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Nach dem Sieg beim OFC : Feiertage bei der Eintracht

Gut drauf nach dem Spiel beim OFC: Kapitan Ochs und Neuzugang Teber Bild: REUTERS

Das Stimmungshoch nach dem Sieg gegen den OFC wird den Geburtstags-Dienstag überstehen und soll noch länger Konjunktur haben. Die Probleme der Vorbereitung sind vorerst vergessen.

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          Lauter Gründe zu Feiern: Bei der Frankfurter Eintracht könnte an diesem sommerlichen Dienstag die Stimmung kaum besser sein. Zwei Tage nachdem man im Pokalderby die Offenbacher Kickers 3:0 geschlagen hat und locker in die zweite Runde eingezogen ist, knallen heute gleich bei vier Geburtstagskindern die Sektkorken: Trainer Michael Skibbe wird 44, Nikos Liberopoulos 34, Benjamin Köhler 29 und Marco Russ 24. Nicht nur deswegen, sondern vielmehr als Belohnung für den gegen Ende souveränen Auftritt am Bieberer Berg in Offenbach gewährte der neue Chefcoach seinen Leuten zum Fest des Tages eine Auszeit. Erst am Mittwochmorgen trainieren sie wieder für den Bundesliga-Auftakt am Samstag in Bremen, ehe am Abend im osthessischen Burghaun gegen eine sogenannte Rhön-Auswahl ein letzte Probe aufs Exempel vor dem bevorstehenden Ernstfall auf dem Programm steht.

          Ermutigt durch den Erfolg in der Nachbarschaft schaut Skibbe nach nicht unproblematischen Wochen mit hohen Testspielniederlagen und internen Zerwürfnissen optimistisch in die nahe Zukunft. „Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Runde spielen können“, sagte der Dreiundvierzigjährige, der nach dem nicht zuletzt prestigeträchtigen Sieg gegen den Tabellendritten der Dritten Liga allerdings „noch einiges an Steigerungspotential“ erkannte. Vor allem bei der Ballbehandlung, der Passsicherheit und der Spieleröffnung blieb die Einracht mehr als eine Halbzeit lang hinter den Erwartungen zurück. Erst als Selim Teber in der 64. Minute für Chris Platz machte und der Brasilianer geschickt die Sechserpositon vor der Viererabwehrkette übernahm und das Spiel mit öffnenden Pässen beschleunigte, wendete sich das Blatt zugunsten des Favoriten.

          „Überragendes Debüt“ von Schwegler

          Auch der Schachzug, den erst vor knapp zwei Wochen aus Leverkusen verpflichteten Pirmin Schwegler gegen Ende von seinen Pflichten im defensiven Mittelfeld zu entbinden, war nicht der Schlechteste. Mit dieser taktischen Umstellung kam der OFC nicht zurecht. „Danach hat der Gegner ein bisschen den Faden verloren“, stellte Skibbe zurecht fest. Den Auftritt des erst 22 Jahre alten Schwegler bezeichnete der Trainer als „überragendes Debüt“. In der 71. Minute schloss der Eintracht-Novize einen flotten Konter nach einer präzisen Flanke von Caio volley mit dem linken Fuß zur 1:0-Führung ab.

          Zuvor bei Bayer 04 hatte der Schweizer in 46 Bundesligapartien nicht einmal ins Netz getroffen. „Ich habe mir die Tore für die Eintracht aufbewahrt“, sagte er später lächelnd, als er mit den weiteren Torschützen Caio (75. Minute) und Alexander Meier (86.) Arm in Arm vom Platz schlenderte. Als einen „Abend zum Genießen“ fasste Peter Fischer das Geschehen zusammen. „Wie wir uns heute präsentiert haben, macht allen Mut“, meinte der Eintracht-Präsident, der als bekennender Nikotinsüchtiger nur zwei Zigaretten während des Spiels rauchte, „weil ich immer ein gutes Gefühl hatte und kein Nervenflattern bekam“.

          Amanatidis hochprofessionell

          Gut möglich, dass Fischer auch deshalb einen entspannten Sonntag verlebte, weil von dem Hickhack um die Trainerentscheidung, Christoph Spycher als Nachfolger von Ioannis Amanatidis zum Kapitän gemacht zu haben, während der Partie nichts zu spüren war. Erwartungsgemäß hochprofessionell gingen der Schweizer Verteidiger und der griechische Stürmer ihren spielerischen Aufgaben nach und erfüllten diese mit zunehmender Spieldauer zur allgemeinen Zufriedenheit. Spycher wollte sich denn auch gar nicht mehr zu den Wirren um das Amt des Spielführers äußern. „Ich denke, Ioannis hat die Antwort auf dem Platz gegeben. Man hat gesehen, dass er sich ganz in den Dienst der Mannschaft stellt. Und wir zwei hatten eh noch nie Probleme miteinander.“

          Amanatidis, jahrelang der Kopf der Eintracht und trotz seines persönlichen Rücktritts von allen Ämtern immer noch ein hochangesehener, respektierter Fußballprofi, fand den Auftritt der Mannschaft sowie sein persönliches Abschneiden „ganz okay. Es war eine ordentliche Vorstellung. Aber der letzte Pass vor dem Tor ist noch verbesserungsfähig“, mahnte er an. Dass die anfänglich starken Kickers das Tempo nicht würden halten können, hatte Amanatidis erwartet. „Später sind sie dann ein bisschen auseinandergefallen. Und in der zweiten Halbzeit sind wir dann souverän gewesen. Mehr muss man nicht sagen.“

          Härtetest steht noch aus

          3:0 – dieses Pokalergebnis hat Konjunktur bei der Eintracht. Beim letzten Aufeinandertreffen mit den Kickers hieß es gleichfalls 3:0 für die Frankfurter. Und auch im Vorjahr, als der Dienstausflug an den Bodensee zum SC Pfullendorf führte, durfte sich der Eintracht-Tross über drei Tore freuen. Nur das Gesicht der Eintracht sah anders aus. Aus der damaligen Startformation haben lediglich Torwart Oka Nikolov sowie die Verteidiger Patrick Ochs, Marco Russ und Christoph Spycher den Sprung in Skibbes neue Wunschelf geschafft. Skibbe hat einiges umgekrempelt in Frankfurt. Der Erfolg im Pokal mag ihn in seinen Entscheidungen bestätigen.

          Doch der wahre Härtetest, 34 Ligaspiele binnen eines Jahres, steht noch aus. Immerhin: Finanzvorstand Thomas Pröckl kann sich dank des Triumphs auf Biebers Höhen und dem damit verbundenen Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals über Zuwendungen in Höhe von 237 500 Euro freuen. Und für den schnellen Ochs steht außer Frage, „dass wir durch unseren Sieg gute Stimmung in Frankfurt verbreitet haben“.

          Das Hoch dürfte den Geburtstags-Feiertag Dienstag überstehen und zumindest bis Samstag Konjunktur haben. Am Abend erfährt die Eintracht, mit wem sie es am 22./23. September in der nächsten Pokalprüfung zu tun haben wird. Das Ergebnis zum Saisonauftakt in Bremen steht dann schon fest. „Wir haben zuletzt zweimal 0:5 gegen Werder verloren“, sagt Ochs. „Da haben wir einiges gutzumachen. Wir fahren nach Bremen, um zu gewinnen.“ Der Sieg von Offenbach soll zusätzliche Kräfte mobilisieren.

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