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Martin Hinteregger : Der torgefährlichste Verteidiger der Bundesliga

  • -Aktualisiert am

Treffsicher: Martin Hinteregger (links Almamy Touré) nach seinem Tor gegen Berlin Bild: Imago

Martin Hinteregger hat für schon fünf Tore in dieser Saison erzielt. Nur ein Frankfurter ist besser. Die neue Treffsicherheit des Abwehrspielers auf Abwegen liegt auch an besonderer Unterstützung eines Mitspielers.

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          Ausgerechnet als Verteidiger Torschützenkönig bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga zu werden, das wäre eine schöne Überraschung, oder? Ein zugegebenermaßen reizvoller Gedanke für Martin Hinteregger. Aber aus seiner Sicht doch keine gute Idee im Hinblick auf das große Ganze. Er hoffe nicht, dass das Realität werde, sagte der Österreicher nach dem Frankfurter 2:2 gegen die Hertha aus Berlin mit einem Grinsen im Gesicht. „Denn es wäre kein gutes Zeichen.“ Und zwar für die Abteilung Attacke aus dem eigenen Haus.

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          Allerdings verdichten sich momentan die Anzeichen, dass Hinteregger zur Konkurrenz für die Eintracht-Stürmer heranwächst. Sein Kopfballtor zum 1:2 (65. Minute) am Freitagabend war schon sein fünfter Saisontreffer. Der Frankfurter Angreifer Gonçalo Paciência steht nur noch um ein Tor besser da. In bester Gesellschaft befindet sich Hinteregger, der auch die Vorlage zum 2:2 (86.) durch Sebastian Rode gegeben hat, in der ligaweiten Torjägerstatistik jedoch schon heute: Auch ein Offensivspieler wie der Dortmunder Paco Alcácer hat bisher fünf Tore erzielt.

          Die Eintracht-Angreifer hingegen schwächeln momentan auf ganzer Breite. Das letzte Stürmertor durch Paciência bejubelten die Frankfurter beim spektakulären Schützenfest gegen Bayern München (5:1) am 2.November. „Unsere Stürmer müssen zum Abschluss kommen und versuchen, wieder zu treffen“, sagte Trainer Adi Hütter im Anschluss an den ersten, mit viel Leidenschaft erkämpften Punktgewinn nach zuvor drei Misserfolgen. „Dafür arbeiten sie hart.“ Der Portugiese Paciência mühte sich auch im Duell mit dem Hauptstadtklub nach Kräften. Aber die Durchschlagskraft ist dem von den Einsätzen her stark beanspruchten Angreifer im Jahresendspurt abhanden gekommen, auch das ist ein Grund, warum die Eintracht nun im „Niemandsland“ (Hütter) der Tabelle steht.

          Und der Landsmann von Paciencia, André Silva, kämpfte zuletzt mit körperlichen Problemen (Achillessehne). Immerhin war bei der Leihgabe vom AC Mailand trotz seiner Leiden ein leichter Formanstieg am 14. Spieltag zu erkennen. Für den Dritten im Bunde, Bas Dost, ist dieses Jahr gelaufen. Den Niederländer, der sich mit einer Leistenverletzung in Therapie begeben musste, hat die Eintracht erst einmal aus dem Spielbetrieb genommen. Als Torschützen traten Dost und Silva bisher mit jeweils drei Treffern in Erscheinung. Macht ihr Mitspieler in der Abwehr, der kopfballstarke Hinteregger, vorne so weiter, ist sein sechster Saisontreffer am kommenden Sonntag gegen Schalke 04 vorprogrammiert.

          Hinteregger in Hochform auf territorialen Abwegen im Sturm – genauso hatte sich das der torgefährlichste Verteidiger der Liga, für den sich mittlerweile diverse englische Klubs interessieren sollen, vorgestellt. „Ich muss mehr Tore schießen“ – das habe er sich schon vor dieser Saison als „wichtiges Ziel“ gesetzt, berichtete der österreichische Nationalspieler. Unterstützung erhielt der neue Torjäger von seinem langzeitverletzten Kollegen Marco Russ, den Hinteregger respektvoll als „torgefährlichen Verteidiger“ lobte. Mit Russ führte der Österreicher viele Gespräche, zusammen schauten sie sich auch ein paar Videos mit entsprechenden Spielszenen an.

          Die „Tipps“ von Russ taten Hinteregger gut, ist er in dieser Spielzeit doch schon zu so vielen Toren gekommen wie in seiner bisherigen Bundesliga-Karriere zusammen. „Und ich bin noch nicht am Ende für diese Runde.“ Hintereggers Ankündigung muss die Konkurrenz ernst nehmen. Auch das Stürmen hat der Eintracht-Profi nämlich erlernt, bis zu seinem 14.Lebensjahr war er auf dem Platz ganz auf Angriff eingestellt. Im torreichen Aufeinandertreffen mit Berlin war das nach 28 Spielminuten zu sehen, als dem Gewaltschuss von Hinteregger nur Hertha-Torhüter Thomas Kraft im Weg stand. Wann immer es ging, zog es Hinteregger vor 50.000 Zuschauern mit Macht nach vorne.

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          Als regelmäßig treffender Abwehrspieler ist der ehemalige Augsburger Profi zum Zugpferd für die Eintracht geworden. Auf der Höhe der Zeit ist Hinteregger besonders bei Standardsituationen, von denen die Frankfurter in ihren Spielen meist reichlich haben. „Die Flanken kommen gut. Ich habe mittlerweile ein Gefühl gefunden, wie ich reinlaufen muss“, sagte er. Die Vielseitigkeit von Hinteregger, der auch als kompromissloser Verteidiger gefürchtet ist, ist beachtlich. Variabler müsse allerdings das Frankfurter Mannschaftsspiel im Angriff werden. „Es wird Zeit, dass wir versuchen, im Sechzehner aus dem Spiel heraus die Durchschlagskraft zu finden und dann die Tore zu machen“, sagte Hinteregger. „Wenn wir sehen, dass wir nicht nur über die Außen kommen, sondern dass wir uns auch durch die Mitte durchspielen können“, dann erweitere sich das Spektrum der eigenen Möglichkeiten.

          Die Leistung gegen die Berliner, die durch Dodi Lukébakio und Marko Grujic 2:0 (30./63. Minute) in Führung gegangen waren, sei „richtig gut gewesen“, fand Hinteregger. „Aber vielleicht fehlt uns vorne noch das gewisse Etwas. Vielleicht muss bei uns irgendwie der Knoten platzen.“ Ein weiteres Manko ist, dass die Hessen hinten ihre Reihen nicht über 90 Minuten geschlossen halten können. Hütter bemängelte, dass seine Mannschaft „zu einfache und billige Tore aus dem Nichts heraus“ bekomme. „Auf einmal führt Berlin 2:0. Was ist jetzt los, das gibt es doch nicht“, hatte sich Hinteregger auf dem Platz gedacht. „Gefühlt war Berlin heute gar nicht vorhanden.“ Das Gefühl, remis gegen die „alte Dame“ zu spielen, kennt der Österreicher zur Genüge. Im sechsten Kräftemessen war es bereits die sechste Punkteteilung. An der Hinteregger in seiner Rolle als sturmerprobter Verteidiger großen Anteil hatte.

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