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Krise in Frankfurt : Die allerletzte Chance der Eintracht

Mit hängendem Kopf: Martin Hinteregger nach der Niederlage gegen Köln Bild: Jan Huebner

Von Weihnachtsstimmung kann beim Frankfurter Bundesligaklub keine Rede sein: Die Abstiegszone kommt immer näher. Und ausgerechnet am letzten Spieltag vor der Pause steht plötzlich viel auf dem Spiel.

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          Ein Auftritt noch, dann ist es geschafft: Weihnachtsferien! Die Eintracht sehnt eine Pause zum Durchatmen herbei. Das Team ist in allen Teilen und jeder Hinsicht erschöpft, wie sich auch beim 2:4 gegen den 1. FC Köln zeigte. Viel Zeit zum Ausspannen bleibt nicht. Am 2. Januar geht es zum Trainingslager nach Florida. Zur Sinnhaftigkeit des mit Reisestrapazen verbundenen Trips äußerte sich Adi Hütter ausweichend.

          Bundesliga

          Der Aufenthalt wurde auch im Hinblick auf Vermarktungs-Interessen des Klubs geplant, der eine Dependance in New York eröffnen wird. „In Amerika wird es nicht so sein, dass wir körperlich etwas draufhauen müssen. Die Jungs müssen körperlich und geistig wieder frisch werden“, sagte der Trainer. Im Gastspiel beim SC Paderborn an diesem Sonntag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky), dem 53. Pflichtspiel des Jahres, besteht die letzte Chance, die Ausbeute von 18 Zählern zu verbessern. Zum Vergleich: Vor zwölf Monaten beendete die Eintracht die Hinrunde mit 27 Zählern. Woran liegt das?

          Not in der Abwehr

          Kurz vor dem Abpfiff verlor Martin Hinteregger die Nerven. Aus Frust über einen Pfiff des Unparteiischen Deniz Aytekin ließ sich der Österreicher, bis dahin einer der Aktivposten der Eintracht, zu einer lautstarken Beschwerde hinreißen und sah die Gelbe Karte wegen Meckerns. Ein Fauxpas mit Folgen: Für den 27-Jährigen war es die fünfte Verwarnung – in Paderborn ist er gesperrt (genauso wie David Abraham, der nach seinem Platzverweis in Freiburg erst in der Rückrunde wieder dabei sein darf). Hütter bleiben nicht viele Möglichkeiten, um die Defensive, die bei den sieben Niederlagen seit dem letzten Sieg in der Liga (5:1 gegen die Bayern) 15 Gegentreffer hinnehmen musste, zu formieren. Evan Ndicka behielt nach seiner Einwechslung unter Druck zumeist kühlen Kopf, was Almamy Touré abermals nicht gelang: Er ist eine der größten Schwachstellen im System. Als Alternative stünde Simon Falette bereit, dessen Künste bei Hütter aber nicht hoch im Kurs stehen und der in der Winterpause weg möchte. „Wenn wir weiter solche Leistungen zeigen, dann kämpfen wir gegen den Abstieg“, sagte Makoto Hasebe. Neben den schwindenden Kraftreserven machte er auch die „fehlende Leidenschaft“ für den Einbruch gegen die Kölner verantwortlich. Neue Töne.

          Mittelfeld-Sorgen

          Die Stimmung ist gereizt. Filip Kostic geriet noch auch dem Platz mit Makoto Hasebe und Evan Ndicka aneinander, denen er gestenreich Vorwürfe machte. Dominik Kohr räumte ein, dass ihn selbst in der Halbzeit nach dem Gegentor der Kölner ein „mulmiges Gefühl“ beschlichen habe. Er müsse „nicht jeden Tag auf die Tabelle schauen“, um zu registrieren, dass sich die Ausgangslage verschlechtert habe, sagte er später. Im Maschinenraum der Eintracht läuft fast alles auf Notstrom. Bei den meisten statistischen Werten – Torschüsse, Ballaktionen, Zweikampfquote, Ecken – lagen die Kölner vorne. „Ich weiß, wie es den Jungs geht, weil ich Gott sei Dank die Sicht nach innen habe“, sagte Hütter, der selbst Profi war: „Wie leer der Tank auch ist. Wir müssen den Zapfhahn finden, um eine ordentliche Partie zu spielen.“ Daichi Kamada braucht ganz dringend Erholung. Vom Japaner gehen kaum noch Impulse aus. Als Ersatzkandidat bietet sich Mijat Gacinovic an. Der Serbe laboriert allerdings an den Folgen des Tritts von Schalke-Keeper Nübel. Bei Sebastian Rode, der am Mittwoch im Zweikampf „einen Schlag“ erhielt, wie Hütter sagte, und ausgewechselt werden musste, ist damit zu rechnen, dass er die Zähne zusammenbeißt.

          Ernüchternd: Gegen Köln bereitete Filip Kostic zwei Tore vor, am Ende verlor die Eintracht dennoch.

          Vorbild im Sturm

          Noch im Oktober hat Bas Dost davon gesprochen, dass er mit der Eintracht in die Champions League wolle. Sein Weihnachtswunsch dürfte anders lauten. Der wieder genesene Niederländer wartet seit dem achten Spieltag (2:0 gegen Leverkusen) auf ein Liga-Tor, kann den Kollegen in der Krise aber dennoch als Vorbild dienen: An seinem Behauptungswillen gibt es nichts zu meckern. Zusammen mit André Silva dürfte er am Sonntagabend in der Startformation stehen. Gonçalo Paciência (7), neben Hinteregger mit sechs Toren im Abschluss am erfolgreichsten, klagt über Muskelbeschwerden.

          Zahlen, bitte!

          Die Erinnerung an vergangene Duelle kann der Eintracht beim Blick voraus wenig Hoffnung machen. Viermal kreuzten sich bis heute ihre Wege mit denen des SC Paderborn – erst einmal (4:0, in der zweiten Liga am 14. März 2015) gewannen die Frankfurter. Momentan sind die Ostwestfalen das heimschwächste Team der Liga. Der Aufsteiger holte vor eigenem Publikum erst vier Punkte. Darauf zu spekulieren, dass das ein Vorteil für die Hessen sein könnte, wäre gewagt. In der Fremde ist bis heute kein Team schlechter als Hütters Truppe: Von sieben Partien verlor sie sechs.

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