfer von Tawatha gemeinsam mit den anderen Eintracht-Verantwortlichen „richtig gut hingeguckt“ zu haben. „Man muss den Leuten das Vertrauen geben. Taleb braucht Zeit. Wir geben sie ihm, denn er ist ein Perspektivspieler, der für uns noch viele schöne Spiele machen wird“, ist sich Kovac sicher. Wie auch in der Einschätzung, dass Spieler grundsätzlich erst in der zweiten Saison beurteilt werden sollten.

          Das ist ein langer Zeitraum im schnelllebigen Fußballgeschäft. Und es gibt Beispiele, dass es auch schneller gehen kann. Gegen Ingolstadt zeigte nicht nur der gewohnt konstant spielende Innenverteidiger Jesus Vallejo eine gute Leistung. Auch sein spanischer Landsmann Omar Mascarell kommt immer besser in Schwung. Beim Erfolg gegen die Oberbayern, letztlich zustande gekommen durch die besseren und entschlosseneren Elfmeterschützen, lief Mascarell knapp zwölf Kilometer. „Der ist ständig in Bewegung und läuft wie ein Duracell-Hase“, lobte Kovac den variablen Mittelfeldspieler.

          Krisenmonat Oktober: nicht in dieser Saison

          Überhaupt: Flexibilität ist Trumpf. Kovac legt großen Wert darauf, dass seine Mannschaft auf alle Eventualitäten vorbereitet ist. Dreierkette, Viererkette: „Unsere Systeme werden ständig gewechselt.“ Was noch im Pokal Konjunktur hatte, kann schon im Liga-Alltag Makulatur sein. Zumal die Gladbacher Borussia spielerisch ein anderes Kaliber als Ingolstadt ist. „Die Borussia gehört für mich zu den top drei, vier Teams der Bundesliga“, sagte der Frankfurter Trainer. „Unser Ziel muss es sein, immer zu mixen, um unberechenbar zu sein.“

          Wie die Gladbacher, die ebenfalls das Achtelfinale des DFB-Pokals erreicht haben, legen auch die Frankfurter in diesen Tagen großen Wert darauf, mit den Kräften ökonomisch umzugehen. „Uns allen war schon vor dem Pokalspiel klar, dass es nicht einfach werden würde.“ Eines der Probleme der Frankfurter Mannschaft: Gegen „tiefstehende Gegner tun wir uns schwer“. Kovac ist sicher: Dem großen Rest der Liga ergeht es ähnlich. „Mindestens achtzig Prozent der anderen haben auch Probleme.“ Die grundsätzliche Problemlage der Eintracht, wenn man denn überhaupt davon sprechen kann, ist überschaubar. In der Bundesliga ist Kovac mit seinen Leuten als Tabellensiebter auf Kurs. Im Pokal als Achtelfinalist auch. Für die Eintracht ist der einstige Krisenmonat Oktober also doch mehr golden gewesen.

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